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Trauer
Radsport-Idol Rudi Altig ist tot

Die Karriere des Rudi Altig
Die Karriere des Rudi Altig FOTO: dpa, rh wst
Berlin. Er wurde geliebt, auch wenn er nicht makellos war. Er blieb bis in seine letzten Lebensjahre das Gesicht des deutschen Radsports. Am Samstag starb Rudi Altig im Alter von 79 Jahren an einem Krebsleiden.

Für Topsprinter Marcel Kittel war er "unser erster deutscher Radheld, ein Wegbereiter". Altig, bislang letzter deutscher Weltmeister auf der Straße (1966), war eine große Nummer im internationalen Radsport - lange vor Dietrich Thurau oder Jan Ullrich.

Auf dem Rennrad war Altig ein unerbittlicher Kämpfer. Deshalb war er für die Franzosen "Sacre Rudi" (der verdammte Rudi). Bei der Tour de France holte der bullige Sprinter aus Mannheim acht Etappensiege und trug 18 Tage das Gelbe Trikot, was nach ihm nur noch 1997 dem einzigen deutschen Toursieger Jan Ullrich gelang. 50 Jahre nach Altigs Titelgewinn 1966 auf dem Nürburgring sollte am Ort seines Triumphes im Juli ein großes Jubiläumsrennen zu seinen Ehren stattfinden.

Altig litt seit langem unter der Krankheit. 1994 meisterte er eine Magenkrebs-Erkrankung. Er ging offensiv mit seinem Leiden um. "Wer es nicht weiß, wird es kaum merken. Ich esse eben kleinere Portionen - und meinen Wein trinke ich trotzdem", sagte Altig noch im Vorjahr am Rande der Hamburg Cyclassic. "Was Rudi Altig herausragend machte, waren seine unverstellte Art, seine herzliche Direktheit und seine Lebensfreude. Sie hat ihm geholfen, auch sehr schwere Kämpfe um seine Gesundheit lange zu bestehen", erklärte Verbands-Präsident Rudolf Scharping. Der Ex-Profi, der im Hospiz in Remagen im Kreise seiner Familie verstarb, hinterlässt seine Frau Monique, drei Kinder und zwei Enkel.

Altig gehört zu den erfolgreichsten deutschen Radsportlern. 18 Etappensiege feierte er bei den großen Rundfahrten Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta (Spanien). Seine außergewöhnliche Karriere, die er ab 1960 bis zum Abschied von der Straße (1971) als Profi bestritt, hatte er mit drei WM-Titeln in der Einerverfolgung auf der Bahn gestartet. Nach seinem Wechsel auf die Straße konzentrierte er sich auf die Klassiker. Für einen Tour-Erfolg reichte es allerdings nicht. Sein Kampfgewicht von rund 85 Kilogramm war nicht optimal.

Bis ins hohe Alter blieb Rudi Altig seinem Lieblingssport verbunden. Noch vor wenigen Jahren legte er 2000 bis 3000 Kilometer pro Saison auf dem Rad zurück. Insgesamt, so Altig, waren es über eine Million. Dazu spielte er Golf. Auch den Kopfstand als Yoga-Übung zur Wirbelsäulen-Entlastung beherrschte er ohne Probleme. Der gelernte Kfz-Mechaniker war Bundestrainer der Amateure, ARD-Experte bei der Tour und Rennleiter bei "Rund um den Henninger Turm" in Frankfurt und "Rund um Köln".

Diplomatie war Altigs Sache nie, mit seiner Haltung zum Thema Doping eckte er nicht selten an. Zu seiner aktiven Zeit trug er den Spitznamen "radelnde Apotheke" wohl nicht zu Unrecht, weil er mit dem ein oder anderen "Mittelchen" nachhalf. Altig wurde 1969 bei der Tour des Dopings überführt. 1966 entzog er sich beim belgischen Klassiker Flèche Wallonne einer Kontrolle. Für Altig war das ein Kavaliersdelikt. "Ich kann den ganzen Scheiß nicht mehr hören. Ich weiß, was ich gemacht habe. Mit Doping hatte das nichts zu tun. Wir haben gut trainiert, viel geschlafen und gut gegessen, und wenn wir Kopfweh hatten, gab's vom Arzt eine Tablette. Das machten doch alle so. Doping ist, wenn man Blut panscht", schimpfte Altig, der 1997 das Bundesverdienstkreuz erhielt.

(dpa/sid)
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