| 18.45 Uhr

Gold bei der Rad-WM
Tony Martins "perfekter Tag" in der Gluthitze von Katar

Martin im Zeitfahren wieder nicht zu schlagen
Martin im Zeitfahren wieder nicht zu schlagen FOTO: dpa, ow moa
Doha. Tony Martin ist wieder da. Der 31-Jährige gewinnt bei der Straßenrad-WM in Doha die Goldmedaille und feiert damit ein persönliches Happy End. Noch vor zwei Monaten erlebte er in Rio ein Debakel.

Zwischen den imposanten Hochhäusern von Doha wollte das Strahlen aus dem Gesicht von Tony Martin gar nicht mehr verschwinden. Immer wieder schüttelte der Radprofi erschöpft, aber überglücklich den Kopf nach seinem sensationellen Comeback auf dem WM-Thron. Vorbei waren all die Selbstzweifel der letzten Wochen und Monate, vergessen die Strapazen beim Rennen durch die heiße Wüste.

"Das war der perfekte Tag, eine Triumphfahrt von Kilometer 0 bis 40. Heute hat sich die harte Arbeit ausgezahlt", sagte Martin, nachdem er am Mittwoch zum vierten Mal den WM-Titel im Einzelzeitfahren bei der Straßenrad-WM geholt und mit Rekordgewinner Fabian Cancellara gleichgezogen hatte.

"Es waren zwei sehr schwierige Jahre"

Es war ein kaum für möglich gehaltenes Happy End für Martin, der noch vor neun Wochen bei den Olympischen Spielen mit Platz zwölf ein Debakel erlebt hatte. "Dieser Titel macht alles vergessen, was bisher in diesem Jahr war. In meinem Inneren wusste ich, dass ich Weltmeister werden könnte", sagte Martin und blickte zurück: "Es waren zwei schwierige Jahre, da zweifelt man an sich selbst. Es kommt der Punkt, wo man sich fragt, ob es das schon gewesen ist."

Mitnichten. In Doha holte sich Martin nach drei langen Jahren das WM-Trikot zurück. Und wie! Mit weit aufgerissenem Mund hatte Martin nach 44:42 Minuten das Ziel erreicht und die Bestzeit vorgelegt. An diese Paradezeit kam die Konkurrenz nicht mehr heran. Vorjahressieger Wasil Kirijenka aus Weißrussland wurde mit einem Rückstand von 45 Sekunden als Zweiter gestoppt, was Welten im Radsport sind. Den dritten Platz belegte der spanische Europameister Jonathan Castroviejo Nicolas mit einem Rückstand von 1:10 Minuten. Der niederländische Topfavorit Tom Dumoulin verlor gar zwei Minuten auf Martin.

Noch in Rio hatte Martin einen derartigen Rückstand mit sich herumgeschleppt. Eine denkwürdige Pleite, aber auch eine mit heilender Wirkung. "Es gehört zu einem Sportlerleben dazu, dass man Tiefpunkte hat. In jedem Schlechten steckt auch was Gutes", sagte Martin, der die Lehren zog und mit dem anschließenden Crashkurs goldrichtig lag. Martin hatte seine Rennmaschine umgerüstet und war zur alten Sitzposition zurückgekehrt, mit der er schon drei Titel eingefahren hatte.

Spezielle Vorbereitung auf die Hitze

Dazu hatte sich der Wahl-Schweizer speziell auf die Hitze vorbereitet. Zur besseren Akklimatisierung für die Rennen bei Temperaturen bis zu 40 Grad hatte Martin Spezialeinheiten mit dicken Trikots auf der Rolle vor dem Heizlüfter eingelegt. Das war auch nötig, denn auch am Mittwoch herrschten wieder Temperaturen von weit über 30 Grad. Dazu war es windstill, was die Bedingungen nicht einfacher machte.

Aber Martin war bestens vorbereitet. Schon bei der ersten Zwischenzeit hatte er knapp vor Kirijenka gelegen. Und der Vorsprung wuchs immer weiter an. So war nach der zweiten Zwischenzeit angesichts von über 20 Sekunden Vorsprung eine Vorentscheidung gefallen. So durfte Martin unter einem Sonnenschirm am TV-Monitor seinen vierten Titel bejubeln, als Kirijenka die Zeit klar verfehlte.

Schon im Mannschaftszeitfahren am Sonntag zum WM-Auftakt hatte Martin an der Seite von Marcel Kittel alte Klasse bewiesen und sich nach fünf Jahren mit dem Titel für Etixx in Richtung Katusha-Alpecin verabschiedet. Der Freiburger Jasha Sütterlin spielte indes am Mittwoch als zweiter deutscher Starter auf Platz 33 keine Rolle. Der Freiburger wurde 3:23 Minuten hinter Martin gestoppt.

Der Bund Deutscher Radfahrer beendete die Zeitfahr-Wettbewerbe mit insgesamt drei Medaillen. Bei den U23-Männern hatten Marco Mathis und Maximilian Schachmann für einen Doppelerfolg gesorgt. Am Donnerstag beginnen die Straßenrennen, Höhepunkt ist das Männer-Rennen am Sonntag. Dort hofft das deutsche Team auf den ersten Titel seit dem Triumph von Rudi Altig vor 50 Jahren. Ein hochmotivierter Tony Martin wird alles dafür geben.

(dpa)
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