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Spurt in den Mai
In Büttgen lebt der Bahnradsport

Büttgen. Der "Spurt in den Mai" ist einer der wenigen Höhepunkte der Szene. Von Volker Koch

Er hat die Sechstage-Szene aufgemischt wie kein anderer deutscher Fahrer: 117 Starts stehen für Andreas Beikirch zu Buche, gewonnen hat der heute 45-Jährige die Klassiker in Bremen, Stuttgart und Dortmund.

Während letztere ebenso wie das legendäre Rennen in der Kölner Sporthalle aus dem Rennkalender gestrichen sind, sorgt Beikirch dafür, dass wenigstens noch ein Hauch von Sechstage-Atmosphäre durch das Rheinland weht: Als sportlicher Leiter beim "Spurt in den Mai", der heute Abend in seinem Heimatdorf Büttgen seine 36. Auflage erlebt. "Der Bahnradsport in Deutschland ist vom Aussterben bedroht", sagt Beikirch, der 1988 Junioren-Weltmeister im Punktefahren und 2003 Europameister im Zweier-Mannschaftsfahren mit seinem damaligen Standardpartner Andreas Kappes war. Sechstagerennen gibt es nur noch in Bremen und Berlin. Und nur in Frankfurt an der Oder und in Büttgen stehen überdachte Radrennbahnen, die nicht allein Trainingszwecken dienen.

Was er auf der einen Seite bedauert, macht Beikirch seinen Job als sportlicher Leiter einfacher: Die wenigen Bahnfahrer, die es noch gibt, reißen sich geradezu um einen Startplatz beim Spurt in den Mai. "So gut war unser Starterfeld schon lange nicht mehr", sagt er mit Blick auf das Zweier-Mannschaftsfahren heute Abend.

Angeführt wird das Feld der sechs Teams von Lucas Liß. Der 22-Jährige aus Bergkamen ist einer der Hoffnungsträger der Szene. Ende Februar gewann er bei der Bahn-WM im französischen Saint Quentin en Yvelines den Weltmeistertitel im Scratch, einem Rennen über 15 Kilometer mit Massenstart - nur vier Wochen nach dem Tod seines Vaters Lucjan Lis, der 1972 Olympiasilber mit dem polnischen Straßenvierer gewann und seinen Sohn bis zuletzt trainierte.

Liß bildet ein Team mit seinem Nationalmannschaftskollegen Nils Schomber (20). Der Grevenbroicher, der zu Jugendzeiten im Trikot des VfR Büttgen Titel zuhauf sammelte, kämpft um seine Olympiafahrkarte im wiedererstarkten deutschen Bahnvierer. Im Vorjahr Vize-Europameister, verhinderte eine Knieverletzung im Februar seinen Start bei der Weltmeisterschaft. Jetzt ist er wieder fit - und bat Bundestrainer Sven Meyer, ihn für sein "Heimspiel" von einem Einsatz mit der Nationalmannschaft in Dänemark freizustellen. "Solche Typen wie die beiden brauchen wir", sagt Andreas Beikirch und hegt eine kühne Vision: "Wenn der Vierer in Rio eine Medaille holt, geht es mit dem Bahnradsport wieder aufwärts bei uns."

Quelle: RP
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