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Staatsanwalt räumt Versäumnisse ein
Mountainbiker tot neben Epo-Spritze gefunden
Olympia: Die Dopingfälle bei Sommerspielen
Olympia: Die Dopingfälle bei Sommerspielen FOTO: dpa, Patrick Seeger
Köln. Ein Todesfall mit Dopinghintergrund beschäftigt erst vier Monate nach dem tragischen Geschehen um den Leutkircher Mountainbikefahrer Frederik Zierke die Staatsanwaltschaft Freiburg. Der 44-Jährige war am 10. September leblos aufgefunden worden.

Der Amateur hatte sich offenbar verbotene Substanzen selbst verabreicht und lag mitsamt einer Epo-Spritze tot in der verschlossenen Toilette seiner Wohnung. Gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR) räumte die Staatsanwaltschaft in Ravensburg inzwischen Versäumnisse ein. Sie hatte kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

In der Wohnung von Zierke, der als einer der besten deutschen Amateur-Mountainbiker galt, fand die Polizei klassische Dopingmittel wie Anabolika, Epo, Testosteron und andere Medikamente. Laut Notarzt soll sich Zierke das Mittel Neorecormon, ein Epo-Präparat, in die linke Armbeuge gespritzt hatte. "Es war daher klar, dass Zierke sich selbst Medikamente beziehungsweise Dopingmittel gespritzt hatte. Einen Hinweis auf Fremdverschulden gab es nicht", sagte Herbert Heister, der Chef der Staatsanwaltschaft in Ravensburg.

Keine Obduktion

Heister gibt heute zu, man hätte damals wegen Verdachts auf Arzneimittelmissbrauch gegen mögliche Lieferanten ermitteln müssen. Der Schwäbischen Zeitung sagte der 64-Jährige: "Ich räume ein, das war ein absolutes Versäumnis meinerseits, ich habe nicht richtig geschaltet." Eine Obduktion gab es daher nicht. Auch Handy und Computer des 44-Jährigen wurden weder beschlagnahmt noch ausgewertet.

Heister unterließ damals über das Todesermittlungsverfahren (Verdacht auf Medikamentenmissbrauch) hinaus auch ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und die umgehende Meldung des Falles an die Freiburger Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Diese hat die Akten nun vergangene Woche von ihm erhalten, nachdem das Nachrichtenmagazin Der Spiegel auf Heister zugekommen war.

"Ich gehe davon aus, dass von dort aus nun Ermittlungen eingeleitet werden", sagt Heister heute. Die Chance, möglicherweise Zierkes Lieferanten aus der Dopingszene auf die Spur zu kommen, hält Heister heute für denkbar gering.

Zierke galt in der Mountainbike-Szene als besonders ehrgeizig, zählte zur Spitze des deutschen Amateur-Bereichs. Er gewann 2009 eine Etappe bei der Crocodile Trophy, einem anspruchsvollen Mehr-Tages-Rennen im australischen Outback. In vergangenen Sommer wurde er mit seinem Partner Kai Hundertmarck, dem Ex-Profi vom Team Telekom, Gesamtdritter bei der sogenannten "Trans Schwarzwald", einem Fünf-Tages-Rennen über 417 Kilometer und 9220 Höhenmeter.

Quelle: sid/areh
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