Daviscup: Deutschland führt gegen Niederlande 2:1: Prinosil und Goellner gewinnen Doppel in vier Sätzen
zuletzt aktualisiert: 05.02.2000Leipzig (dpa). Mit einer Energieleistung haben David Prinosil und Marc-Kevin Goellner das deutsche Daviscup-Team im Heimspiel gegen die Niederlande mit 2:1 in Führung gebracht und die Tür zum Viertelfinale weit aufgestoßen. Trotz fehlender Spielpraxis nach langen Verletzungspausen feierte das deutsche Doppel am Samstag ein umjubeltes Comeback und besiegte in Leipzig die stärker eingeschätzten Paul Haarhuis/Jan Siemerink nach einer spannenden, aber alles andere als hochklassigen Begegnung mit 4:6, 6:3, 7:6 (7:3), 6:3. Als nach 2:32 Stunden beim zweiten Matchball ein Lob von Haarhuis im Aus landete, fielen sich Goellner und Prinosil in die Arme und ließen sich von den 4 500 Zuschauern in der nur halb gefüllten Messehalle 1 feiern.
"Für die Pause, die wir hinter uns haben, war es unglaublich, was wir gespielt haben", urteilte Goellner, der lange Zeit kaum einen Ball getroffen hatte. Auch Ex-Teamchef Boris Becker, der auf der Tribüne mit gefiebert hatte, war erleichtert und glücklich: "Sie haben sich fantastisch gesteigert."
Der unerwartete Erfolg, der in erster Linie auf das Konto des einmal mehr im Daviscup überragenden Doppel-Spezialisten Prinosil ging, war eine ausgezeichnete Vorgabe für Thomas Haas. Der 21-jährige Team-Youngster kann am Sonntag (12.00 Uhr) mit einem Sieg im Spitzeneinzel gegen Sjeng Schalken die Partie vorzeitig mit dem Gewinn des dritten Punkts entscheiden. Das bislang einzige Spiel gegen die Nummer eins der Niederlande hat Haas allerdings im vergangenen Jahr im Finale des ATP-Turniers von Auckland verloren.
Sollte Haas, dessen Bilanz von 8:1-Siegen im Daviscup klar für ihn spricht, verlieren, müsste die Entscheidung im fünften und letzten Spiel fallen, in dem der Bad Homburger Rainer Schüttler auf John van Lottum trifft. Allerdings können beide Team-Kapitäne am Schlusstag noch Umbesetzungen vornehmen. So könnte im Falle einer Niederlage von Haas auch Prinosil nach seiner starken Doppel-Leistung anstelle von Schüttler zum Einsatz kommen, der am Freitag bei seiner Niederlage gegen Schalken nach gutem Start die Nerven verlor und eine insgesamt blamable Leistung geboten hatte. Der Sieger von Leipzig trifft vom 7. bis 9. April im Viertelfinale auf die Schweiz oder Australien; der Verlierer muss gegen den Abstieg aus der Weltgruppe kämpfen.
Es war kein großes Doppel, das in Leipzig über die Bühne ging, aber ein spannendes, in dem Prinosil/Goellner es verstanden, sich im Verlauf der Partie deutlich zu steigern. Am Anfang sah es jedoch nicht nach einem Happy End aus: Prinosil waren die drei Monate Pause nach einer Operation am rechten Fuß anzumerken, Goellner die fehlende Match-Praxis nach einer Handgelenkverletzung. Nach einem kurzen Hoch in Durchgang zwei sah es beim Stand von 1:4 im dritten Satz sogar recht trostlos aus. Aber zum Glück wusste Prinosil in dieser Phase den bis dahin katastrophal spielenden Goellner mitzureißen, zudem präsentierte sich Linkshänder Siemerink in schwacher Form.
Nach dem Rebreak zum 3:4 ging ein richtiger Ruck durch das deutsche Doppel, das im Tie-Break zu ganz großer Form auflief und auf 6:1 davon stürmte. Als Prinosil den dritten Satzball mit einem unerreichbaren Rückhand-Volley verwandelte, kam in der Messehalle erstmals richtige Daviscup-Stimmung aus. Auf der Woge der Euphorie ließ sich das DTB-Duo im vierten Satz nach einem frühen Break zum 2:0 nicht mehr aus der Erfolgsspur werfen.
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