Leichtathletik: WM-Silber zahlt sich dennoch aus: Prämie bleibt aus - Schultz hält die Bälle trotzdem flach
zuletzt aktualisiert: 16.10.2001 - 12:21München (rpo). "Bisher habe ich die Bälle flach gehalten, weil ich noch in den schwarzen Zahlen war", sagt Ingo Schultz. Der Leichtathlet wird so langsam ungeduldig, denn 10 Wochen nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in Edmonton/Kanada wartet der 26-Jährige noch immer auf seine 30.000 Dollar Prämie.
Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) hatte versichert, notfalls einzuspringen und den Betrag zu überweisen. Doch bisher ist auf das Konto von Schultz nichts eingegangen.
Der damalige B-Kader-Athlet war, zurückgerechnet vom Tag des 400-m-Finals, binnen eines Jahres nur einmal statt, wie vom Weltverband IAAF gefordert, zweimal im Training zur Dopingkontrolle gebeten worden. Aus diesem Grund verweigerte ihm die IAAF die Auszahlung der WM-Prämie. DLV-Präsident Clemens Prokop räumte Versäumnisse seines Verbandes ein und sicherte einen Ausgleich zu.
Finanziellen Lohn für den Erfolg bekommt Schultz zunächst von anderer Stelle. Der gebürtige Emsländer mit Wohnsitz Hamburg hat gerade einen Vertrag als Botschafter eines Wirtschaftsunternehmens abgeschlossen. In der IT-Branche kennt sich der Student der Bundeswehr mit Fachbereich Speichertechnologie bestens aus. Zumindest bis nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen läuft der Vertrag. "Finanziell abgesichert zu sein ist ein beruhigender Faktor für meine Vorbereitung", bekennt Schultz.
Eine Absage hat der WM-Zweite Startrainer John Smith aus den USA erteilt. Smith hatte erklärt, er würde gerne mit Schultz in seiner Läufergruppe arbeiten und ihn "locker eine Sekunde schneller machen". Doch neben dem Anreiz, zwischen Weltstars wie 100-m-Olympiasieger und Weltmeister Maurice Greene zu trainieren, sieht Schultz vor allem auch die Gefahr, zwischen den Spitzenathleten unterzugehen. "Ein Wechsel wäre für mich als Soldat der Bundeswehr schwierig. Außerdem gibt es keinen Grund, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit meinem Trainer Jürgen Krempin aufzugeben".
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