| 19.28 Uhr

Tour de France 2017
Warum Bardet Froome noch schlagen kann

Tour de France 2017: Warum Romain Bardet Chris Froome schlagen kann
Der Franzose Romain Bardet FOTO: rtr, DAM
Düsseldorf. Wer soll Chris Froome bei der Tour de France noch stoppen? Die härtesten Konkurrenten mussten die Tour verletzungsbedingt (Richie Porte) schon verlassen oder sind nicht in Form (Nairo Quintana). Sein einziger Gegner scheint noch Romain Bardet – und der könnte Froome tatsächlich empfindlich zusetzen. Von Daniel Brickwedde

Virtuell lag Romain Bardet (Ag2r) kurz vor dem Ende der 9. Etappe nach Chambéry schon fast gleichauf mit Chris Froome (Sky) und dem Gelben Trikot. Der Franzose war auf der schwierigen Abfahrt vom Mont du Chat den restlichen Favoriten um Froome enteilt und lag wenige Kilometer vor dem Ziel 33 Sekunden voraus – ein Vorsprung, der ihn bis auf wenige Sekunden in der Gesamtwertung an den Briten herangebracht hätte.

Am Ende blieb es vorerst nur ein kleines Störfeuer. Die Gruppe um Froome kam wieder heran – auch, da Froome sich für die Verfolgungsarbeit nicht zu schade war. Ein Fingerzeig war es trotzdem: Bardet setzte Froome erstmals bei dieser Tour unter Druck und wird wohl sein härtester Konkurrent bleiben. Der Brite scheint das realisiert zu haben. 51 Sekunden trennen ihn und den drittplatzierten Bardet in der Gesamtwertung, dazwischen liegt noch Fabio Aru (Astana, +0:18 Sekunden).

Fahren nach Institution und Instinkt

Was ihn auszeichnet und für Froome noch zum Problem werden könnte, ist dessen unberechenbare Fahrweise und der Hang zum Risiko. Selbst Portes schwerer Sturz kurz zuvor brachte Bardet nicht davon ab, seine Attacke auf der nassen und schnellen Abfahrt vom Mont du Chat zu wagen. "Romain ist in guter Form. Deshalb hat er in der Abfahrt Risiko genommen", erklärte sein Teammanager Vincent Lavenu im Ziel.

Nach Intuition und Instinkt würde er fahren, beschrieb Bardet seine Fahrweise einmal. Froome und sein Team Sky bevorzugen dagegen die absolute Kontrolle mit dosierter Risikobereitschaft. Der Vorjahreszweite der Tour ist da ein Gegenentwurf zur durchprogrammierten Sky-Maschinerie – und damit eine schwer kontrollierbare Gefahr.

Eine Tour-Route für Bardet

Für nicht wenige ist ihm die diesjährige Route der Tour de France ohnehin auf dem Leib geschneidert: weniger Zeitfahrkilometer und schwere Bergankünfte, dafür mehr offene Berg-Etappen, die chaotische, unübersichtliche und unerwartete Rennsituationen begünstigen – wie das 9. Teilstück nach Chambéry. Terrain, auf dem sich Bardet wohlfühlt. "Na, klar kann man Froome schlagen", behauptet daher auch Lavenu.

Besonders, da seine ganze Mannschaft die Einstellung von Bardet teilt. Die Trikots von Ag2r prägten die 9. Etappe, sorgten für viel Unruhe und forderten Sky zur Reaktion. "Wir spielen hier eine Rolle, wir agieren. Das ist der Art von Rennen, die ich mag", erklärte Bardet darauf angesprochen. Und das Gelbe Trikot? "Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, aber ich werde dafür hart arbeiten", so Bardet vor unzähligen Journalisten am Ruhetag.

Froome zum Handeln zwingen

Der Hype um den 26-Jährigen ist groß, schließlich ist er die größte Verheißung der Gastgebernation auf den ersten Tour-Erfolg seit 1985 durch Bernhard Hinault. Eine Erwartungslast, unter der vor ihm schon viele eingebrochen sind – er offenbar nicht.

Seine Chance ist sein Mut und Froome in Situation zu bringen, in denen reagieren muss und von seiner dosiert risikobereiten und kontrollierten Fahrweise abweichen muss. Bislang wirkten die Tour-Siege des Briten immer taktisch durchstudiert: Er und sein Team agierten stets, selten mussten sie reagieren. Eine Schwachstelle?

Noch ist Froome voll im Soll auf dem Weg zu seinem vierten Gesamtsieg in Frankreich. Zu schlagen scheint er nur, wenn etwas Unvorgesehenes für ihn und sein Team passiert. Bardet könnte der Mann für solche Szenarien werden.

 
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