Davis-Cup-Spieler will ersten Grand-Slam-Erfolg: Prinosil und Bhupathi als neues Traumdoppel
zuletzt aktualisiert: 16.06.2000 - 12:05Halle (sid). Doppelspezialist David Prinosil will mit 27 Jahren endlich den großen Coup landen. Der Daviscupspieler peilt gemeinsam mit Indiens Weltklassemann Mahesh Bhupathi in Wimbledon und bei den US Open seinen ersten Grand-Slam-Titel an. "Das ist meine Chance. Wenn einen ein zweifacher Grand-Slam-Sieger fragt, ob man mit ihm spielen will, sagt man nicht nein", meinte Prinosil, für den nach überstandenen Rückenproblemen die Saison beim ATP-Turnier in Halle erst so richtig begann. Die Zeit bis nach den US Open gilt als Testphase, erst danach wollen Prinosil und Bhupathi entscheiden, ob sie auch künftig gemeinsam antreten.
An der Seite des indischen Computer-Freaks Bhupathi, der sich Ende letzten Jahres wegen persönlicher Differenzen von seinem langjährigen Partner Leander Paes getrennt hat, steigt der ausgezeichnete Doppelspieler David Prinosil endgültig in die absolute Weltspitze auf. "Wir sind bei jedem Turnier gesetzt und harmonieren sehr gut. Es macht richtig Spaß, man kann wirklich ganz nach oben kommen", erklärte der Deutsche, der von dem 26-jährigen Inder kürzlich telefonisch kontaktiert wurde.
Bhupathi gewann 1999 bei den French Open auf der roten Asche von Paris und in Wimbledon auf Prinosils Lieblingsbelag Rasen jeweils mit Leander Paes den Titel. "Ich habe David lange beobachtet, er ist ein sehr guter Doppelspieler", erklärte Bhupathi seine Wahl: "Zusammen können wir durchaus in Wimbledon gewinnen." Am 21. Juli kommt Bhupathi übrigens erstmals für Mühlheim in der deutschen Tennis-Bundesliga im Einzel und im Doppel mit "Katze" Braasch zum Einsatz.
Das Debüt von Prinosil/Bhupathi bei den French Open endete zwar schon in der zweiten Runde, doch in Halle klappte das Zusammenspiel vorzüglich. "Ich konnte vor Paris gerade mal zwei Wochen ohne Schmerzen trainieren und hatte kaum Matchpraxis, aber auf Rasen sieht das schon ganz anders aus", meinte Prinosil: "Ich bin wieder da und habe neues Selbstvertrauen aufgebaut."
Bislang stand "Prino" immer im Schatten. Erst in dem übergroßen von Boris Becker und Michael Stich, nun in dem deutlich kleineren von Nicolas Kiefer und Tommy Haas. Doch auf den Amberger war immer Verlass, vor allem, wenn es darum ging, für Deutschland anzutreten. Prinosil bewies stets Charakter und übernahm jederzeit Verantwortung. Galt er einst als braver Mitspieler, der sich problemlos in jedes Team eingliedert, zeigte er zuletzt immer häufiger Führungsqualitäten.
Im Hinblick auf den Daviscup verstärkt mit Marc Goellner auf der Tour zu spielen, war kein Thema für Prinosil. "Das ist nicht nötig, wir kennen uns so lange, das klappt sowieso. Marc muss erstmal versuchen, im Einzel wieder Fuß zu fassen." Mit Bhupathi sei er außerdem gesetzt, könne locker aufspielen, mit Goellner müsste er sich erst durch die Qualifikation mühen.
Das Tennisspiel hat der gebürtige Tscheche, der bis zu seinem 14. Lebensjahr auch mit großer Leidenschaft Eishockey spielte, von seinem Vater Jiri gelernt. Nach dem Umzug der Familie von Ölmütz nach Nürnberg hängte David die Schlittschuhe an den Nagel und konzentrierte sich ganz auf das Spiel mit der Filzkugel. Mit 15 wurde er deutscher Jugendmeister im Einzel und Doppel.
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