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Tour de France 2017
Ein guter Zeitpunkt für die Tour in der Region

Porträt: Tony Martin – Zeitfahr-Spezialist und Träger des Gelben Trikots
Porträt: Tony Martin – Zeitfahr-Spezialist und Träger des Gelben Trikots FOTO: ap, PDJ
Düsseldorf. Elf Jahre, nachdem die Fußball-Welt in Deutschland zu Gast bei Freunden war, macht im kommenden Sommer die Radsport-Welt Station im Rheinland. Passend zum Tour-de-France-Start im Juli 2017 verzeichnet der deutsche Profi-Radsport einen spürbaren Aufschwung. Von Stefan Klüttermann

Von Mettmann über Düsseldorf bis Mönchengladbach erhoffen sich die Städte, durch die der Prolog und die erste Etappe führen, vieles vom Besuch des größten Radsport-Ereignisses der Welt: Einnahmen, Atmosphäre, Werbung und Imagegewinn.

Da trifft es sich gut, dass sich der deutsche Profi-Radsport neuneinhalb Monate vor dem "Grand Départ" im Aufschwung befindet. "Der deutsche Radsport erfährt eine Renaissance. Das ist schön zu sehen", befand Brian Cookson, Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI.

Tony Martin will das Gelbe Trikot

Mit fünf Medaillen, zwei goldenen und drei silbernen, führte Deutschland in der Vorwoche den Medaillenspiegel der Weltmeisterschaft in Katar an. In Tony Martin hatte dabei einer seinen vierten WM-Titel im Zeitfahren geholt, der auch beim 13 Kilometer langen Zeitfahren zum Tour-Prolog am 1. Juli in Düsseldorf zu den Favoriten zählt.

Auf dem flachen Kurs durch die Landeshauptstadt mit Start und Ziel am Messegelände besitzt der 31-Jährige aus Cottbus in jedem Fall realistische Chancen aufs Gelbe Trikot. "Der Prolog wird definitiv mein Höhepunkt nächstes Jahr. Für mich gibt es nur ein Ziel, das ist das Gelbe Trikot", sagte Martin. Die Veranstalter in Düsseldorf, Erkrath, Mettmann, Meerbusch, Neuss und Kaarst würden natürlich nur zu gerne einen Deutschen auf der ersten Etappe am 2. Juli durchs Land fahren sehen.

"Ich bin ein Imageträger des sauberen Radsports"

Neben Martin sind es vor allem die Sprinter Marcel Kittel sowie André Greipel, die den deutschen Radsport in den vergangenen Jahren mit Etappensiegen bei der Tour de France wieder in ein positives Licht rücken konnten. John Degenkolb tat 2015 mit Siegen bei den Eintages-Klassikern Mailand-San Remo und Paris-Roubaix sein Übriges. "Wir haben den deutschen Radsport Jahr für Jahr größer gemacht", sagte Martin.

Nach der Zeit der Doping-Enthüllungen und Doping-Bekenntnisse interessieren sich die Deutschen wieder stärker für den Radsport. "Es gab düstere Jahre, eine große Demoralisierung. Es ist toll, dass deutsche Sponsoren investieren wollen und dass große Events wieder in Deutschland organisiert werden", sagte Cookson. Und Martin verkündete offensiv: "Ich bin ein Imageträger des sauberen Radsports."

Hoffnungen liegen auf Emanuel Buchmann

Der erste deutsche Tour-Start seit Berlin 1987 wird aller Voraussicht nach erstmals seit neun Jahren wieder zwei deutsche Teams erleben: Mit der Giant-Alpecin-Nachfolger-Equipe Sunweb und Bora-Hansgrohe gehen jedenfalls zwei deutsch lizenzierte Teams in der World Tour an den Start, zu der die dreiwöchigen Rundfahrten und die wichtigsten Klassiker zählen. Martin (Katjuscha-Alpecin), Kittel (Etixx-Quick Step), Greipel (Lotto-Soudal) und Degenkolb (Trek-Segafredo) fahren indes alle in verschiedenen Teams.

Was Deutschland noch fehlt, ist ein Fahrer, mit dem man wochenlang im Gesamtklassement mitfiebern kann. Emanuel Buchmann könnte auf Sicht so einer sein. 2016 wurde er 21. bei der Tour. Das ließ aufhorchen. Und es weckte Hoffnungen. Hoffnungen, wie sie passen zum deutschen Radsport-Aufschwung.

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