| 17.34 Uhr

Tour de France
Schwerer Sturz überschattet Königsetappe

Porte stürzt auf Königsetappe schwer
Porte stürzt auf Königsetappe schwer FOTO: afp
Chambéry . Chris Froome trotzte allen Widrigkeiten – doch das Sturzdrama um Richie Porte drängte alles in den Hintergrund. In einem dramatischen Finale der Königsetappe endeten die Hoffnungen des Australiers auf den Gesamtsieg bei der 104. Tour de France auf schockierende Weise.

Der Tagessieg von Rigoberto Uran aus Kolumbien wurde zur Randnotiz. Porte (32) galt als größter Herausforderer des Titelverteidigers, der ehemalige Froome-Gefährte befand sich in der Form seines Lebens. Doch die heikle Abfahrt vom Mont du Chat zerstörte seine Träume. Porte rutschte bei hoher Geschwindigkeit in einer Linkskurve vom Asphalt, überschlug sich und prallte gegen eine Felswand. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht, war aber zumindest bei Bewusstsein. Er erlitt laut Angaben seines Teams Brüche an Schlüsselbein und Hüftpfanne sowie großflächige Schürfverletzungen. 

Froome unterstrich seine Rolle als Top-Favorit, nur der Vorjahreszweite Romain Bardet (Frankreich) setzte ihn im Finale unter Druck, wurde aber wieder gestellt. Den Tagessieg nach 181,5 ganz harten Kilometern in Chambéry feierte dann im Sprint der Spitzengruppe Rigoberto Uran aus Kolumbien im Fotofinish vor dem Franzosen Warren Barguil, der zu früh jubelte. Froome behauptete seine Führung in der Gesamtwertung mit 18 Sekunden Vorsprung auf den Italiener Fabio Aru.

Unfaire Aktion ärgert Froome

Aru sorgte mit einer unfairen Aktion im letzten Anstieg zum Mont du Chat für Erregung. Als ein Defekt Froome stoppte, attackierte der Astana-Kapitän – doch die anderen Konkurrenten übten Solidarität mit dem Titelverteidiger und nahmen die Beine hoch.

Froome übernahm dann knapp 27 km vor dem Ziel selbst die Initiative und dünnte den Kreis seiner Rivalen aus. Der Kolumbianer Nairo Quintana fiel ebenso heraus wie Alberto Contador, der einen heftigen Einbruch erlebte. Die Anstrengung war den Top-Fahrern ins Gesicht geschrieben, jeder Einzelne, auch Froome, bewegte sich am Limit.

Nach einem Sturz von Rafal Majka trägt das deutsche Rundfahrt-Talent Emanuel Buchmann nun die Hoffnungen von Bora-hansgrohe auf eine gute Platzierung im Gesamtklassement. Das Missgeschick des Polen war für die deutsche Equipe der nächste herbe Dämpfer nach dem Tour-Ausschluss von Peter Sagan vor wenigen Tagen. "Der Sturz von Rafa war richtig scheiße", sagte Buchmann in der ARD.

Majka kam mit großem Rückstand ins Ziel, aber auch Buchmann verlor Zeit auf die Besten. "Ich bin nicht wirklich zufrieden, ich hatte den ganzen Tag zu kämpfen", sagte Buchmann, der auch für seinen Aufwand am Vortag bezahlte, als er ganz kurz vom Gelbe Trikot träumen durfte.

Erbarmungslose Tempohatz

Zermürbende Anstiege, riskante Abfahrten und eine erbarmungslose Tempohatz: Das womöglich schwierigste Teilstück der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hielt, was es versprach. Und dazu waren nicht die Pyrenäen- oder Alpenriesen ntöig. 4600 Höhenmeter mussten auf 181,5 km zwischen Nantua und Chambéry bewältigt werden, drei Berge der Sonderkategorie im französischen Jura, härter geht es kaum. Bereits 90 km vor dem Ziel am Grand Colombier, der Rampen mit bis zu 22 (!) Prozent Steigung bereithielt, hatte sich die Gruppe der Favoriten auf knapp 20 Fahrer reduziert.

Die Hitze der Vortage wich am Sonntag kühlerem Wetter und teilweise Regen. Die Straßen waren feucht, die ohnehin schon waghalsigen Abfahrten noch gefährlicher. Erste Sturzopfer gab es früh. Der Italiener Manuele Mori und der Niederländer Robert Gesink, am Samstag noch Etappenzweiter, mussten aufgeben. In der Schussfahrt vom Col de la Biche ging dann Froome-Helfer Geraint Thomas zu Boden und schied aus.

Am Samstag, als der Franzose Lilian Calmejane einen Ausreißercoup landete, hatten sich die Favoriten um Froome noch belauert. Am Montag dürfen sich die Profis in der Dordogne etwas von den bisherigen Strapazen erholen, bevor auf den folgenden Abschnitten wahrscheinlich die Sprinter wieder in den Vordergrund treten. Allen voran Marcel Kittel, der Star der ersten Tour-Woche.

 

(ems/sid/dpa)
 
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