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Tour de France 2017
Armstrong inszeniert sich mit Podcast erfolgreich selbst

Porträt: Das ist Lance Armstrong
Porträt: Das ist Lance Armstrong FOTO: AFP
Düsseldorf. Er ist zurück. Mit einem eigenen Podcast kommentiert Lance Armstrong das tägliche Geschehen bei der Tour de France. Es ist ein Akt der Selbstinszenierung. Das Format "Stages" kommt aber überraschend gut an – und ist auf iTunes ein voller Erfolg. Von Daniel Brickwedde

Bei der Tour de France wurde Lance Armstrong von den Organisatoren auf Lebenszeit zur Persona non grata erklärt. Die Ächtung für den US-Amerikaner nach seinem Dopingskandal ist immer noch groß – vor allem im Radsport. 2012 wurden dem gefallenen Radsport-Star alle sieben Tour-Titel (1999 bis 2005) aberkannt.

Und dennoch: Armstrong will und kann offenbar nicht von der Bildfläche verschwinden. Nun nähert er sich in gewisser Weise wieder der Tour de France an: aus einem kleinen Studio in seiner Heimat Austin, aus dem für das Outside-Magazin mit einem Co-Moderator jeden Tag 45 Minuten lang das Geschehen der aktuellen Tour-Etappe analysiert und zusammenfasst. Der Podcast heißt "Stages", nach Selbstauskunft des 45-Jährigen sowohl als Etappe und auch als Schritt für ihn zurück ins normale Leben zu verstehen.

Das Format ist launisch, Armstrong kommentiert einzelne Ereignisse schon mal derber, bezeichnet unter anderem den Fahrstil des dreifachen Gesamtsiegers Chris Froome als "Beleidigung für das Auge", ätzt gegen die Bergqualitäten von Marcel Kittel und kommentiert den Tour-Ausschluss von Peter Sagan mit den Worten "abgefuckt". Wenig überraschend lässt er auch an den Organisatoren der Tour de France kein gutes Haar. Armstrong nimmt zu allem mit klaren Worten Stellung, gibt aber auch fundierte Einschätzungen.

Kritik gibt es jedoch von Sportjournalist Klaus Blume, der den Podcast gegenüber dem Deutschlandfunk als "Stammtischgewäsch" abtut.

Der Erfolg von "Stages" ist allerdings nicht wegzudiskutieren. Die Facebook-Live-Aufzeichnungen seines Podcasts verfolgen in der Regel 170.000 Zuschauer, in der Liste aller US-Podcasts erreichte er zwischenzeitlich sogar Platz 10 in den iTunes-Charts. Die "New York Times" nannte das Format sogar "informiert, ehrlich und manchmal geistreich".

Allerdings steht der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund – und bringt Armstrong die gewünschte Aufmerksamkeit. Denn das Format dient auch der Selbstinszenierung. In der öffentlichen Akzeptanz versucht er schon länger wieder Fuß zu fassen. In seinem vorherigen Podcast-Format "Forward" interviewte er bekannte Menschen aus Sport und Gesellschaft – der Geltungsdrang treibt Armstrong nach wie vor an. Sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen, wie Jan Ullrich, passt wenig überraschend nicht in den Armstrong-Kosmos.

 
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