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Radsport-Legende Eddie Merckx
Der "Kannibale" wird 70

Porträt: Eddy Merckx: Radsport-Legende und Kannibale
Porträt: Eddy Merckx: Radsport-Legende und Kannibale FOTO: dpa, hrad_gr nic
Düsseldorf. Eddie Merckx gilt für viele als der größte Radsportler aller Zeiten. Der Belgier gewann alle großen Rundfahrten, darunter fünfmal die Tour de France. In seiner Zeit als Profi war er nahezu unschlagbar. Von Eckhard Czekalla

Die Eltern des kleinen Edouard Louis Joseph Baron Merckx hatten andere Pläne. Wenn schon Sport, dann doch Fußball oder Basketball. Eddy, wie der Filius genannt wurde, musste ja nicht zwingend später mal den Kolonialwarenladen weiterführen, aber was Solides sollte es schon sein. Heute feiert Eddy Merckx seinen 70. Geburtstag. Die heimlichen Trainingseinheiten auf dem Rennrad seines Onkels zahlten sich aus. Der Belgier überzeugte zunächst seine Eltern, dann stieg er zum vielleicht größten Radsportler aller Zeiten auf. Doch davon will er nichts wissen. "Vergleiche sind schwer zu ziehen. Jede Epoche hatte ihre Stars", sagt er.

"Wenn ich ein Rennen gefahren bin, dann wollte ich es auch gewinnen - um jeden Preis", beschreibt Merckx seine Einstellung. Und er feierte viele Siege. Attila, Kannibale, Nimmersatt - seine Spitznamen machen Respekt und Resignation seiner Kollegen deutlich. Dabei war seine erste Station als Profi im Team des damaligen belgischen Stars Rick van Looy hart. "Was ich von ihm und den anderen Fahrern als Unterstützung bekam, war lächerlich - keine Hilfe, keine Ratschläge", erinnert sich Merckx an das Jahr 1965.

Nach seinem Wechsel ins Peugeot-Team ging es aufwärts. Bald hatten die Veranstalter ein Problem. Fehlte Merckx, kamen keine Zuschauer. War Merckx am Start, fehlte die Spannung. Der Belgier gewann, was es zu gewinnen gab. Er wurde populär, wurde zum Idol von Wallonen und Flamen, die sonst nicht viel gemeinsam hatten. 1996 wurde Eddy vom belgischen König Albert II. in den Adelsstand erhoben. Eine U-Bahnstation in Brüssel trägt seit 2003 seinen Namen. Zum 65. Geburtstag brachte die Post eine Briefmarke mit Merckx als Motiv heraus. 1,18 Euro kostet das gute Stück. Fünf Jahre später brachte der Jubilar, der 1980 eine Fahrradfabrik nahe Brüssel gründete, eine handgefertigte Rennmaschine auf den Markt. "Eddy 70" kostet pro Exemplar bis zu 17 500 Euro.

Nach wie vor ist Merckx bei Radrennen anzutreffen, tritt volksnah und bodenständig auf. Mit welchen Mitteln die Erfolge möglich waren, ob allein intensives Training und großes Talent die Basis waren - wer weiß? Damals probierten die Profis auch schon vieles aus. Nach seinem Karriereende (1978) wurde bekannt, dass der Belgier Cortison verwendete - das steht aber erst seit 1980 auf der Dopingliste.

Die Doping-Historie der Tour de France FOTO: AFP

Dreimal war Merckx aufgefallen. 1969 wurde er unter bis heute ungeklärten Umständen vom Giro ausgeschlossen. Merckx vermutete eine Verschwörung. Er führte das Gesamtklassement an, doch der Italiener Felice Gimondi - so seine Überzeugung - sollte siegen. 1973 und 1977 wurde er bei der Lombardei-Rundfahrt und dem Flèche Wallonne positiv getestet. Zur Dopingproblematik äußerte sich der "Kannibale" kaum. Vor einigen Jahren überraschte er mit der Aussage, dass "ein Sieg bei der Tour auch ohne Doping möglich ist".

Zwei deutsche Profis vermasselten Merckx einmal die Tour. Bei seiner ersten Frankreich-Rundfahrt 1969 hatte sein Teamchef Guillaume Drießen den Plan, ihn vom Start bis ins Ziel auf Platz eins zu sehen. Der damals 24-Jährige eröffnete den Prolog, doch Rudi Altig schnappte ihm den Sieg weg. Bis heute sind die beiden dennoch befreundet. Am Ende der Tour war der Favorit ganz vorn. Merckx trug das Gelbe Trikot des Gesamtsiegers, das Trikot des besten Kletterers und des besten Sprinters. Der zweitplazierte Roger Pingeon lag 17:54 Minuten zurück.

1977 störte Dietrich Thurau (22) die Kreise des Stars, der alle Facetten des Radsports beherrschte wie kein Zweiter. Die ersten zwei Wochen fuhr der Frankfurter im Gelben Trikot. Merckx konnte seinen 34 Etappensiegen (Rekord) keinen weiteren hinzufügen. Er wurde letztlich nur Sechster, 14 Sekunden hinter Thurau. Im März 1978 beendete er seine große Karriere - völlig unspektakulär.

Im August 2014 musste sich Merckx einem kleinen Eingriff am Herzen unterziehen. Inzwischen hat er sich erholt. "Man muss froh sein, mit 70 noch gesund zu sein, mit Freunden Rad fahren zu können und die Enkel aufwachsen zu sehen", sagt Eddy Merckx. Sein Sohn Axel (42) brachte es zu einem passablen Radrennfahrer.

Quelle: RP
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