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Tour de France
Froome rennt zu Fuß den Berg hinauf Richtung Ziel

Bilder: Froome sprintet nach Sturz zu Fuß Richtung Ziel
Bilder: Froome sprintet nach Sturz zu Fuß Richtung Ziel FOTO: afp
Mont Ventoux . Tour-Drama am Mont Ventoux: Ein wohl einmaliger Skandal hat Chris Froome am legendären Anstieg beinahe das Gelbe Trikot gekostet. Der britische Gesamtführende wurde auf dem Weg ins Ziel von einem in den Zuschauern hängengebliebenen TV-Motorrad zu Fall gebracht, nachdem er seine größten Kontrahenten um den Kolumbianer Nairo Quintana schon abgehängt hatte.

Froome, dessen Rad nicht mehr fahrtüchtig war, rannte zu Fuß den Berg hinauf Richtung Ziel, ehe er nach quälend langer Zeit ein Ersatzrad bekam. Der Brite verlor mehr als eine Minute auf Quintana und Co.."Ich habe zu mir selbst gesagt: 'Ich habe kein Rad'. Und ich wusste, das Auto mit meinem Rad ist fünf Minuten zurück auf der Straße, also muss ich laufen", sagte Froome. 

Eine gute Stunde musste Froome um sein Gelbes Trikot zittern, dann kam die erlösende Nachricht von der Rennleitung. Trotz seines Sturzes und dem fast zweiminütigen Zeitverlust darf der Vorjahressieger die Führung bei der 103. Tour de France in der Gesamtwertung behalten. Die Jury wertete nachträglich die Abstände zum Zeitpunkt des Zwischenfalls wenige hundert Meter vor dem Ziel der zwölften Etappe auf dem Mont Ventoux, als Vorjahressieger Froome und weitere Fahrer durch ein Begleitmotorrad zu Fall gekommen waren. 

Drama mit Happy End

Legenden des "Kahlen Riesen" Mont Ventoux

Für Froome war es das Happy End nach einer völlig verrückten Etappe, an deren Ende er der Verzweiflung nahe war. "Ich bin sehr erleichtert. Die Entscheidung der Kommissare ist korrekt. Ich danke der Organisation der Tour de France", sagte Froome, nachdem die Jury die einzig richtige Entscheidung getroffen und das Etappenergebnis zugunsten des Briten noch einmal gekippt hatte.

Der 31 Jahre alte Sky-Kapitän durfte damit nach bangen 30 Minuten tief durchatmen, ist seinem dritten Tour-Sieg erneut ein Stück näher gekommen. Der Schrecken nach den üblen Szenen am mythischen Gipfel in der Provence war dem erfahrenen Froome aber noch deutlich anzumerken.

Die Etappe gewann der belgische Radprofi Thomas De Gendt vom Team Lotto-Soudal aus einer Ausreißergruppe heraus nach 178 km vor seinem Landsmann Serge Pauwels (Dimension Data). Aufgrund heftiger Winde auf dem Mont Ventoux war der finale Anstieg um sechs Kilometer verkürzt worden.

Rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel war vor der kleinen Gruppe um Froome ein Motorrad abrupt zum Stehen gekommen, der Australier Richie Porte, der Niederländer Bauke Mollema und schließlich auch Froome rauschten ins Stauende herein - den Briten erwischte es am schlimmsten. In seinen Radschuhen sprintete Froome bergauf, während seine Rivalen nicht halt machten und vorbeizogen.

"So will ich das Trikot nicht gewinnen"

In der zunächst gültigen Gesamtwertung führte Yates mit neun Sekunden vor Mollema, Quintana (+0:14) ist Dritter. Froome (+0:53) liegt auf Platz sechs.

"So will ich das Trikot nicht gewinnen. Ich will es mit den Beinen holen", sagte Yates. Nach kurzer Beratung kippte die Jury das Resultat, wertere die Abstände zum Zeitpunkt des Sturzes, als Froome rund 20 Sekunden vor Yates und Quintana lag. Damit liegt der Brite in der Gesamtwertung nun 47 Sekunden vor Yates, Quintana (+1:01) ist Vierter.

Nach der Jury-Entscheidung herrschte im Sky-Lager schnell ausgelassene Stimmung, Kapitän Froome durfte sich liebevolle Frotzeleien seiner Teamkollegen anhören. "Chris ist Kenianer. Da erwartet man, dass er zu Fuß losrennt, wenn er kein Fahrrad hat", witzelte Sky-Fahrer Geraint Thomas.

Froome sah wie der große Gewinner aus

Auf dem Schlussanstieg hatte zunächst Quintanas Adjutant Alejandro Valverde attackiert und sich leicht abgesetzt, wenige hundert Meter später versuchte es der Kolumbianer selbst. Doch Froomes Sky-Helfer fuhr die Lücke schnell wieder zu, der Mann in Gelb musste nicht einmal selbst nachsetzen. Drei Kilometer vor dem Ziel attackierte Froome und sah wie der große Gewinner aus, danach nahm das Drama seinen Lauf.

Der "kahle Riese der Provence" war derweil am Donnerstag nur ein Rieschen: Nachdem Windgeschwindigkeiten von 100 km/h vorausgesagt worden waren, die auf dem exponierten Gipfel in 1912 m Höhe für ein unkalkulierbares Risiko gesorgt hätten, hatten die Organisatoren das Ziel ans sechs Kilometer entfernt und 500 m tiefer gelegene Chalet Reynard knapp unterhalb der Baumgrenze verlegt.

Das quälend lange Finale durch die Mondlandschaft am Denkmal für den hier 1967 während der Ventoux-Etappe verstorbenen Briten Tom Simpson fehlte somit - zum Leidwesen von Kletterkünstler Quintana. "Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Etappe bis ganz nach oben geführt hätte, denn dieser Anstieg liegt mir wirklich", sagte der kolumbianische Bergfloh, "aber es bleiben noch viele Tage und viele Berge."

Greipel versuchte sich als "Berg-Gorilla"

Aus deutscher Sicht war lediglich der Auftritt von Sprint-Ass André Greipel bemerkenswert. Der "Gorilla", der zur teilweise 20 Minuten enteilten Ausreißergruppe gehört hatte, versuchte sich als "Berg-Gorilla" und attackierte am Fuße des Ventoux. Letztlich war das 34 Jahre alte Kraftpaket aus Rostock aber chancenlos und wurde schnell durchgereicht.

Tony Martin, der 2009 als Zweiter für das beste deutsche Tour-Ergebnis der Geschichte auf dem Ventoux gesorgt hatte, hielt sich zurück. Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister sparte Körner für den großen Kampf gegen die Uhr am Freitag über 37,5 km nach La Caverne du Pont-d'Arc, wo er sich Siegchancen ausrechnet.

(old/sid)
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