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Wieder ein Massensturz
Broeckx im Koma – Radprofis gehen auf die Barrikaden

Köln/Brüssel . Erneut haben Motorräder für einen schweren Sturz im Profi-Radsport gesorgt, der Belgier Stig Broeckx kämpft um sein Leben. Die Sicherheitsdebatte flammt wieder auf.

Wieder ein durch Begleitfahrzeuge verursachter Horror-Unfall, wieder ein Radprofi im Koma: Zwei Monate nach dem Tod des Belgiers Antoine Demoitié beim Frühjahrs-Klassiker Gent-Wevelgem kämpft dessen Landsmann Stig Broeckx um sein Leben. Nach dem schweren Massensturz auf der dritten Etappe der Belgien-Rundfahrt herrscht im Fahrerlager Betroffenheit und Wut.

"So kann es nicht weitergehen", kritisierte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, der sich zum Zeitpunkt des Unfalls in einer Spitzengruppe befand: "Es ist unverantwortlich, dass wir neben dem normalen Risiko, das unser Sport schon mit sich bringt, noch durch Fehler der Organisatoren in Gefahr gebracht werden." Auch weitere deutsche Fahrer wie John Degenkolb oder Sprinter Marcel Kittel waren geschockt und äußerten ihr Unverständnis.

Die genaue Unfallursache ist bislang ungeklärt, doch offenbar kamen zwei Begleitmotorräder nach 65 Kilometern am Mont Rigi von ihrem Weg ab und krachten ins fahrende Feld. 19 Fahrer stürzten, am schlimmsten erwischte es dabei den Belgier Broeckx vom Team Lotto-Soudal. Der Mannschaftskollege des deutschen Ausnahmesprinters André Greipel erlitt zwei Gehirnblutungen und wurde mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus nach Aachen gebracht. Der 26-Jährige liegt im Koma.

Broeckx zog sich zwar keinen Schädelbruch zu, allerdings ist seine Augenhöhle gebrochen. "Der Hirndruck ist leicht angestiegen, aber noch im Rahmen. Wenn der Druck weiter steigt, könnte eine Operation nötig sein", teilte Teamarzt Servaas Bingé am Sonntagabend mit. Lotto-Soudal ging auf der Schlussetappe nach Tongeren nicht mehr an den Start.

Die Fälle von Zusammenstößen mit Begleitfahrzeugen häufen sich. Broeckx selbst war schon zu Beginn der Saison beim Rennen Kuurne-Brüssel-Kuurne von einem Motorrad umgefahren worden, Demoitie erlag Ende März seinen Verletzungen, nachdem er nach einem Sturz von einem Motorrad erfasst worden war. Beim Klassiker Paris-Roubaix fuhr ein Begleitmotorrad im Wald von Arenberg auf das Peloton auf und erwischte den Italiener Elia Viviani, auch beim unterklassigen Rennen Vier Tage von Dünkirchen kam es Anfang Mai zum Zusammenstoß.

Der Zorn der Fahrer trifft vor allem den Weltverband UCI und die Rennorganisatoren, die nach ihrer Ansicht zu wenig für die Sicherheit auf der Straße tun. "Warum werden nicht umgehend Sicherheitsmaßnahmen für Begleitfahrzeuge umgesetzt? Ideen gibt es!", schrieb etwa Kittel bei Facebook. Eine bessere Schulung der Piloten oder eine Reduzierung der Anzahl der Begleitmotorräder sind einige der Lösungsansätze aus dem Fahrerlager.

Die UCI hat ihrerseits bereits schärfere Verhaltensregeln für Begleitmotorräder im Rennen eingeführt und will mögliche Verstöße beim jüngsten Vorfall in Belgien untersuchen. Dies geht vielen aber nicht weit genug. "Wir brauchen jetzt unbedingt einen Runden Tisch mit Vertretern der UCI, der Rennveranstalter, Teams und der Fahrer, um einheitliche Standards und Regeln für Zahl und Verhalten der Begleitfahrzeuge zu verhandeln", forderte Martin: "Es ist einfach schon zu viel passiert."

Erste Erfolge wurden offenbar bereits erzielt. Wie Martin am Sonntagvormittag via Twitter erklärte, seien mit den Veranstaltern der Belgien-Rundfahrt "sehr gute Gespräche" geführt worden. "Wir werden zusammenarbeiten, um die Rennen sicherer zu machen. Wir laden die UCI ein, uns zu unterstützen."

(sid)
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