Weltmeister David Millar wegen Dopings gesperrt: Radsport: Gerolsteiner Profis könnten Medaillen erhalten
zuletzt aktualisiert: 04.08.2004 - 22:29London (rpo). Die beiden Gerolsteiner Radprofis Uwe Peschel und Michael Rich wären diejenigen, die von einer Dopingsperre des britischen Weltmeisters David Millar profitieren würden. Millar hat das Doping bereits gestanden. Die Aberkennung seines WM-Titels im Zeitfahren ist nur noch Formsache.
Millar ist nach seinem Doping-Geständnis für zwei Jahre gesperrt worden und gleichzeitig der WM-Titel im Zeitfahren aberkannt worden. Das entschied der britische Radsport-Verband am Mittwoch. Sollte der Weltverband UCI dem Urteil folgen, würden die beiden Gerolsteiner-Profis Uwe Peschel (Kressbronn) und Michael Rich (Emmendingen) zehn Monate nach den Titelkämpfen von Hamilton nachträglich die Silber- bzw. Bronzemedaille erhalten. Der Australier Michael Rogers bekäme demnach anstelle von Millar den WM-Titel.
Millar hatte im Zuge des Cofidis-Skandals Ende Juni die Einnahme des Blutdopingmittels Epo zugegeben. Daraufhin war er von seinem Rennstall suspendiert und aus dem britischem Olympia-Kader verbannt worden. Neben der Aberkennung des WM-Titels wurden dem 27-Jährigen auch die Resultate bei der Dauphine Libere 2003 und der Vuelta 2001 gestrichen. Er hat noch die Möglichkeit, das Urteil vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anzufechten.
Die UCI zeigte sich am Mittwoch noch überrascht, dass der britische Verband Millar auch gleich den WM-Titel aberkannte. "Das ist eigentlich unsere Angelegenheit", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani dem Sport-Informations-Dienst (sid), fügte aber hinzu: "Die Aberkennung des Titels ist reine Formsache. Wenn wir das offizielle Dokument mit dem Doping-Geständnis von der Polizei erhalten haben, wird Millar auch von uns der WM-Titel weggenommen."
Im Zeitfahren von Hamilton hatte Millar am 9. Oktober 2003 auf dem 41,6 km langen Kurs in 51:17,29 Minuten überlegen die Bestzeit gefahren. WM-Silber war hauchdünn an Rogers (52:42,38) vor dem Allgäuer Peschel (52:42,94) gegangen. Rich (52:52,97) hatte sich damals noch mit dem undankbaren vierten Platz begnügen müssen.
Millar war Teil des Cofidis-Skandal, der am 12. Januar ins Rollen geriet, als die Dopingfahnder auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulles den früheren Cofidis-Profi Marek Rutkiewicz festgenommen und ein engmaschiges Doping-Netz aufgedeckt hatten. Millar hatte kurz vor der Tour de France ein weitreichendes Geständnis abgelegt: "Ich habe davon geträumt Weltmeister zu werden. Das habe ich auch erreicht, aber ich habe betrogen", soll der 27-Jährige im Polizei-Verhör erklärt haben. "Ich war nicht stolz gedopt zu haben. Ich war nicht glücklich damit. Ich wurde zum Gefangenen meiner selbst", wird Millar zitiert.
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