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Tour-Sieger Chris Froome
Keine Konkurrenz – keine Gefahr

Froome feiert vierten Triumph
Froome feiert vierten Triumph FOTO: dpa, hak
Düsseldorf. In diesem Jahr lief bei der Tour de France vieles gegen Chris Froome. Dass er sie trotzdem erneut gewinnen konnte, zeugt von seiner Klasse. Es fehlte allerdings auch richtige Konkurrenz.  Von Daniel Brickwedde

Der Gesamtdritte Romain Bardet sprach schon vor dem Start der Tour de France von einer Route, die "Chaos erzeugen" würde. Chaos, das vor allem die gut geölte Sky-Maschinerie ins Stottern bringen sollte, so zumindest die Absicht und Hoffnung der Organisatoren hinter der diesjährigen Strecke. Nur drei Bergankünfte, kaum Zeitfahren und insgesamt eine Route, die zu einem offenen Schlagabtausch einlud – das spielte Chris Froome und Sky in ihrer kontrollierten Fahrweise nicht in die Karten.

Und trotzdem strahlte der Brite in seiner bevorzugten Trikotfarbe Gelb auf dem Podium in Paris. Für ihn ist es nach 2013, 2015 und 2016 der vierte Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt, wodurch er sich auf der Vorstufe zu den vier großen Fünffachsiegern Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain befindet. Der Radsport befindet sich längst in der Ära Froome.

Ungefährdeter Sieg am Ende

Auf der Siegerpressekonferenz am Vorabend der letzten Etappe nach Paris bezeichnete Froome seinen diesjährigen Erfolg als den "engsten seiner Karriere", was so weit richtig ist, betrachtet man den bloßen Zeitabstand von 54 Sekunden zum Zweitplatzierten Rigoberto Uran (Cannondale) – nie fiel ein Tour-Sieg für Froome knapper aus. Doch im Prinzip war auch dieser Sieg am Ende ungefährdet – vor allem, da ihm die Gegner fehlten.

Uran war eher ein passiver Begleiter, für den sich der zweite Platz bereits wie ein Sieg anfühlte.Bardet kämpfte dagegen aufopferungsvoll, war immer für Attacken gut, aber letztendlich noch nicht reif genug für den Tour-Sieg. Besonders seine Schwäche im Zeitfahren war eklatant: 2:36 Minuten verlor er auf nur 36,5 Kilometern Zeitfahrstrecke gegenüber Froome – dagegen standen nur 16 Sekunden, die er mühevoll in den Bergen auf den Briten herausfuhr. So ist Froome schlicht nicht zu schlagen. Am stärksten wirkte da noch der vierplatzierte Spanier Mikel Landa – ein Teamkollege von Froome.

"Angesichts des Kurses war es von Anfang an die Taktik, ein Drei-Wochen-Rennen zu fahren und nicht an einem Tag das Rennen zu zerschlagen. Es ging nur darum, die einzelnen Etappen abzuarbeiten und sicherzustellen, nicht an einem Tag massiv Zeit zu verlieren", sagte Froome. Kein Feuerwerk, reine Effektivität. Es ist eine der Stärken von Sky und Froome, sich den Gegebenheiten bestmöglichst anzupassen. Da war es auch zweitrangig, dass Froome als erst siebter Fahrer in der Tour-Geschichte ohne Etappenerfolg bei seinem Sieg blieb.

"In den Pyrenäen habe ich echt gelitten"

Und dennoch bot Froome Angriffsfläche. Zweimal sah man ihn in Situationen, die in den Vorjahren undenkbar waren. Auf der 12. Etappe mit der schweren Pyrenäen-Ankunft nach Peyraguedes konnte er auf den letzten Metern nicht mehr folgen, verlor 20 Sekunden und für zwei Tage das Gelbe Trikot an Fabio Aru (Astana) – ein Novum in der Ära Froome. Die französische "L'Équipe" fand für seinen unerwarteten Einbruch die Beschreibung eines "zitternden Gauklers auf einem zu großen Dreirad".

"In den Pyrenäen habe ich echt gelitten", erklärte Froome. Aber schon da setzte ihm die Konkurrenz zu wenig zu, wartete mit den entscheidenden Attacken bis kurz vor dem Ziel.

Ein anderes Mal verlor er auf der 15. Etappe durch das Zentralmassiv den Kontakt zur Spitze. Ein Defekt warf ihn zurück, während die Mannschaft von Romain Bardet (Ag2r - La Mondiale) das Feld mit Attacken auseinanderwirbelte. Eine Minute lag Froome zwischenzeitlich zurück, konnte aber die Karte seiner starken Mannschaftsunterstützung spielen und schaffte wieder den Anschluss. Leichte Panik, versicherte Froome später, habe er während der Aufholjagd dennoch gehabt.

Letztendlich war eine Mannschaft – bei allem Einsatz – aber zu wenig, um Sky wirklich herauszufordern. Es bleibt daher die Frage: Wie wäre die Rundfahrt mit diesem speziellen Kurs ausgegangen, wenn Froome Gegner auf Augenhöhe gehabt hätte, die seine Schwächen besser ausgenutzt hätten? Er hätte die Tour durchaus verlieren können. Aber es kam bekanntlich anders.

Glück für Froome

Nairo Quintana (Movistar) bestritt im Mai mit dem Giro d'Italia bereits eine dreiwöchige Landesrundfahrt, unterschätzte die Doppelbelastung und fuhr bei der Tour gnadenlos hinterher. Normalerweise gilt der Kolumbianer als bester Kletterer im Peloton. Richie Porte (BMC) dagegen war als großer Widersacher von Froome für diese Tour ausgemacht worden, schied aber nach einem bösen Sturz auf der 9. Etappe aus. Vor allem hätten beide Fahrer starke Mannschaften um sich gewusst, die für Froome das Rennen noch schwerer gemacht hätten. Die Tour entwickelte sich allerdings anders. Glück für Froome.

Es bleibt abzuwarten, ob der diesjährige Kurs ein Experiment war oder zum Trend wird. Der Attraktivität des Rennens hat er zumindest nicht geschadet. "Es wird sicher nicht einfacher" blickte Froome auf die Tour 2018 voraus. In diesem Jahr wäre er schlagbar gewesen. Nächstes Jahr kann das schon wieder ganz anders aussehen.

 
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