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Armstrong sät Zweifel
Froome und der Verdacht: "Was soll ich noch machen?"

Froome gewinnt erste Bergankunft
Froome gewinnt erste Bergankunft FOTO: ap, PDJ
Der dominante Auftritt von Christopher Froome auf der ersten Pyrenäen-Etappe war verblüffend und rief auch die Skeptiker auf den Plan. Selbst Lance Armstrong fühlte sich bemüßigend, Zweifel zu säen.

Auf der Rückseite der Autobiographie hat Christopher Froome seine Botschaft für alle Kritiker verewigt. "This is one yellow jersey that will stand the time" - "dieses Gelbe Trikot wird die Zeit überdauern" steht da, unterlegt mit einem Foto von der Triumphfahrt auf den Champs Elysees in Paris nach seinem ersten Tour-de-France-Gesamtsieg vor zwei Jahren.

Froome ist seit Dienstag auf dem besten Weg zu Titel Nummer zwei. Doch seit dieser beeindruckenden Pyrenäen-Kletterpartie hinauf nach La Pierre-Saint-Martin, bei der sein australischer Helfer Richie Porte mit Rang zwei gar für einen Doppelsieg sorgte, sind die Verdächtigungen und der Rechtfertigungsdruck ebenfalls wieder omnipräsent. "Frappierend", nannte das Tour-Organ L'Equipe den Auftritt.

Selbst Lance Armstrong hatte offenbar nichts besseres zu tun, als via Twitter verschwörerisch zu orakeln: "Eindeutig, Froome/Porte/Sky sind sehr stark. Zu stark, um sauber zu sein? Fragt mich nicht, ich habe keine Ahnung." Auch wenn der Texaner ("Ich beschuldige niemanden") nach zahlreichen entrüsteten Reaktionen eine Rückzieher machte, hatte er bleibenden Eindruck hinterlassen.

Das Teamzeitfahren FOTO: afp, AG/VL

Froome hatte zu dem Zeitpunkt seine Verteidigungsrede in 1600m Höhe bereits hinter sich. "Was habe ich nicht alles getan? Was soll ich als sauberer Fahrer eigentlich sonst noch machen?", fragte der gebürtige Kenianer, und wünschte sich mit einem entschiedenen Ton in der Stimme bei allem Verständnis für die Zweifel "ein gewisses Maß an Respekt. Ich habe extrem hart gearbeitet, um in die Position zu kommen und ich bin sehr stolz darauf."

Froome positioniert sich ja schon länger vehement als Saubermann, er sieht sich in der Rolle eines Sprechers für das Peloton, er verweist auf seine verschiedenen Kooperationen mit dem Rad-Weltverband UCI oder dem Olympischen Komitee IOC. Der Kapitän des Teams Sky forderte wiederholt noch intensivere Dopingkontrollen. Und es heißt laut der britischen Daily Mail jetzt auch, dass der 30-Jährige nach dem Ende der Tour einen medizinischen Komplett-Check über sich ergehen lassen und diese Daten veröffentlichen will.

Aber es stehen ebenso die Kontroverse aus dem letzten Jahr um eine Ausnahmegenehmigung für ein Medikament zur Behandlung einer Bronchialinfektion im Raum und sein selbst eingeräumter verpasster Dopingtest vor einigen Monaten - auch wenn er versuchte beide Aspekte ausführlich zu erklären. Dann sind da solch unglaubliche Klettereinlagen wie am Dienstag, und nicht zuletzt der unheimlich diskrete Umgang von Sky mit den Leistungsdaten Froomes, zu beobachten an der Entrüstung über einen mutmaßlichen Hacker-Angriff auf ebendiese Werte.

Vuillermoz holt ersten Etappensieg für Frankreich FOTO: afp, AG

Die zweite Pyrenäen-Etappe stand jedenfalls unter dem Eindruck seiner Demonstration der Stärke, die aber auch in seinem Heimatland nicht ohne den allgegenwärtigen Zusatz kommentiert wurde. "Froome verbläst das Peloton. Und sofort sind da wieder diese Fragen", schrieb etwa der Daily Telegraph. Die angesehene The Times registrierte: "Froome fliegt die Berge hoch, aber die Zweifel kleben an seinem Hinterrad."

In seiner Biographie schrieb Froome auch das: "Ich bin kein Lehrling von Lance Armstrong oder jener Rad-Epoche. Er interessiert mich nicht. Ihr denkt, ich bin schuldig. Könnt ihr es beweisen?
Nein. Ich weiss, dass ich sauber bin. Kann ich es beweisen? Nein."

(sid)
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