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Emanuel Buchmann
Wieder ein Mann fürs Gesamtklassement

Tour de France: Keine Schweigeminute für Germanwings-Opfer
Tour de France: Keine Schweigeminute für Germanwings-Opfer FOTO: dpa, sam
Düsseldorf. Radprofi Emanuel Buchmann könnte Deutschlands Sehnsucht nach einem Rundfahrt-Spezialisten stillen. Von Martin Beils

Emanuel Buchmann trägt das weiße Trikot mit dem schwarz-rot-goldenen Brustring mit berechtigtem Stolz. Vor einem Jahr holte sich der damals 22-jährige Radrennfahrer bei den deutschen Meisterschaften an der Bergstraße in Südhessen den Titel und erhielt das Recht, ein Jahr lang das Trikot des Champions über die Landstraßen zu tragen. Seitdem fährt er in der Regel in Weiß und nicht im schwarzen Trikot seines Teams Bora-Argon 18.

Nächste Woche wird das wohl anders. "Es wäre schön, wenn ich den Titel verteidigen könnte, aber daraus wird wohl nichts", sagt Buchmann. Die Meisterschaften finden auf einer vergleichsweise flachen Strecke in Erfurt statt. Favoriten sind dort die Sprinter: der Thüringer Lokalmatador Marcel Kittel zuvorderst, André Greipel und John Degenkolb.

Buchmann ist ein anderer Typ Rennfahrer. Einer für die Berge, einer fürs Gesamtklassement bei den großen Rundfahrten. Und damit einer, auf den Radsport-Deutschland wartet. Bei allen Erfolgen, die die Sprintspezialisten oder Zeitfahr-Experte Tony Martin in den vergangenen Jahren unter anderem als Etappensieger bei der Tour de France eingefahren haben, konnten sie doch nie das breite, dem Radsport nicht ganz so nahe stehende Publikum begeistern. Es fehlt einer, mit dem es wochenlang fiebern kann. Vor allem bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli.

Im vergangenen Jahr machte Buchmann bei der Tour auf sich aufmerksam, als er die Pyrenäen-Etappe über den Col du Tourmalet als Dritter abschloss. Am übernächsten Wochenende führt er das neunköpfige Bora-Team als Kapitän beim Start in der Normandie. Sein Ziel: ein Etappensieg und zumindest in der ersten der drei Wochen einen Platz unter den Top 20 im Gesamtklassement.

Bora-Chef sieht großes Potenzial

Bora-Chef Ralph Denk sieht viel Potenzial im schmalen Körpers des Ravensburgers. "In zwei, drei Jahren könnte er einer für die Top 10 bei einer großen Rundfahrt sein", meint er. Er hebt Buchmanns gute Regenerationsfähigkeit, sein geringes Gewicht, die mentale Stärke und die Bodenhaftung hervor. Doch die Entwicklung müsse "peu à peu" gehen. Eine Garantie darauf, dass hier ein neues Idol heranwächst, gäbe es nicht.

Es ist freilich unwahrscheinlich, dass Buchmann sein Team auch im kommenden Jahr anführt, wenn der Grand Départ in Düsseldorf stattfindet. Denn Bora will wachsen. Denk geht davon aus, dass seine Mannschaft im kommenden Jahr in die höchste Kategorie des Rennsports aufgenommen wird. Die finanziellen, sportlichen, ethischen und organisatorischen Voraussetzungen liefere die Mannschaft, so dass nach der Einschätzung des Managers einer Beförderung nichts mehr im Wege steht. Bora wäre damit bei den großen Rennen startberechtigt (und -verpflichtet) und müsste nicht mehr auf Wildcards von Veranstaltern hoffen.

Ralph Denk wird eine Reihe von Neuverpflichtungen vornehmen. Die Namen darf er allerdings erst ab dem 1. August nennen. Es scheint aber sicher, dass er auch einen erfahrenen Mann als Kapitän für die Rundfahrten verpflichten wird. Buchmann müsste zumindest einstweilen wieder ins zweite Glied rücken. Doch er hat ja noch reichlich Zeit, um sich dann aus der Helferrolle heraus zu entwickeln.

Übrigens trägt Buchmann bei dieser Tour de France ein schmuckes Trikot, selbst wenn er nicht wieder Meister wird. Den Ärmel des neuen Bora-Jerseys zieren eine deutsche und eine französische Flagge sowie ein Hinweis auf den Tour-Start 2017 in Düsseldorf. Diese Werbung sei unentgeltlich, betonte Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Quelle: RP
 
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