Keine Opfer - Pollack disqualifiziert: Radsport: Hubschrauber-Absturz überschattet die Friedensfahrt
zuletzt aktualisiert: 17.05.2002 - 18:27Warschau (rpo). Die 55. Friedensfahrt ist am Freitag nur knapp einer Katastrophe entgangen. Der Absturz eines Begleit-Hubschraubers schockte auf der neunten und vorletzten Etappe die Aktiven, forderte wie durch ein Wunder aber keine Opfer.
Auf dem Tagesabschnitt zwischen Piotrkow Trybunalski und Warschau über 194 km ereignete sich der Unfall etwa 50 km vor dem Ziel bei der Ortschaft Babice Stare. Sowohl der Pilot als auch die Besatzung überlebten das Unglück.
Der Este Andrus Aug brach beim Zielspurt das "Gentleman's Agreement" der Fahrer, die nach den Vorfällen gemeinsam durchs Ziel rollen wollten, gewann den Tagesabschnitt und zog sich damit den Zorn seiner Mitstreiter zu. Der dreifache Etappensieger Olaf Pollack hatte das Rennen wie sein Teamkollege Volker Ordowski aus Protest nicht beendet. Beide wurden nicht gewertet und dürfen damit auch nicht mehr am abschließenden 40-km-Zeitfahren am Samstag antreten.
Der Helikopter mit tschechischen und österreichischen Fernsehleuten war aus etwa 20 Metern Höhe in unmittelbarer Nähe des Fahrerfeldes in einen Garten gestürzt und hatte dabei ein Auto unter sich begraben. Zuvor hatte sich ein Rotor gelöst und war 20 Meter vor dem Peloton auf die Straße gestürzt. "Wären wir drei Sekunden eher an diese Stelle gekommen, hätte es 100 Tote gegeben", sagte Pollack. "Ein großes Glück, dass nichts passiert ist. Das ist das Wichtigste am heutigen Tag", meinte Friedensfahrt-Direktor Pavel Dolezel (Tschechien).
Die Fahrer wirkten für Minuten konsterniert, setzten dann aber mit gemächlichem Tempo ihre Fahrt fort. Im Gespräch mit der Jury forderten die Kapitäne der Teams, die Etappe nicht zu werten. Auch weigerten sich die Athleten zunächst, die geplanten zwei Schluss- Schleifen über fünf Kilometer durch die Warschauer Innenstadt zu fahren und stoppten ihre Räder nach der ersten Ziel-Durchfahrt. Erst nach Androhung der Streichung von Prämien und UCI-Ranglistenpunkten durch die Rennleitung setzte die Mehrzahl der Fahrer das Rennen wie geplant fort.
Obwohl sich die Akteure untereinander geeinigt hatten, gemeinsam über den Zielstrich zu fahren, spurteten einige Athleten 150 m vor dem Ziel los. "Einige Leute haben sich nicht an die Absprachen gehalten. Der Sieger sollte sich schämen", kritisierte Telekom-Fahrer Robert Bartko (Potsdam) den Esten Aug. "Man benötigt nicht immer einen Toten, um geschockt zu sein", fügte Bartko hinzu. "So einen Etappensieg möchte ich nicht auf meiner Visitenkarte stehen haben", meinte Jens Lehmann (Leipzig) vom Team Nürnberger ein. "Das war unter der Gürtellinie", schimpfte Pollack zur Entscheidung, das Rennen zu beenden und weigerte sich mit der Begründung: "Anscheinend sind wir Rennfahrer nur noch Marionetten in einem beschissenen Spiel."
Zum Zeitfahren am Samstag tritt der Pole Piotr Przydzial am Samstag im Gelben Trikot des Spitzenreiters an. Er führt weiter mit drei Sekunden vor dem Tschechen Ondrej Sosenka. Als bester Deutscher hat der Leipziger Thomas Liese vom Team Nürnberger mit 4:59 Minuten Rückstand den elften Platz inne.
Radsport, 55. Friedensfahrt:
9. Etappe von Trybunalski nach Warschau über 194,3 km:
1. Andrus Aug (Estland/Pasta Montegrappa) 4: 34:10, 2. Roy Sentjens (Niederlande/Rabobank), 3. Jacek Mickiewicz (CCC-Polsat), 4. Krzysztof Jezowski (Polen/SER) 5. Giuseppe di Grande (Italien/INA), 6. Daniel Czajkowski (Polen/SER), ... 13. Klaus Mutschler (Köln/Cologne) alle gleiche Zeit.
Gesamtwertung:
1. Piotr Przydzial (Polen) 2. Ondrej Sosenka (Tschechien/beide Polsat) 0:03 Minuten zurück, 3. Jakob Piil (Dänemark/CSC Tiscali) 3:11, 4. Piotr Chmielewski 3:46, 5. Zbigniew Piatek (beide Polen/Mroz) 3:46, 6. Bekim Christensen (Dänemark/Coast) 4:15, ... 11. Thomas Liese (Leipzig/Nürnberger) 4: 59
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