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Tour de France 2017
Marcel Kittel – wieder Dominator

Bilder: Kittel sprintet zum Sieg und übertrumpft Zabel
Bilder: Kittel sprintet zum Sieg und übertrumpft Zabel FOTO: rtr, STE
Düsseldorf. Marcel Kittel und dann lange nichts: So lassen sich die Sprintentscheidungen der Tour de France 2017 zusammenfassen. Auf der 10. Etappe holte der Erfurter seinen vierten Tagessieg und ist nun deutscher Rekordsieger bei der Tour. Es dürfte noch lange nicht das Ende der Siegesserie sein. Von Daniel Brickwedde

Spöttisch hätte man auch von einem Ausreißer-Sieg sprechen können. Der Vorsprung von Marcel Kittel (Quick-Step Floors) im Sprint der 10. Etappe in Bergerac war eklatant, bereits einige Meter vor dem Ziel konnte er sich erheben und seine Hände zum Sieg ausbreiten – nicht alltäglich in den oft umkämpften Sprintentscheidungen. Doch Kittel fährt aktuell in einer eigenen Liga. "Marcel ist von einem anderen Planeten, was die Schnelligkeit angeht", brachte es John Degenkolb (Trek-Segafredo), der den deutschen Doppelerfolg als Tageszweiter perfekt machte, auf den Punkt. Resignation macht sich schon lange unter den Konkurrenten breit.

Marcel Kittel von A bis Z

Kittels vierter Erfolg bei dieser Tour und sein 13. insgesamt war zudem einer für die Geschichtsbücher. "Ich kann es einfach nicht glauben. Ich habe so viele Etappen gewonnen bei der Tour. Niemals hätte ich das gedacht, als ich meine Karriere begonnen habe", blickte Kittel zurück, der mit seinem Sieg in Bergerac die deutsche Rekordmarke von zwölf Etappenerfolgen durch Erik Zabel überflügelte.

Eigene Art des Sprints gefunden

Alle deutschen Tour-Etappensieger FOTO: ap, PDJ

Auch der entthronte Rekordhalter zollte Respekt. "Es ist eine Freude, ihm zuzusehen, mit welcher Leichtigkeit und Eleganz er seine Siege einfährt. Seine Einstellung muss überragend sein, nicht verbissen und verkrampft. Für mich ist er der neue Cipollini – nur schneller und hübscher", sagte Zabel gegenüber "radsport-news.com".

Dabei demonstrierte Kittel in Bergerac einmal mehr seine eigene Art des Sprintens. Er braucht keine Anfahrer, ihm genügt derzeit schlicht seine schiere Kraft und Endschnelligkeit, gepaart mit großem Selbstvertrauen und dem richtigen Auge für die Situation. Es macht ihn im Moment um Klassen besser als die Konkurrenz. Im Kampf um das Grüne Trikot liegt Kittel nun fast uneinholbar mit 102 Punkten vor dem Australier Michael Matthews (Sunweb).

Porträt: Marcel Kittel: Deutschlands Super-Sprinter FOTO: afp

"Wenn ich von hinten komme, sind gute Beine die Grundlage. Aber die Form stimmt", erklärte Kittel nach seinem Sieg auf der 6. Etappe nach Troyes und fügte damals an: "Es kommt nicht nur auf die Teampower an. Man muss klug fahren, im richtigen Moment vorne am richtigen Rad sein. Das macht den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Sprinter aus".

Drei weitere Chancen auf Etappensiege

Für ihn ist es eine Rückkehr zu alter Dominanz. In den Jahren 2013 und 2014 war er schon einmal mit je vier Etappensiegen der alles überragende Sprinter der Rundfahrt, ehe er 2015 durch eine Viruserkrankung nie in Fahrt und Form kam und schließlich nicht für die Frankreich-Rundfahrt nominiert wurde. Eine Phase, die er später als die schwierigste seiner bisherigen Karriere beschrieb. Im Vorjahr reichte es nur zu einem Etappenerfolg.

Ein Ende seiner Siegesserie bei dieser Tour ist jedoch nicht in Sicht. Von den Etappenprofilen her bietet die Tour noch drei Teilstücke, bei denen ein Massensprint als wahrscheinlich gilt – inklusive der Schlussetappe auf dem Champs-Élysées in Paris. Weitere Kittel-Siege scheinen da programmiert.

 
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