| 16.29 Uhr
Tour 2013
Froome düpiert Konkurrenz in den Pyrenäen
Tour de France 2013: Andre Greipel gewinnt sechste Etappe
Tour de France 2013: Andre Greipel gewinnt sechste Etappe FOTO: dpa, Guillaume Horcajuelo
Nach der schmerzhaften Abreibung durch Top-Favorit Christopher Froome verpuffte auch der Gegenschlag der spanischen Allianz: Bei der 100. Tour de France ist bereits in den Pyrenäen eine Vorentscheidung im Kampf um das Gelbe Trikot gefallen.

Froome fügte seinen Rivalen am Samstag erst eine vernichtende Niederlage zu und wehrte in der Gluthitze Südfrankreichs anschließend im Alleingang die Attacken der Konkurrenz um die Iberer Alberto Contador und Alejandro Valverde erfolgreich ab.

Der Brite ist der klare Sieger der ersten Hochgebirgsprüfungen der Jubiläumsausgabe und in dieser Form kaum noch aus dem "Maillot jaune" zu verdrängen. War Froomes beeindruckender Sieg auf der 8. Etappe in Ax-3-Domaines noch vom erschreckend dominanten Sky-Team vorbereitet worden, bewies der 28-Jährige am Sonntag, dass er auch ohne die "Sky-Borgs" ein würdiger Gesamtführender und Träger der Startnummer eins ist.

Auf den 168,5 km zwischen Saint-Girons und Bagneres-de-Bigorre schlugen Froomes Gegner früh ein hohes Tempo an und attackierten mehrfach. Anscheinend überrascht von dieser Entschlossenheit und vermutlich ausgelaugt vom Vortag fielen Froomes Teamkollegen um Edelhelfer Richie Porte aus der Spitzengruppe heraus und mussten ihren Kapitän schon nach dem zweiten von fünf schweren Anstiegen allein lassen.

Spanier machen keinen Boden gut

Forciert wurden die Angriffe vor allem vom Team Movistar um Kapitän Valverde, der sich mit Landsmann und Mitfavorit Contador (Saxo) offenbar einig war, noch vor dem Zeitfahren am Mittwoch Boden auf Froome gutzumachen. Der gebürtige Kenianer gilt im Peloton nach dem deutschen Weltmeister Tony Martin (Cottbus/Quick Step) als stärkster Fahrer im Kampf gegen die Uhr.

Froome wusste sich jedoch auch ohne seine Helfer zu wehren und konterte am letzten Anstieg La Hourquette d'Ancizan jede der zahlreichen Attacken von Valverdes Teamkollegen Nairo Quintana (Kolumbien) mustergültig. Den Tagessieg auf der 9. Etappe sicherte sich nach der finalen Abfahrt nach Bagneres-de-Bigorre Daniel Martin (Irland/Garmin).

Froome war am Samstag mit einem imposanten Sieg in Ax-3-Domaines erstmals in das Gelbe Trkot geschlüpft. Zweifeln an der Rechtmäßigkeit seiner Leistung trat Froome entschieden entgegen. "100 Prozent, 100 Prozent", sauber sei die überlegene Fahrt zustande gekommen. "Meine Ergebnisse werden auch in zehn oder 20 Jahren noch Bestand haben. Wenn der Sport sich nicht verändert hätte, wäre ich zu diesen Ergebnissen nicht in der Lage", beteuerte er.

Verdächtige Zeiten im Anstieg

Allerdings bringen ihn die Daten, die bisher zur Etappe nach Ax-3-Domaines vorliegen, in Bedrängnis. Schneller als Froome (23:14 Minuten) sind demnach nur Lance Armstrong (22:59) und der baskische Kletterer Roberto Laiseka (22:57/beide 2001) diesen Anstieg hinaufgestürmt. Jan Ullrich war bei der Tour 2003 drei Sekunden langsamer. Auch wenn diese Erhebungen nicht alle verfügbaren Einflussfaktoren berücksichtigen, erzeugen sie zumindest einen Verdacht.

Dass Sky am Sonntag antastbar wirkte, könnte man dem Vorjahreszweiten zugutehalten und als Beleg für seine Argumentation verstehen. Porte, am Samstag noch Zugpferd für Froome, kassierte einen beträchtlichen Rückstand und fiel im Klassement weit zurück. Der Weißrusse Wassili Kirijienka kam außerhalb des Zeitlimits an. "Meine Teamkollegen sind auch nur Menschen. Sie können nicht jeden Tag so eine Leistung wie am Samstag vollbringen", sagte Froome.

Verschnaufen am Montag

Die deutschen Profis spielten am Wochenende nur eine Nebenrolle. Andre Greipel (Rostock/Lotto) gewann am Samstag den Zwischensprint des Hauptfeldes vor Peter Sagan (Slowakei/Cannondale), verkürzte seinen Rückstand im Kampf um das Grüne Trikot aber nur marginal. Am Sonntag fuhr Simon Geschke (Berlin/Argos) als Mitglied einer Spitzengruppe auffällig und hielt lange den Anschluss an die Favoritengruppe um Froome. Der Arnstädter Marcel Kittel war heilfroh, das Teilstück überstanden zu haben. "Das war sehr hart, ich will nur noch ins Bett", sagte er.

Am Montag können die Radprofis am ersten von insgesamt zwei Ruhetagen ein wenig verschnaufen. Nach einem Flugtransfer in den Nordwesten Frankreichs führt die 10. Etappe am Dienstag über 197 km von Saint-Gildas-des-Bois nach Saint-Malo.

Quelle: sid
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