Tennis: Sampras und die Schatten der Vergangenheit: "Pistol-Pete" kann erfolgreichster Spieler der Grand-Slam-Turniere werden
zuletzt aktualisiert: 17.01.2000Melbourne (dpa). Wenn Pete Sampras heutzutage zum Schläger greift, spielt er auch gegen die Schatten der Vergangenheit. Nach zwölf Siegen bei Grand-Slam-Turnieren heißen seine Gegner nicht nur Agassi, Kafelnikow und Kiefer, sondern auch Emerson, Rosewall und Laver. Der tennisgeschichtsbewußte US-Amerikaner unternimmt bei den Australien Open den ersten Versuch, der erfolgreichste Spieler bei den vier bedeutendsten Turnieren der Welt zu werden.
Sollte er das ausgerechnet vor den Augen des mittlerweile 63-jährigen Mit- Rekordhalters Roy Emerson im Rod Laver-Stadion schaffen, schlösse sich der Kreis. Den ersten Schritt absolvierte der Weltmeister am Montag durch ein 6:4, 7:5, 6:4 gegen den Australier Wayne Arthurs.
Schon als kleiner Junge sah Sampras Videos mit Spielen der großen Australier. "Ich habe immer ihre Klasse bewundert, auf dem Platz und auch darüber hinaus", erzählte der langjährige Weltranglisten-Erste schon mit leuchtenden Augen nach seinem ersten Triumph vor fast zehn Jahren bei den US Open 1990 als 19-Jähriger in New York. Die Bewunderung beruht auf Gegenseitigkeit. Emerson spielte vor Turnierauftakt in Melbourne mit Sampras ein paar Bälle und war schwer beeindruckt. "Dabei hat er noch nicht einmal richtig draufgehauen." Sampras gab das Kompliment artig zurück: "Seine Rückhand kommt immer noch gut, nur mit dem Laufen hapert es. Ich hätte nicht unbedingt gern in seiner besten Zeit gegen ihn gespielt."
Sampras musste wegen verletzungsbedingter Probleme 1999 nach sechs Jahren auch den ihm so wichtigen Weltranglistenplatz mit der Nummer eins am Jahresende räumen. Viele hatten ihn schon abgeschrieben, bis er dann bei der Weltmeisterschaft in Hannover im Endspiel plötzlich Agassi vom Platz fegte wie selten zuvor gesehen. "Ich glaube, du kannst noch viele, viele Jahre spielen", sagte Emerson zu Sampras, "und meinen Rekord wirst du weit hinter dir lassen."
Sampras ist in der Vergangenheit oft vorgworfen worden, ein grenzenloser Langweiler zu sein. Er hat stets betont, er sei Leistungssportler. Damit habe es sich, für die Show seien die anderen zuständig. Seinen Ruf als braver Junge wurde sogar von der Werbung aufgegriffen, wo er vom ewigen Bösewicht John McEnroe dazu "verführt" wurde, eine Pizza falschherum zu essen, der einzige öffentliche Ausrutscher sozusagen. Vielleicht erinnert sich ja in 30 Jahren ein junger Sieger daran, wie er als kleiner Junge Pete Sampras gesehen hat. Der untadelige Amerikaner wäre sicher stolz.
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