Eiskunstlauf: Jagudin mit starkem Kurzprogramm: Plushenko vor erstem WM-Gold
zuletzt aktualisiert: 21.03.2001 - 09:44Vancouver (rpo). Ewgeni Plushenko steht bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Vancouver vor seinem ersten Titel. Der russische Europameister baute seine Führung nach dem Kurzprogramm aus und führt souverän vor Ex-Weltmeister Todd Eldredge aus den USA und seinem Landsmann Alexej Jagudin (Foto), Titelträger der Jahre 1998 bis 2000.
Jagudin überzeugte zwar wieder und trotzte einer schmerzhaften Knöchelverletzung, seinem 18 Jahre alten Landsmann aber reicht schon die zweitbeste Kür zum Gesamtsieg.
Katarina Witt war völlig aus dem Häuschen. "Alexej Jagudin hat alles, was das Herz einer Frau höher schlagen lässt, er ist eine Kämpfernatur und hat Sex-Appeal", schwärmte die Doppel-Olympiasiegerin von dem angeschlagenen Russen nach einem denkwürdigen Abend bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Vancouver. Nicht Ewgeni Plushenko, dem sein erster Titel kaum noch zu nehmen ist, begeisterte mit seiner fehlerfreien Leistung im Kurzprogramm die 16.000 Zuschauer im General Motor Place. Die Show stahl dem 18- Jährigen am Dienstagabend sein größter Widersacher und ehemaliger Trainingspartner, der drei Jahre ältere Jagudin.
Wegen seiner Verletzung war der dreifache Weltmeister in der Qualifikationskür als "Gladiator" mehrmals hingefallen und mit schmerzverzerrtem Gesicht aus der Halle geflüchtet. Vier Spritzen in den entzündeten Fuß wirkten 24 Stunden später Wunder: Ohne Wackler stand Jagudin eine Vierfach-Toeloop/Dreifach-Toeloop-Kombination und begeisterte das Eislauf-Publikum mit kämpferischen Gesten. Nach der katastrophalen Auftaktleistung reichte es vorerst nur zu Rang drei hinter Plushenko und dem Amerikaner Todd Eldredge.
"Ich ziehe meinen Hut vor ihm, es wäre einfacher gewesen, verletzt aufzugeben, als sich so durchzuboxen", meinte Katarina Witt, die den ebenfalls in den USA lebenden Russen gern oben auf dem Treppchen sehen würde. "Die Menschen zeigen ihren Charakter erst, wenn sie verletzt sind", meinte Jagudin nach seiner Glanz-Vorstellung. Plushenkos Vorsprung ist aber auch mit einer guten Kür am Donnerstag kaum mehr aufzuholen.
Mit Respekt verfolgte der Erfurter Stefan Lindemann die Ereignisse an der Spitze des Feldes. Seine Erkenntnis: "Wer keinen vierfachen Sprung kann, kommt nicht nach oben". Nach seiner schweren Fußverletzung war er froh, ohne einen Sturz durchs Programm gekommen zu sein. "In der Kür greife ich noch einmal an", meinte der Junioren- Weltmeister des Vorjahres, dem Rang 16 noch zu wenig ist. "Ich traue ihm zu, dass er in den nächsten Jahren in die Top Ten läuft", bestätigte Expertin Witt, die bei der WM als TV-Kommentatorin arbeitet.
Auf jeden Fall unter den ersten Zehn werden die Berliner Tänzer Kati Winkler/Rene Lohse landen. Platz sechs bis acht ist das Ziel der beiden Sportsoldaten nach ihrer guten Vorstellung in den Pflichttänzen. Zwölf Monate vor Olympia wollen sich die in Oberstdorf Trainierenden für die Zeit nach Salt Lake City bei den Preisrichtern empfehlen. Denn dann gehen vermutlich mehrere Spitzenpaare in den Profisport, und die Deutschen könnten in die Nähe der Medaillenränge rutschen.
Zwei Tage vor der WM hatten die beiden 27-Jährigen heftige Kritik an der mangelnden Unterstützung durch die Deutsche Eislauf-Union (DEU) geübt. Winkler/Lohse warfen den Funktionären vor, keine professionellen Bedingungen zu schaffen und sie finanziell im Regen stehen zu lassen. "Es gab viele Missverständnisse von beiden Seiten. Nach der WM wird man sich in Ruhe zusammensetzen und alles besprechen", sagte Trainer Skotnicky am Dienstag. Während des Wettkampfes wollte er das leidige Thema vom Tisch haben.
Eiskunstlaufen, Weltmeisterschaften in Vancouver, Pflichttänze (Rumba und Tango Romantica), Gruppe A:
1. Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) 0,4 Punkte, 2. Margarita Drobiazko/Povilas Vanagas (Litauen) 0,8, 3. Galit Chait/Sergej Sachnowski (Israel) 1,2, 4. Elena Gruschina/Ruslan Gonscharow (Ukraine) 1,6, 5. Albena Denkowa/Maxim Stawiski (Bulgarien) 2,0, 6. Tatjana Nawka/Roman Kostomarow (Russland) und Sylwia Nowak/Sebastian Kolasinski (Polen) jeweils 2,6, 8. Isabelle Delobel/Olivier Schoenfelder (Frankreich) 3,2, 9. Marika Humphreys/Witali Baranow (Großbritannien) 3,6, 10. Agata Blazowska/Marcin Kozubek (Polen) und Gloria Agogliati/Luciano Milo (Italien) jeweils 4,2, 12. Nakako Tsuzuki/Rinat Farchudinow (Japan) 4,8, 13. Zita Gebora/Andras Visontai (Ungarn) 5,2, 14. Alissa de Carbonnel/Alexander Malkow (Weißrussland) und Anna Mosenkowa/Sergej Sichow (Estland) jeweils 5,8
Herren, Stand nach dem Kurzprogramm:
1. Ewgeni Plushenko (Russland) 1,0, 2. Todd Eldredge (USA) 2,6, 3. Alexej Jagudin (Russland) 3,2, 4. Timothy Goebel (USA) 3,6, 5. Yunfei Li (China) 5,4, 6. Alexander Abt (Russland) 5,8, 7. Takeshi Honda (Japan) 6,4, Stanick Jeannette (Frankreich) 6,6, 9. Chengjiang Li (China) 6,8, 10. Elvis Stojko (Kanada) 7,4, 11. Anthony Liu (Australien) 8,8, 12. Iwan Dinew (Bulgarien) 10,0, 13. Patrick Meier (Schweiz) 11,0, 14. Emanuel Sandhu (Kanada) 11,2, 15. Sergej Rilow (Aserbaidschan) 11,8, 16. Stefan Lindemann (Erfurt) 12,0, ... 19. Vincent Restencourt (Frankreich) 16,4
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