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Sagan kritisiert das Peloton
"Fahren, als hätten sie kein Hirn"

Sagan kritisiert das Peloton: "Fahren, als hätten sie kein Hirn"
Deutliche Worte von Peter Sagan. FOTO: afp
Nach seinem Sprint ins Gelbe Trikot der Tour de France hat Rad-Weltmeister Peter Sagan die zunehmend rücksichtslose Fahrweise im Peloton scharf kritisiert.

Der notorische Spaßvogel Peter Sagan wurde im Moment des Triumphs ganz ernst und las seinen Kollegen die Leviten. "Sie fahren, als hätten sie kein Hirn", schimpfte der 26-Jährige. Nachdem sich der Slowake bei der Tour de France am Sonntag das erste Gelbe Trikot seiner Laufbahn gesichert hatte, zeigte er seine weniger bekannte Seite und machte sich damit wohl nicht nur Freunde.

"Als ich meine Karriere begonnen habe, war die Tour noch ein anderes Rennen. Jetzt fährt jeder, als ob ihm sein Leben nichts wert wäre. Das war schon letztes Jahr so, und so ist es auch in diesem Jahr wieder", legte Sagan nach.

Die Tour ist gerade in der ersten Woche bekannterweise ein äußerst nervöses Rennen, schwere Stürze sind fast zwangsläufig. Auch diesmal hat es bereits gekracht, Sagans Tinkoff-Teamkollege und Gesamt-Mitfavorit Alberto Contador erwischte es unter anderem. Er ist schon schwer gezeichnet, und Sagan hat offenkundig genug davon.

Sagan vermisst den Respekt untereinander, prangerte Rücksichtslosigkeit an und unterstellte einigen, dass sie ihr Rad nicht beherrschen. "Heute fahre ich in Gelb, aber morgen muss ich vielleicht nach Hause. Das ist die Tour de France", sagte Sagan, der sein Arbeitsgerät selbst wie kein Zweiter im Griff hat.

Sagan hat bei dieser Tour aber auch schon in seiner eigentlichen Rolle überzeugt. Bei der Teampräsentation in Sainte-Mère-Église sorgte der Rockstar des Radsports etwa für Lacher, als er launig seine Mannschaftskollegen vorstellte. Amüsant ist ein Video, in dem der slowakische Volksheld mit seiner Frau in die Rolle von John Travolta und Olivia Newton-John im Kultmusical Grease schlüpft.

Sagan schert sich kaum um Konventionen, vielleicht auch gerade deshalb ist seine Popularität schier grenzenlos. In seinem Heimatland gibt es aktuell keinen beliebteren Sportler als ihn, selbst Fußballer Marek Hamsik reicht da nicht heran. Mit einem Fußballer ist Sagan ja selbst schon mal verglichen worden. Ob er der Zlatan Ibrahimovic des Radsports sei, wurde er im Frühjahr gefragt: "Wer ist Ibrahimovic?", fragte Sagan frech zurück - und grinste dabei diebisch.

Manchmal eckt der amtierende Weltmeister mit seinen Scherzen aber auch an. Wie 2013 bei der Flandern-Rundfahrt, als der zweitplatzierte Sagan auf dem Podium einer Hostesse schelmisch an den Hintern fasste und sich dann Sexismusvorwürfen ausgesetzt sah. Sagan entschuldigte sich letztlich für seinen Fehlgriff.

Der Alleskönner, der dem Publikum auch gerne mal auf dem Hinterrad einen "Wheelie" vorführt, hat mit seinem Etappensieg in Cherbourg eine lange Durststrecke beendet. Seit seinem letzten Tageserfolg 2013 hatte Sagan elf Tour-Abschnitte auf Rang zwei beendet, regelrecht verzweifelt um den nächsten Triumph gekämpft. Mehr oder weniger ein Trostpflaster war das Grüne Trikot, das Sagan 2016 zum fünften Mal in Folge holen könnte. Damit hätte er den sechsmaligen Sieger Erik Zabel fast eingeholt.

Am Sonntag hat er erstmal den Etappenfluch durchbrochen. Und wenn alles so kommt, wie es den Anschein hat, fährt Sagan ab 2017 Siege im Trikot einer deutschen Mannschaft ein. Weil das noch zweitklassige Team Bora wohl die Firma Specialized als neuen Radpartner bekommt und diese enge Bande mit dem Slowaken pflegt, ist ein Deal denkbar.

Sagan wäre wahrlich ein Farbtupfer im deutschen Radsport - der bunteste, den es derzeit gibt.

(sid)
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