Lars Burgsmüller ausgeschieden: Qualifikant Waske erstürmt in Wimbledon Runde zwei
zuletzt aktualisiert: 26.06.2002 - 12:14London (rpo). "Mister Unbekannt" konnte sein Glück kaum fassen. Tennis-Profi Alexander Waske ist nach einem Tiebreak-Krimi in Wimbledon in die zweite Runde eingezogen. Der Qualifikant setzte sich mit 7: 6 (7:4), 7:6 (7:3), 6:7 (2:7), 6:1 gegen den Italiener Andrea Gaudenzi durch.
Nach Waske zog auch Rainer Schüttler durch einen 7:6 (7:3), 6: 4, 6:4-Erfolg über den Marokkaner Hicham Arazi in die zweite Runde ein. Dagegen blieb Lars Burgsmüller mit 3:6, 6:7 (4:7), 4:6 gegen Altmeister Michael Chang auf der Strecke. Nach Nicolas Kiefer haben damit drei der fünf deutschen Herren im Hauptfeld ihr Auftaktmatch überstanden. Michael Kohlmann ist hingegen in der ersten Runde ausgeschieden. Der Hagener unterlag am Montagabend gegen Guillermo Canas (Argentinien) mit 5:7, 4:6, 4:6.
Von den acht gestarteten deutschen Damen haben vier ihr erstes Match überstanden. Nach Greta Arn und Marlene Weingärtner am Montag folgten die erfahrenen Barbara Rittner (Düsseldorf) und Jana Kandarr (Heidelberg). Rittner bezwang Jennifer Hopkins (USA) 6:0, 5: 7, 6:4. Kandarr gewann 7:6 (7:4), 6:4 gegen Tathiana Garbin (Italien).
Deutschlands "Fed-Cup-Küken" blieben auf der Strecke. Die 19 Jahre alte Martina Müller (Hannover) unterlag Denisa Chladkova (Tschechien) 3:6, 5:7 und die gleich junge Bianka Lamade (Pforzheim) mit 4:6, 3:6 gegen Elena Dementjewa (Russland). Auch Qualifikantin Angelika Rösch (Berlin) war gegen Virginia Ruano Pascual (Spanien) chancenlos.
Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Seoul ins WM-Endspiel einzog, schaffte Waske auf Nebenplatz 17 den größten Erfolg seiner Karriere. "Erst habe ich mich geärgert, dass ich das Spiel nicht sehen konnte, aber als Zweiter angesetzt zu werden, wäre noch schlimmer gewesen. Dann hätte ich den Anfang vom Fußball sehen können - das hätte mich völig nervös gemacht", erzählte er. Dabei ist die mentale Stärke neben dem Service sein größter Vorteil: "Seit ich mit Mentalcoach Thomas Baschab zusammenarbeite, habe ich keine Angst vorm Sieg mehr." Auch im nächsten Spiel gegen den Brasilianer Flavio Saretta muss er die nicht haben.
Schon gar nicht mit diesem gewaltigen Aufschlag. Ein Familienerbe: "Der wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Vater Joseph serviert mit 60 noch so hart wie Gaudenzi." Rasen ist deshalb für ihn ein idealer Belag und der Erfolg jetzt bringt ihm dem Ziel "Unter die Top-100" ein Stück näher: "Dann hat man es praktisch geschafft, ist bei jedem Grand-Slam und vielen anderen Turnieren im Hauptfeld." Im Augenblick aber steht er bei seinem Vater mit 20.000 Euro in der Kreide - die kann er mit dem Erfolg jetzt schon zurückzahlen.
Seit zwei Jahren erst spielt Waske auf der Tour. Der Hesse hat wahrscheinlich den ungewöhnlichsten Lebensweg aller 128 im Hauptfeld gestarteten Profis hinter sich. Bundeswehr nach der Schule, dann eine Banklehre, Profi erst mit 25. "Zwischen 18 und 21 habe ich wöchentlich nur einmal Tennis gespielt", erzählt der 1,88 Meter große Blondschopf, "mein Ausbilder hat immer gefragt, ob ich eine Bank- oder eine Tennislehre machen möchte."
Er hat sich dann für Tennis entschieden und ging mit einem Stipendium für drei Jahre zu einem College in San Diego, studierte International Business und schlug für seine Schule auf, auch gegen Spieler, die heute erfolgreich nauf der ATP-Tour spielen: "Dort habe ich dann gemerkt, dass alle nur mit Wasser kochen." Waske selbst hat noch nie im Hauptfeld eines ATP-Turniers gestanden, bis jetzt. Eine Wildcard hat er für die deutschen Turniere nie bekommen, auch nicht im Doppel. "Dabei würde ich so gerne zeigen, was ich kann." Grade im Doppel rechnet er sich sogar Chancen für das Daviscup-Team aus: "So gut doll waren die Leistungen da zuletzt ja nicht."
In dem Schweizer Roger Federer ist dagegen der erste Topfavorit ausgeschieden. Der Fünfte des Champions Race unterlag dem 18 Jahre alten kroatischen Qualifikanten Mario Ancic 3:6, 6:7 (2:7), 3:6. Dagegen setzte sich der topgesetzte Lleyton Hewitt klar 6:4, 7:5, 6:1 gegen den Schweden Jonas Björkman durch. Auch der Engländer Tim Henman ließ beim 6:1, 6:3, 6:2 über den Franzosen Jean-Francois Bachelot keinen Zweifel an seiner Favoritenrolle aufkommen.
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