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Zwischen Hexenjagd und Bankrott
Dunkle Tage für Lance Armstrong

Die Lügen des Lance Armstrong
Die Lügen des Lance Armstrong FOTO: dpa, epa Bernard Papon
Bauernopfer und Hexenjagd: Lance Armstrong beklagt den Liebesentzug durch die Radsport-Gemeinde. Dabei hat der Superstar a.D. viel größere Sorgen – ihm droht der finanzielle Ruin.

Armstrong beklagt eine Hexenjagd, fürchtet den finanziellen Ruin – und vermisst die Liebe der Franzosen: In einem großen Interview hat der tief gefallene Radstar Einblicke in sein (Seelen-)Leben erlaubt - beredt und redselig wie immer, aber bar jeder Selbstkritik. Der Superstar a.D. sieht sich auch zweieinhalb Jahre nach seinem öffentlichen Dopinggeständnis als Bauernopfer einer verseuchten Fahrergeneration.

"Wie heißt die Figur in Harry Potter, über die niemand sprechen kann? Voldemort? So ist es mit mir in allen Bereichen", sagte Armstrong in dem Gruppengespräch in seinem Haus in Aspen/Colorado, an der auch die Nachrichtenagentur AFP teilnahm.

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Speziell die US-Medien kritisierte er für den Umgang mit seiner Person. "Wenn man sich die Tour im Fernsehen ansieht oder darüber liest, ist es, als dürfte man meinen Namen nicht nennen", sagte der 43-Jährige: "Das wird nicht ewig so bleiben. Die Leute sind nicht dumm."

Der Weltverband UCI hatte Armstrong 2012 alle sieben Toursiege aberkannt. Die jeweils Zweitplatzierten – darunter dreimal Jan Ullrich und einmal Andreas Klöden - wurden jedoch nicht zu Siegern erklärt.

Für Armstrong heuchlerisch: "Jeder weiß, was in den 1990ern und 2000ern abgelaufen ist. Aber wenn man sich die Ergebnisse anschaut und es noch immer keinen Sieger, aber eine Gruppe von Zweit und Drittplatzierten gibt, macht das überhaupt keinen Sinn. In zehn Jahren werden die Leute das nicht mehr akzeptieren."

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Angesichts des anstehenden Schadensersatz-Prozesses sieht sich Armstrong vor dem Bankrott. "Wir reden hier von einer Summe von 100 Millionen Dollar. Wenn ich verliere, dann werden wir nicht mehr an diesem Tisch in meinem Zuhause sitzen. Dann werden wir überhaupt nicht mehr in einem Zuhause von mir sitzen. Soviel Geld habe ich nicht", sagte Armstrong, der sich wegen Manipulation zu Lasten des US-Postunternehmens US Postal Service vor Gericht verantworten muss.

Das halbstaatliche Unternehmen, von 1996 bis 2004 Namenssponsor von Armstrongs Team, will rund 96 Millionen Dollar (86 Millionen Euro) einklagen und wird von Anwälten der US-Regierung vertreten. Treibende Kraft des Prozesses ist Ex-Teamkollege Floyd Landis, selbst überführter Doper. Als "Whistleblower" kann er im Falle eines Urteils gegen Armstrong mit einer Belohnung von einem Drittel der Streitsumme rechnen.

"Ich will es nicht beschreien. Aber ich soll dann 100 Millionen zahlen, und Landis erhält 33 Millionen? Und damit soll jeder in der Jury zufrieden sein?", sagte Armstrong: "Das macht keinen Sinn."

Der Texaner kehrt im Juli bei einem Charity-Rennens auf die Straßen Frankreichs zurück. Bei der Veranstaltung nimmt eine Gruppe von Fahrern jede Etappe der kommenden Tour einen Tag vor den Profis in Angriff. Armstrong will sich an zwei bis drei Tagen beteiligen, war deswegen kritisiert worden.

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In Frankreich rechnet er trotz seiner Vergangenheit mit positiven Reaktionen der Fans: "Die Leute denken, ich hätte dieses schlechte Verhältnis zu dem Land und seinen Einwohnern. Aber ich bin gern dort, ich liebe Frankreich."

(sid)
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Lance Armstrong: "Ich habe keine 100 Millionen Dollar"


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