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Tour de France
Buchmann ist Deutschlands Hoffnung auf das Gelbe Trikot

Das ist Emanuel Buchmann
Das ist Emanuel Buchmann FOTO: dpa, hak
Für einen kurzen Moment trug Emanuel Buchmann am Samstag das Gelbe Trikot der Tour de France – zumindest virtuell. In der Zukunft könnte der Traum des deutschen Radprofis aber Realität werden.

Es war nur ein kurzer Flirt mit dem Gelben Trikot, wenige Minuten lang, virtuell. Im Juragebirge kraxelte Emanuel Buchmann auf der achten Tour-Etappe in einer Fluchtgruppe über steile Anstiege und durfte sich Hoffnungen auf die Erfüllung des Traums aller Radprofis machen. "Ich wusste, dass ich der Bestplatzierte in der Gruppe war", sagte Buchmann, "aber es war noch ein sehr, sehr weiter Weg ins Ziel."

Der Weg zum Etappenende an der Station des Roussess stellte als zu weit heraus. Im Schlagabtausch der Ausreißer verlor er den Anschluss, zudem erhöhte die Sky-Formation um Titelverteidiger und Spitzenreiter Christopher Froome im Hauptfeld den Druck in der Nachführarbeit.

Die Zeit für den Sprung ins "Maillot jaune" war noch nicht reif. Doch es ist keine Utopie, dass der hochbegabte 24-Jährige einmal das begehrte Stück Stoff auf seinen Schultern tragen könnte. Schon jetzt ist Buchmann der hoffnungsvollste deutsche Rundfahrer, seine Entwicklung aber längst nicht abgeschlossen.

Im deutschen Radsport nimmt Buchmann eine Sonderstellung ein. Sprinter wie Marcel Kittel und André Greipel oder Zeitfahr-Ass Tony Martin sorgten in der Vergangenheit für Siege in Serie, Kittel allein gewann bei der Tour 2017 bereits drei Etappen. Talentierte Rundfahrer wie Buchmann sind dagegen rar gesät.

Buchmann hat das Potenzial, diese seit langem klaffende Lücke im deutschen Radsport zu schließen. "Ich mache mir auch Hoffnungen, dass ich bei einer großen Rundfahrt vorne mitfahren kann", sagte der schmale Ravensburger, "aber ein Kandidat für den Tour-Sieg bin ich noch nicht." Im Kampf um das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis ist dagegen bereits mit ihm zu rechnen.

Buchmann übernimmt Verantwortung

Bei der Tour stellt sich Buchmann beim deutschen Team Bora-hansgrohe als Edelhelfer zumeist in den Dienst des Polen Rafal Majka. Bei seiner dritten Teilnahme übernimmt Buchmann, der außerhalb der Rennen oft zurückhaltend und schüchtern wirkt, damit mehr Verantwortung, steht aber noch nicht im Rampenlicht. "Er fühlt sich in der Rolle ganz wohl", sagte Teammanager Ralph Denk.

Der 43-Jährige verfolgt große Pläne. Denk hat sein Team mühevoll in die World Tour geführt, die Verpflichtung des von der Tour de France ausgeschlossenen Weltmeisters Peter Sagan war ein Coup. Seine Vision, "das beste Team der Welt zu werden", hat sich aber noch nicht verwirklicht. Was fehlt? "Dass wir mal die Tour gewinnen", sagte Denk: "Wir haben Leute in unseren Reihen, die das irgendwann mal drauf haben."

Dazu zählt auch Buchmann. Beim wichtigen Tour-Härtetest Critérium du Dauphiné verblüffte er als Gesamtsiebter, im kommenden Jahr startet er womöglich erstmals als Kapitän in eine große Landesrundfahrt.

Die Tour 2018 kommt für Buchmann aber wohl noch zu früh. Dennoch scheint auch eine Führungsrolle bei der Frankreich-Rundfahrt nur eine Frage der Zeit zu sein. "Ein Jan Ullrich", sagte Denk, "hat auch erst für Bjarne Riis fahren müssen."

(sid)
 
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