Daviscup-Kapitän Steeb: David kann hier weit kommen: Prinosil, Vinck und Kiefer weiter
zuletzt aktualisiert: 13.06.2000 - 16:44Halle (sid). Titelverteidiger Nicolas Kiefer stürmte souverän ins Achtelfinale des ATP-Turniers im ostwestfälischen Halle und wurde nach dem Scheitern von Tommy Haas am Vortag seiner Rolle als deutsche Hoffnung gerecht. Der an Nummer zwei gesetzte Hannoveraner fegte den Franzosen Jerome Golmard in nur 52 Minuten mit 6:1, 6:4 vom Platz und feierte damit seinen ersten Sieg nach vier Monaten.
"Es ist schön, nach der langen Verletzungspause mal wieder ein Spiel gewonnen zu haben. Ich war heiß auf dieses Match, hatte mir viel vorgenommen", sagte "Kiwi" nach dem schnellen Erfolg und äußerte sich froh über die ungewohnte Rolle des Publikumslieblings: "Es ist wichtig für mich, die Hemmschwelle überwunden zu haben." Zuletzt hatte Kiefer Mitte Februar in Rotterdam im Achtelfinale den Tschechen Jiri Novak bezwungen.
Im Achtelfinale der mit einer Million Dollar dotierten Konkurrenz wartet auf den 22-Jährigen nun mit dem Spanier Albert Portas eine weitere lösbare Aufgabe. "Ich weiß, dass ich auf Rasen gut spielen kann. Das liegt mir", blickt die deutsche Nummer eins optimistisch auf die nächste Aufgabe.
Nach dem schwarzen Montag, an dem sich drei von sechs deutschen Spielern frühzeitig verabschiedet hatten, meisterten auch David Prinosil (Amberg) und der Münchner Christian Vinck am Dienstag die erste Hürde. Vinck warf überraschend den schwedischen Vorjahres-Finalisten Nicklas Kulti mit 6:7 (4:7), 6:2, 6:4 aus dem Rennen. Nach 126 Minuten verwandelte Vinck seinen ersten Matchball, nachdem er zuvor einen Breakball abgewehrt hatte.
Prinosil (Foto) bezwang den Schweden Thomas Johansson in 63 Minuten 7:5, 6:1 und trifft nun auf Haas-Bezwinger Ivan Ljubicic aus Kroatien. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich weiß, dass er gefährlich ist, aber wenn ich so konzentriert wie gegen Johansson spiele, habe ich gute Chancen", kündigte Prinosil Revanche für seinen Daviscup-Kollegen Haas an.
Nicolas Kiefer demonstrierte vor 12.000 begeisterten Zuschauern am Center Court vom westfälischen Klein-Wimbledon seine Rasenstärke. Nach nur 21 Minuten brachte er den ersten Durchgang mit 6:1 unter Dach und Fach. Doch dann riss kurzfristig der Faden, Kiefer verlor sein erstes Aufschlagspiel, ließ sich aber nicht außer Ruhe bringen und breakte zum 3:3 zurück. "Ich wusste, dass ich ihm jederzeit wieder den Aufschlag abnehmen kann", sagte Kiefer, der seine Verletzung am Fuß "nicht mehr spürte".
Das Kontrastprogramm zu hatte am Tag zuvor Tommy Haas geliefert. Lustlos, orientierungslos und ratlos präsentierte sich der in Florida lebende Hamburger bei seiner Auftakt-Niederlage gegen Ivan Ljubicic. Große Sorgen scheint ihm das allerdings nicht zu bereiten, denn nach dem 2:6, 7:5, 2:6 stellte er demonstrativ sein Desinteresse am Spiel auf grünem Gras zur Schau. "Schade, aber Rasentennis kann man eben nicht lernen", stellte er fest und lächelte gelassen in die Runde: "Andere können es einfach besser."
Fünfmal musste Tommy Haas in dieser Saison bereits nach der ersten Runde eines ATP-Turniers die Koffer packen, weitere viermal reichte es nur für Runde zwei, zuletzt in Paris bis in die dritte Runde, in der Marat Safin als erster ernsthafter Gegner nach drei enttäuschenden Sätzen die Endstation war. Eine magere Bilanz für einen, der mit Worten immer hoch hinaus wollte.
Die geplante Zusammenarbeit mit Boris Becker ist offenbar kein Thema mehr. Becker unterstützt in Queens und Wimbledon lieber den Australier Mark Philippoussis, bei dem deutlich mehr Fortschritt und Leistungsbereitschaft zu erkennen sind. "Ich halte nicht viel von der Zusammenarbeit Becker/Philippoussis. Mehr will ich zu diesem Thema nicht sagen", meinte Haas, der seine Enttäuschung über diese Nachricht allerdings kaum verbergen konnte.
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