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Zeitungsanzeige vor Tour-Start
Alpecin streicht für drei Wochen "Doping" aus dem Wortschatz

Tour de France: Alpecin streicht "Doping" aus dem Wortschatz
Deutschlands Radsporthoffnung John Degenkolb glaubt selbst nicht, dass der Radsport je völlig sauber sein wird. FOTO: dpa, ade
Bielefeld. Das Koffein-Shampoo Alpecin ist seit Jahren mit dem Wort "Doping" verbunden. Für drei Wochen lässt das Unternehmen dahinter seine Werbestrategie ruhen. Der Grund: Alpecin steckt neuerdings Millionen in den Radsport – und am Samstag beginnt die Tour de France. Von Jannik Sorgatz

Es lässt sich wohl kaum beziffern, wie viel Prozent ihres Umsatzes die Dr. Wolff-Gruppe GmbH einem provokanten Werbeslogan zu verdanken hat. "Doping für die Haare" heißt es seit zehn Jahren, wenn die Bielefelder Firma für ihr bekanntestes Produkt wirbt, das Koffein-Shampoo Alpecin. Da der Radsport kurz darauf in den schlimmsten Dopingskandal seiner Geschichte schlitterte, heißt es inzwischen mit Nachdruck: "Nur für die Haare!"

Der Slogan – halb Kult, halb Nervtöter – könnte der einzige Berührungspunkt zwischen Sport und Shampoo sein. Doch Dr. Wolff stellte 2012 Jan Ullrich als neuen Werbepartner vor. "Sein Beispiel zeigt, dass es nicht immer nur bergauf geht, sondern dass man auch fallen kann. Dann heißt es wieder aufzustehen", verteidigte Geschäftsführer Eduard Dörrenberg damals die umstrittene Liaison. Nein, nicht nur das, seit dieser Saison gibt es in Giant-Alpecin auch wieder einen deutschen Rennstall mit UCI-World-Team-Lizenz. "Ausgerechnet", schoss es nicht wenigen Beobachtern durch den Kopf.

Am Samstag beginnt die erste Tour de France für Giant-Alpecin. Klassiker-Spezialist John Degenkolb träumt von Etappensiegen und darf sogar auf den Gewinn des grünen Trikots für den besten Sprinter schielen. Vier Tage vorher hat der Hauptsponsor eine Kampagne gestartet, die in diversen Printmedien mit der Beschriftung "Eil-Anzeige" läuft. "Keine Doping-Werbung während der Tour", steht über dem Text von Geschäftsführer Dörrenberg in Anmutung einer Zeitungsmeldung. Die Nachricht: "Alpecin wird in den drei Wochen, in denen das Giant-Alpecin-Team um Siege kämpfen wird, vollständig auf seine Doping-Werbung verzichten." In der Tat.

Trotzdem teilt das Unternehmen mit: "Wir fördern aus Überzeugung ein dopingfreies Team. Auch wenn wir für unser Coffein-Shampoo weiter in Anspruch nehmen, dass es wie Doping für die Haare wirkt." Schon 2006 prüfte der Werberat diese Verbindung eines Gesundheitsproduktes mit einem Wort, das für illegale Leistungssteigerung im Sport steht, hatte aber nichts zu beanstanden. Der brisanteste Satz der Anzeige steht ganz unten, kursiv unter dem Markenlogo: "Von Anfragen zum Thema 'Doping' bitten wir während der Tour abzusehen."

Giant-Alpecin-Star Degenkolb hatte vor ein paar Tagen noch gemahnt, man dürfe "nicht erwarten, dass der Radsport jemals ganz ohne Betrüger sein wird." Eine gewisse Grundskepsis wird wohl immer mit einer unsichtbaren Startnummer im Peloton mitfahren. 243 Millionen Euro Umsatz hat die Dr. Wolff-Gruppe im vergangenen Jahr gemacht, mehr als ein Viertel mit Alpecin. "Wenn eine Firma, die über viele Jahre mit dem Begriff Doping Werbung für ein Haarwuchsmittel macht, und ihn damit auch verharmlost nun ausgerechnet einen Radrennstall gründet", sagte Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel", dann ist das für mich ein größerer Skandal, als wenn ein Wasserträger der Tour beim Epo-Spritzen erwischt wird."

Die neuen Anzeigen werden die Kritik an Alpecins Radsport-Engagement erst Recht nicht aus der Welt schaffen.

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