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Breslau
Pläne für Handball-Weltliga mit zwölf Teams

Breslau. Spiele könnten unter der Woche stattfinden. Die Bundesliga soll nicht beeinträchtigt werden. Aus für die Champions League?

Die Pläne europäischer Spitzenklubs für den Aufbau einer Handball-Weltliga sind so konkret wie nie. Die Serie nach Vorbild mit zwölf Topteams soll die ungeliebte Champions League verdrängen und ab 2019 parallel zur Bundesliga ausgetragen werden. Die deutschen Spitzen-Funktionäre versprechen sich einen Quantensprung für ihre Sportart. "Wenn das Ganze so umgesetzt wird wie geplant, sind Reichweiten und Werbetöpfe für den Handball möglich, an die unser Sport sonst nicht herankommen würde", sagte Thorsten Storm, Geschäftsführer des deutschen Rekordmeisters THW Kiel, und nannte die Pläne eine Riesenchance für unseren Sport.

Geplant ist eine von privaten Investoren finanzierte Lizenzliga nach dem Muster der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA, in der neben den Kielern auch die Füchse Berlin starten sollen. Die Teilnehmer treten in einem geschlossenen Zyklus das ganze Jahr in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Es soll feste Spieltermine im Wochen-Rhythmus geben, die sich mit der Bundesliga abwechseln. Unter der Woche könnten die Spiele der Weltliga stattfinden, an den Wochenenden die der Bundesliga. Die Champions League hätte in ihrer bisherigen Form wohl keine Zukunft mehr.

"Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir aus dem Fenster gucken und nicht merken, dass die Rollläden unten sind", sagte Füchse-Manager Bob Hanning. Man habe erkannt, dass sich "grundsätzlich etwas ändern muss". Hanning plädierte für eine gemeinsame Lösung mit dem Europäischen Handballverband (EHF), der die Champions League austrägt.

Danach sieht es zurzeit aber nicht aus. Schon im Sommer wird der Geschäftsführer der EHF Marketing, Peter Vargo, die Fronten wechseln und bei der Premier Handball League (PHL) einsteigen. Vargo hat bislang die Vermarktung der Königsklasse verantwortet.

Die Geldgeber verfolgen das Ziel, Handball mittelfristig auch auf dem US-Markt zu positionieren. "Dass Großstädte wie Berlin, Paris, Barcelona oder Moskau mitmachen, ist die Bedingung unserer Rechtepartner und Investoren", sagte PHL-Initiator Wolfgang Gütschow. Er ließ die Premier Handball League AG als Verwaltungspräsident am 25. November 2015 ins Handelsregister in Zürich eintragen, dem "Handelsblatt". Von weiteren deutschen Spitzenklubs wie der SG Flensburg-Handewitt oder den Rhein-Neckar Löwen ist bislang nicht die Rede - was aber nichts heißen muss. "Ich befinde mich in Gesprächen mit der neuen Liga und finde die Idee grundsätzlich gut", sagte Löwen-Manager Lars Lamade dem "Mannheimer Morgen".

Bei der Bundesliga (HBL) stuft man die Pläne als interessant ein. "Es ist eine gute Vermarktungsidee, unseren Sport in weltweite Metropolen bringen zu wollen", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Man muss das Modell und die Sportart in Städten wie Sydney, Chicago oder Tokio aber erstmal vermitteln." Zunächst gelte es, in die Detailplanung zu gehen. Die Bundesliga, dies betont Storm, soll von dem neuen Produkt "in keinster Weise" beeinträchtigt werden. Die zusätzlichen Belastungen für die Spieler könnten, so die Macher, durch größere Kaderstärken aufgefangen werden. "Die Bundesliga hat für uns Tradition und ist unumstößlich", sagte Kiels Manager.

(sid)
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