Thomas Bach sieht Vertrauen in Sydney bestärkt: Pleiten, Pech und Pannen hatten IOC auf die Palme gebracht
zuletzt aktualisiert: 18.02.2000Sydney (sid). Eitel Sonnenschein nach dem reinigenden Gewitter von Sydney: Trotz Eskalation des Streits zwischen IOC-Vizepräsident Richard "Dick" Pound und Australiens Olympiaminister Michael Knight sieht das deutsche Exekutivmitglied Thomas Bach sieben Monate vor der gigantischen Eröffnungsfeier im Olympic Stadium "das Vertrauen in Sydney bestärkt". Das Internationale Olympische Komitee (IOC) habe, wie Bach im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) sagte, dem umstrittenen Organisationskomitee SOCOG "die Botschaft übermittelt: Konzentriert euch jetzt auf die Sacharbeit und hört auf, euch mit den eigenen Problemen zu beschäftigen."
Pleiten, Pech und Pannen im Umgang mit den Sponsoren, Defizite im olympischen Haushalt, gefeuerte Manager und weiter vorhandene Finanzprobleme hatten Pound, einem der Kandidaten um die Nachfolge von IOC-Präsident Samaranch, auf die Palme gebracht. Und an den grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten konnte auch ein versöhnlicher Bruderkuss des umstrittenen Olympiaministers am Ende der Sitzung der Exekutive nichts ändern.
Thomas Bach: "Zur Form der Auseinandersetzung will ich nichts sagen, aber die Exekutive vertritt die Meinung, dass die Fakten auf den Tisch gehören. Fakt ist, dass über 60 Prozent des Budgets des Organisationskomitees vom IOC kommen. Das sind fast 1,1 Milliarden Dollar. Bei anderen Veranstaltungen bekommt der internationale Verband das Geld von den Organisatoren und nicht umgekehrt."
Der 79 Jahre alte Samaranch spielte die Auseinandersetzungen zwischen IOC und dem Organisationskomitee bewusst herunter: "Das ist alles nicht wichtig, wichtig sind allein die Olympischen Spiele und die Athleten." Ob Sydney ein Erfolg werde, "können wir erst nach der Schlussfeier sagen. Ich bin nicht der Richter der Spiele, das sind die Massenmedien."
Vor dem Hintergrund des Bestechungsskandals "war die Vorbereitung der Olympischen Spiele 2000 schwieriger als vorher", sagte Samaranch weiter: "Aber auch der Skandal hat an der überragenden Bedeutung der Spiele nichts ändern können." Bach: "Es geht nicht darum, nachzukarten, sondern um den Erfolg der Spiele. Und jeder weiß, wie wichtig der für das IOC ist."
In Sydney werden 10.380 Athleten erwartet. Bach forderte angesichts der bevorstehenden 300 Entscheidungen: "Wir sollten über eine Reduzierung nachdenken. Zuviele Entscheidungen pro Tag entwerten die Einzelentscheidung."
Ob er selbst nach Ambitionen habe, irgendwann Präsident des IOC zu werden, beantwortete Bach mit den Worten: "Mein Mandat in der Exekutive endet mit den Spielen von Sydney. Wenn ich irgendwann Präsident werden wollte, müsste ich mich unmittelbar vor Sydney zur Wahl zum Vizepräsidenten stellen. Aber da ist der interne Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen."
IOC und Australiens Anti-Doping-Agentur investieren im Hinblick auf die Spiele nochmals über zwei Millionen US-Dollar, um die Forschung zum Nachweis der Modedroge Erythropoietin (EPO) zu intensivieren. Samaranch und Australiens Sportminister Joe Hockey unterzeichneten am Freitag einen entsprechenden Vertrag. Samaranch: "Wir werden sehen, ob wir die Tests bis zu den Spielen noch realisieren können."
Zum Kampf um seine Nachfolge meinte Samranch nur lächelnd: "Sie sind alle an der Startlinie. Vielleicht ist einer sogar besser als ich."
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