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Traumstart in Pink
Kittel sprintet beim Giro ins Maglia Rosa

Marcel Kittel sprintet beim Giro ins Maglia Rosa
Marcel Kittel hat beide Etappen an diesem Wochenende gewonnen. FOTO: afp, bart
Top-Sprinter Marcel Kittel trägt nach zwei Etappensiegen am Wochenende als erster deutscher Radprofi seit zehn Jahren das Rosa Trikot beim Giro d'Italia.

Auf dem Podest geriet Marcel Kittel für einen Moment doch noch in Verlegenheit. Nach seinem zweiten Etappensieg beim 99. Giro d'Italia stand der deutsche Top-Sprinter im Rosa Trikot auf dem Treppchen und hatte reichlich Mühe mit der widerspenstigen Champagner-Flasche. Doch wie so vieles am Auftaktwochenede der Italien-Rundfahrt gelang ihm letztlich auch diese Aufgabe: Mit kräftigen Drehbewegungen ließ Kittel den Korken knallen, setzte zur Schampusdusche an und küsste das begehrte "Maglia Rosa".

Der 27-Jährige ist mit zwei Tageserfolgen und dem Sprung an die Spitze der Gesamtwertung der große Gewinner des Giro-Abstechers in den Niederlanden. "Ich fliege im Rosa Trikot nach Italien, das ist eine große Ehre", sagte Kittel und fügte mit Blick auf das Giro-Finale in drei Wochen mit einem Lächeln an: "Ich denke aber nicht, dass ich mit diesem Trikot in Turin ankomme."

Am Sonntag siegte der Etixx-QuickStep-Kapitän auf der 190 km langen 3. Etappe von Nimwegen nach Arnheim und übernahm als erster deutscher Radprofi seit zehn Jahren das begehrte rosa Leibchen. Kittel hatte bereits am Samstag das zweite Teilstück über ebenfalls 190 km von Arnheim nach Nimwegen souverän für sich entschieden.

Kittel war angesichts zuletzt starker Leistungen schon im Vorfeld als Sprintfavorit der Italien-Rundfahrt ausgemacht worden - und hielt dem Druck stand. Auch André Greipel, im Vorjahr immerhin vierfacher Etappensieger der Tour de France und ein mehr als fähiger Rivale Kittels, hatte seinem Landsmann nichts entgegenzusetzen. Im Gegenteil. In seiner Dominanz erinnerte Kittel an die Erfolgsjahre 2013 und 2014, in denen er bei den Sprintankünften nur selten zu schlagen war. Das Seuchenjahr 2015, als ihn eine hartnäckige Viruserkrankung weit zurückwarf, ist für Kittel nach dem Giro-Auftakt endgültig vergessen.

Schon der Samstag war für den gebürtigen Arnstädter perfekt gelaufen. Scheinbar mühelos ließ Kittel die Konkurrenz um Greipel und Co. stehen, weit vor dem Zielstrich riss er jubelnd die Arme in die Höhe. Als Bonus nahm ihn seine Partnerin Tess von Piekartz, eine niederländische Volleyballerin, mit einer innigen Umarmung und einem Kuss in Empfang. "Der Sieg ist auch deshalb besonders", sagte Kittel.

Italiens Medien überschlugen sich mit Lobliedern auf den "schönen Marcel" (Corriere della Sera). Die renommierte Gazzetta dello Sport lobte die Sprintqualitäten Kittels - und widmete ihm und von Piekartz gar eine ganze Seite.

Am Sonntag waren erneut alle Augen auf Kittel gerichtet. Nach dem wiederholt ungefährdeten Erfolg klopfte ihm der viertplatzierte Greipel anerkennend auf den Helm, kurze Zeit später war er Dauergast auf dem Podium. Neben der Ehrung als neuer Träger des Rosa Trikots wurde Kittel auch als Etappensieger und Führender der Sprintwertung gefeiert.

Als bislang letzte Deutsche hatten Stefan Schumacher und Olaf Pollack im Jahr 2006 das Maglia Rosa getragen, einschließlich Kittel ist das Kunststück bisher nur sieben deutschen Fahrern gelungen. Mit seinem vierten Giro-Etappensieg zog Kittel zudem mit Rekordhalter Rudi Altig gleich, der zwischen 1966 und 1967 ebenfalls vier Teilstücke für sich entschieden hatte.

Kittel tauschte das Rote Trikot des besten Sprinters mit dem Maglia Rosa des Führenden der Gesamtwertung. Die Chancen, dass er es auch an seinem 28. Geburtstag am Mittwoch trägt, stehen gut. Am Montag steht für die Fahrer der Transfer nach Italien an, wo am Dienstag die 4. Etappe über 200 km von Catanzaro nach Praia a Mare führt. Kittel tritt die Reise mit einem ganz besonderem Souvenir an.

(sid)
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