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Sportler reißen Island-Witze nach Vulkanausbruch: Radprofi auf Ölplattform gestrandet

zuletzt aktualisiert: 19.04.2010 - 14:50

Düsseldorf (RPO). Durch den Vulkanausbruch auf Island und das damit verbundene Flugverbot in weiten Teilen Europas mussten auch etliche Sportler ihre Pläne ändern. Wettkämpfe fallen teilweise aus, mache Athleten kommen nicht mehr nach Hause. Radprofi Kurt Asle Arvesen steckt sogar auf einer Ölplattform fest.

Auf der Ölplattform ist Radprofi Kurt Asle Arvesen, der hier ein Küsschen nach seinem Tour-Erfolg bekommt, ein willkommender Gast.  Foto: AFP, AFP
Auf der Ölplattform ist Radprofi Kurt Asle Arvesen, der hier ein Küsschen nach seinem Tour-Erfolg bekommt, ein willkommender Gast. Foto: AFP, AFP

Für den norwegischen Straßenradmeister Arvesen ist eine Fitnessstunde auf einer Ölplattform nicht gerade wie geschmiert gelaufen. Der Profi des Teams Sky war am Mittwoch auf die Plattform in der Nordsee geflogen worden, um die Arbeiter 200 Kilometer jenseits des Festlands im Spinning zu unterweisen. Der Rückflug war dann jedoch nicht mehr möglich, der Helikopter erhielt wegen der Aschewolke Startverbot. Arvesen kehrte erst am Montagmorgen nach Bergen zurück.

Der 35-Jährige, der 2008 eine Etappe der Tour de France gewonnen hatte, trainierte in den Tagen in den Fitnessräumen der Plattform. Das einzige Problem war das Essen, das nicht gerade auf Sportler zugeschnitten war. "Es gab rund um die Uhr richtig gutes Essen. Ich habe versucht, die Finger vom Dessert zu lassen", sagte Arvesen nach seiner Rückkehr.

Reitsport: Ehning feiert Geburtstag auf der Autobahn

Nach dem Triumph beim Weltcup-Finale der Springreiter in Genf erlebte Marcus Ehning den Beginn seines 36. Geburtstages auf der Autobahn. Da in Genf durch die Aschewolke des isländischen Vulkans alle Flüge gestrichen worden waren, trat der neue Hallenchampion am Sonntagabend die Rückreise nach Borken (NRW) im Auto an. Angestoßen wurde dann am Montagabend auf der heimischen Anlage in Borken auf das neue Lebensjahr und den Sieg.

Während Ehning immerhin noch vom Flieger aufs Auto umsatteln konnte, saßen andere Reiter aus Übersse in Genf fest. So mussten die Springreiter aus den USA ihren Aufenthalt in der Schweizer Metropole unfreiwillig verlängern.

Trotz Flugproblemen: Judo-EM ab Donnerstag in Wien

Die Judo-Europameisterschaften in Wien sind angesichts der Luftverkehrsprobleme durch die Vulkanasche knapp einer Absage entgangen. Am Montag gab die Europäische Judo-Union (EJU) bekannt, dass die Titelkämpfe wie geplant von Donnerstag bis Sonntag in der österreichischen Hauptstadt ausgetragen werden. Am Start ist auch ein vorwiegend aus Nachwuchsathleten bestehendes deutsches Team.

Info

Flugchaos in Europa

"Unsere Teilnehmer für Donnerstag reisen per Auto an, die anderen hoffen, dass der Flugverkehr wieder eröffnet wird", sagt Manfred Birod, Sportdirektor des Deutschen Judo-Bundes (DJB). Das Team der Niederlande plante um und kommt mit der Bahn. Probleme gibt es vor allem bei der Anreise der Teilnehmer aus Frankreich, Großbritannien und Skandinavien.

Erst der Vulkan konnte Radprofi Greipel stoppen

Gestoppt wurde Andre Greipel erst durch die Naturgewalten. War der derzeit erfolgreichste Radprofi der Welt bei der Türkei-Rundfahrt noch mit spielerischer Leichtigkeit zu fünf Siegen geflogen, wurde er am Montag bei seiner geplanten Abreise vor unlösbare Probleme gestellt. Durch das Flugchaos in Europa im Zuge des Vulkanausbruchs auf Island ging auch für Greipel nichts mehr.

"Ich komme aus Istanbul nicht weg. Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Urlaub wollte ich hier eigentlich nicht machen. Es sollen noch ein paar Flüge nach Wien gehen. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit", sagte Greipel dem SID, nachdem er im Gegensatz zu seinem sportlichen Leiter Jan Schaffrath immerhin noch einen Flug von Antalya an den Bosporus erwischt hatte.

Brink/Reckermann reißen Island-Witze

Der Start von Julius Brink und Jonas Reckermann beim Weltserien-Auftakt der Beachvolleyballer am Donnerstag in Brasilien ist äußerst fraglich. Die Weltmeister aus Köln und Leverkusen sind Opfer des Flugverbots geworden und kommen nicht aus Deutschland weg. "Bisher erscheint es mehr als fraglich, ob und wann wir aufbrechen können. Wir hoffen, dass wir nicht die kurioseste Turnierabsage unserer Karriere tätigen müssen", schreiben die Beach-Stars auf ihrer Internetseite.

Während der Warterei flüchten sich Brink/Reckermann in Schadenfreude und geben Islandwitze zum Besten. "Erst haben wir unsere Kohle in Island verbrannt, jetzt bekommen wir die Asche zurück" oder "Sage niemals zu einem Isländer: 'Asche über mein Haupt.' Er könnte maßlos übertreiben".

Odyssee für Tischtennis-Europameister Ovtcharov

Für Team-Europameister Dimitrij Ovtcharov und Tischtennis-Bundestrainer Richard Prause wurde die Rückreise aus Peking vom Kontinentalvergleich mit Asien zur Odyssee. Wegen der Aschewolke war am Freitag ihr Flug von Peking nach Frankfurt gestrichen worden. "Da hatten wir riesiges Pech. Unser Flug war der erste internationale, der abgesagt worden ist", sagte Prause.

Der deutsche Tross wich auf eine andere Airline aus und flog nach Abu Dhabi - dort begannen die Probleme aber erst. Es sollte zunächst weiter nach Athen gehen, doch die Nacht von Freitag auf Samstag verbrachten sie im Flugzeug. In Athen hatte Griechenlands Topspieler Kalinikos Kreanga den Gestrandeten für die Nacht von Samstag auf Sonntag ein Hotelzimmer besorgt.

Dann ging es weiter nach Rom, dort sollte mit dem Auto die Rückfahrt nach Deutschland starten. "In Italien war es aber unmöglich, einen Mietwagen zu bekommen", sagte Prause. Mit dem Zug ging es schließlich nach Mailand, dort stieg Ovtcharov in das Auto eines Freundes, der zufällig nach Deutschland unterwegs war.

Für den Bundestrainer führte die Reise weiter nach Genf, von dort ging es nach Basel. Ein Zug brachte die Fernreisenden schließlich nach Frankfurt. Gegen 4.00 Uhr am Montagmorgen war dann auch Prause zu Hause - nach fast 72 Stunden.

Vettel und Haug warten - Schumacher auf Heimweg

Gestrandet in Shanghai: Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg und Mercedes-Sportchef Norbert Haug verbrachten wegen der Flugverbote in weiten Teilen Europas nach dem Vulkanausbruch auf Island den Montag nach dem Großen Preis von China unfreiwillig im Reich der Mitte. Wie hunderte Mitglieder anderer Formel-1-Teams blieb ihnen nichts anderes übrig, als auf die ersten Flieger zu warten, die wieder Richtung Europa starten dürfen.

Rekordweltmeister Michael Schumacher dagegen hatte noch kurzfristig ein Schlupfloch gefunden. Der 41-Jährige, der erstmals in seiner Karriere nicht mit seinem Privatjet in China war, wurde von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mitgenommen. In dessen Flieger waren sie am Tag nach dem Rennen als einige der wenigen aus dem Formel-1-Tross auf dem Weg Richtung Heimat - allerdings mit zunächst unbekanntem Zielort.

Länderspiel der DFB-Frauen fällt aus

Schweden wird nicht zum Länderspiel gegen die deutschen Fußball-Frauen am Donnerstag in Dresden (16.00 Uhr) antreten können. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag mitteilte, habe der schwedische Verband wegen des Flugverbots in weiten Teilen Europas keine Möglichkeiten gesehen, zahlreiche Nationalspielerinnen anreisen zu lassen.

Wie Nationalmannschafts-Sprecher Niels Barnhofer mitteilte, werde die deutsche Mannschaft am Donnerstag aber auf jeden Fall ein Länderspiel austragen. "Wir befinden uns in aussichtsreichen Gesprächen mit anderen Nationen", sagte Barnhofer. Zu den möglichen Gegnern wollte man sich aber nicht genau äußern.

Tennis: Reise-Odyssee für Petkovic und Malek

Der weitgehend eingestellte Flugverkehr nach dem Vulkanausbruch auf Island hat auch die Anreise der Fed-Cup-Spielerinnen Andrea Petkovic (Darmstadt) und Tatjana Malek (Bad Saulgau) nach Frankfurt/Main behindert. Dort traf sich am Montag die Mannschaft von Teamchefin Barbara Rittner, um sich auf das Relegationsspiel am Wochenende gegen Frankreich vorzubereiten.

Petkovic und Malek waren am vergangenen Freitag beim WTA-Turnier in Barcelona im Doppel-Halbfinale gescheitert. Die Weltranglisten-49. Petkovic startete die rund 1330 Kilometer lange Odyssee von Katalonien nach Frankfurt am Sonntag mit einem Reisebus, den eine deutsche Fluggesellschaft zur Verfügung gestellt hatte.

Quelle: rl

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