Vom Amateurrennen zur Profi-Rundfahrt: Radsport: Friedensfahrt ist wieder Kult
zuletzt aktualisiert: 09.05.2001 - 11:42Berlin (rpo). Die frühere Kultveranstaltung des Ostens ist auf dem Weg zum Top-Ereignis im internationalen Radsport. Die 54. Friedensfahrt, die am Freitag in Lodz/Polen beginnt, durch Tschechien führt und nach zehn Etappen am 19. Mai in Potsdam endet, hat ihre Vergangenheit hinter sich gelassen und ist trotzdem Kult geblieben.
Die Zuschauerzahlen sind fast wie bei der Tour de France, vor allem im Radsport begeisterten Polen und in den neuen Bundesländern. Der französische Tour-Chef Jean-Marie Leblanc erweist der Friedensfahrt die Ehre und begleitet die ersten beiden Etappen durch Polen.
Fahrer, die in den letzten Jahren den Ton bei der Friedensfahrt angaben, bestimmen inzwischen das Geschehen im Weltcup der Profis mit: Der Wolmirstedter Steffen Wesemann vom Team Telekom (viermaliger Gewinner), Vorjahrssieger Piotr Wadecki (Polen/Domo Farm Frites), der Sieger von 1994, Jens Voigt (Berlin/Credit Agricole) oder Raimondas Rumsas (Litauen/Fassa Bortolo).
Die Organisatoren Thomas Barth (Gera), Pawel Dolezel (Tschechien) und Tadeusz Mytnik (Polen), alle drei ehemalige Teilnehmer der Friedensfahrt, wollen aber nicht ein Markt für die Scouts der großen Teams bleiben. Im Vorjahr haben sie mit 99 von 100 möglichen Punkten vom Weltverband UCI Platz eins in ihrer Kategorie erhalten. Für dieses Jahr wurde die Fahrt folgerichtig eine Klasse höher eingestuft und muss sich nun unter anderem wieder mit der Deutschland-Rundfahrt, die am 29. Mai beginnt, messen.
Am Freitag gehen in Lodz sechs Teams aus der höchsten Profi- Kategorie an den Start des 1600 km langen Etappenrennens. Im Hinblick auf die angestrebte, weitere Professionalisierung ist die Absage der Veranstalter an das Team Rabobank allerdings unverständlich. Die Niederländer, mit dem mehrfachen Tour-Etappensieger Erik Dekker zuletzt beim Weltcuprennen Amstel Gold Race erfolgreich, haben sich inzwischen nach einer anderen Startmöglichkeit umgesehen.
Ihre Anfrage sei zu spät gekommen, sagte der Niederländer Gerri van Gerwen, seit zwei Jahren für die Verpflichtung der Friedensfahrt- Teams verantwortlich: "Mein Freund Nico Verhoeven hat einfach zu spät angerufen, wir waren voll. Eine Absage an eine bereits verpflichtete Mannschaft wäre unseriös gewesen".
Trotzdem steht die bestbesetzte Fahrt der Geschichte bevor, wie Friedensfahrt-Direktor Dolezel betonte. Der Gesamtsieger kann mit einem gesteigerten Preisgeld von 13 000 Mark rechnen. Insgesamt kostet das Spektakel gut vier Millionen Mark.
Im Gegensatz zu den Vorjahren kommt der Favorit nicht unbedingt aus dem Bonner Team Telekom. Die Belgier von Domo-Farm Frites werden den Vorjahressieger Wadecki mitbringen, der eine Etappe bei Paris- Nizza gewann. Telekom bietet Doppel-Olympiasieger Robert Bartko (Berlin) auf. Der zweite deutsche GS-I-Rennstall Coast präsentiert mit dem Erfurter Daniel Becke einen weiteren Olympiasieger von Sydney.
Streckenplan der 54. Internationalen Friedensfahrt
Freitag, 11. Mai: 1. Etappe rund um Lodz/Polen (141,6 km) Samstag, 12. Mai: 2. Etappe Pabianice - Czestochowa (177,6 km) Sonntag, 13. Mai: 3. Etappe Kluczbork - Kudowa Zdroj (196 km) Montag, 14.Mai: 4. Etappe Bystryca Klodzka - Olomouc/Tschechien (194,8 km) Dienstag, 15. Mai: 5. Etappe Olomouc - Zdar nad Sazavou (168,2 km) Mittwoch, 16. Mai: 6. Etappe Zdar nad Sazavou - Plzen (234,5 km) Donnerstag, 17. Mai: 7. Etappe Plzen - Zwickau (209,2 km) Freitag, 18. Mai: 8. Etappe Einzelzeitfahren Greiz - Plauen (25,8 km) 9. Etappe Plauen - Gera 97 km Samstag, 19. Mai: 10. Etappe Schkeuditz - Potsdam 166 km
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