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Tour de France
Frankreichs neue Helden

Bilder: Bardet gewinnt erste Pyrenäen-Etappe
Bilder: Bardet gewinnt erste Pyrenäen-Etappe FOTO: afp
Vier Etappensiege, Warren Barguil im Bergtrikot und Romain Bardet als ernsthafter Kandidat für den Gesamttriumph: Die Grande Nation steht bei ihrer Tour de France Kopf wie lange nicht mehr.

Die Last des großen Erbes hat schon viele französische Hoffnungsträger förmlich erdrückt. Immer dieser Vergleich, immer diese Sehnsucht. Wer wird der Nachfolger von Bernard Hinault? Wer schafft es, diesen Triumph bei der Tour de France endlich wieder der Grande Nation zu schenken? 32 Jahre ist Hinaults Gesamtsieg jetzt her. 32 Jahre Warten auf den einen ganz besonderen Emporkömmling.

Vielleicht ist er bei der 104. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt gefunden. Vielleicht ist Romain Bardet tatsächlich imstande dazu. Diese eine Frage, na klar, er hat sie inzwischen auch beantworten müssen. "Ich habe keinen Vertrag mit meinem Vaterland. Das ist nicht meine Geschichte", sagt Bardet. Mit Hinault verbindet ihn außer der Nationalität nicht viel, findet er.

Bardet ist hager, er sieht jungenhaft aus. Er ist nicht der kraftvolle Alleskönner, der Hinault einst war. Bardet ist in der Auvergne geboren, am Leistungszentrum seines Teams AG2R in Chambéry ausgebildet worden, hat nebenbei studiert. Auch sein Weg ist eben ein ganz anderer als der des Autodidakten Hinault, der sich in seiner rauhen bretonischen Heimat die Härte für eine große Laufbahn holte.

Ein wenig steckt natürlich auch Selbstschutz hinter Bardets Äußerungen, er weiß sehr genau, dass er diesen immensen Druck so gut wie möglich von sich fernhalten muss. "Die Sehnsucht kommt von den Leuten, nicht von mir", sagt Bardet. Die Zuversicht ist aber angesichts seiner außergewöhnlichen Verfassung auch bei ihm gewachsen. "Nichts ist unmöglich", meint der Kletterspezialist.

Gelb nicht mehr nur ein Traum

Bardet liegt im Klassement 25 Sekunden hinter Fabio Aru aus Italien auf Rang drei, er hat die Pyrenäen-Etappe nach Peyragudes gewonnen und bisher mit seiner Aggressivität überzeugt. Seine Angriffslust, seine Courage in den Abfahrten sind es, die nun große Hoffnungen wecken. "Das Gelbe Trikot ist nicht mehr nur ein Traum", befand das Tour-Organ L'Equipe dieser Tage.

Bardet muss den größten Druck schultern, doch die enorme Begeisterung unter den Franzosen hat nicht er allein entfacht. 6,4 Millionen saßen am Nationalfeiertag vor den TV-Geräten, als Warren Barguil aus dem deutschen Team Sunweb in Foix gewann. Erstmals nach zwölf Jahren siegte wieder ein einheimischer Fahrer am "Bastille Day". Und Barguil ist zudem auf dem besten Wege, das Bergtrikot nach Paris zu tragen.

Sein Erfolg war bereits der vierte französische bei dieser Tour. Sprinter Arnaud Démare, Tour-Debütant Lilian Calmejane und eben Bardet hatten zuvor für Jubel gesorgt. "Wir haben eine Reihe guter Fahrer, die unbelastet sind von der Vergangenheit", sagt Vincent Lavenu, Bardets Teamchef. Und nicht zuletzt haben sie allesamt noch eine Menge vor sich.

Bardet, 26, Barguil, 25, Calmejane, 24, Démare, 25, dann noch Rundfahrer Thibaut Pinot, 27. Jetzt, da die alten Recken wie Thomas Voeckler oder Sylvain Chavanel auf die 40 und das Karriereende zugehen, hat längst eine andere, verheißungsvolle Generation übernommen. Auch Bernard Hinault wird ihnen sicher genau zusehen.

(sid)
 
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