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Tour de France in Düsseldorf
Ullrich unerwünscht – Armstrong springt ihm bei

Das ist Jan Ullrich
Das ist Jan Ullrich FOTO: dpa, epa Tim de Waele
Düsseldorf. Zwei Ausgestoßene des Radsports bilden eine Allianz: Deutschlands einziger Tour-Sieger Jan Ullrich hat sich öffentlich über den Liebesentzug in seiner Heimat beklagt, der notorische Lance Armstrong sprang seinem einstigen Rivalen prompt bei.

Mit derben Worten kritisierte der wohl größte Betrüger der Sportgeschichte vor allem den Tour-Veranstalter ASO, Ullrich angesichts der Starts der Frankreich-Rundfahrt in Düsseldorf links liegen zu lassen.

"Für Jalabert, Virenque, Hinault und viele andere wird der rote Teppich ausgerollt und Jan nicht einladen? Pfft!", polterte der siebenmalige "Nichtmehr-Toursieger" via Twitter und schloss texanisch-derb: "Fuck ASO!"

Jahrhundert-Doper Armstrong selbst ist im Radsport eine Persona non grata. Als er 2015 im Dunstkreis der Tour de France im Rahmen einer Charity-Aktion einige Bergpässe abfuhr, war die Empörung riesig - das Medieninteresse allerdings ebenso. In Sachen Außenwirkung ist Armstrong noch ein ganz anderes Kaliber als Ullrich.

Dennoch fühlt sich der einstige deutsche Tour-Held zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Die Deutschen schauen am liebsten zurück. Ich bin seit mehr als zehn Jahren raus, und immer noch wird bei mir über Doping geredet", sagte Ullrich in einem "Bild"-Interview, in dem er auch Verbandspräsident Rudolf Scharping attackierte.

Er habe Fehler gemacht, er habe seine Strafe bekommen, dafür gebüßt, sagte Ullrich: "Jeder hat doch auch eine zweite Chance verdient." Der 43-Jährige war 2006 kurz vor dem Start der Tour de France wegen seiner Verwicklung in die weitreichende Fuentes-Affäre suspendiert worden, im Februar 2007 beendete er dann seine Karriere.

Ullrich stichelt gegen Scharping

Zum Start der 104. Tour de France in Düsseldorf am Samstag wird Ullrich, der inzwischen auf Mallorca lebt, nicht erscheinen. Stattdessen tritt er am Rande der zweiten Etappe in Korschenbroich auf. Der Veranstalter ASO hatte Ullrich nicht zum Grand Départ eingeladen, auch die Stadt Düsseldorf verzichtete.

Kritisiert wird an Ullrich vor allem die von ihm selbst bis heute nur unzureichend aufgearbeitete Vergangenheit. An dieser Einstellung wird sich offenbar auch nichts ändern: "Ich rede nicht mehr über Doping. Ich schaue nach vorne." Die Führungsrolle im Bund Deutscher Radfahrer (BDR), gegen dessen Spitze Ullrich stichelt, strebe er dabei nicht an: "Ich habe keine Ahnung, wie man das Amt gut ausübt. Scharping übrigens auch nicht."

Als Beispiel für die vermeintlich unverhältnismäßige Kritik nannte Ullrich die Kontroverse um seinen Posten als Sportlicher Leiter bei "Rund um Köln", den er aufgrund der Debatte wieder aufgab. "Ich habe es sein lassen, obwohl sich die Leute so gefreut haben. Die Vergangenheit holt dich hier immer ein", sagte Ullrich, der deshalb auch nicht als TV-Experte einsteigen wird: "Der Profiradsport ist für mich gegessen. Ich kümmere mich lieber um die Jedermann-Fahrer. Das macht mir Spaß. Ich lebe gut damit."

Armstrong hatte nach jahrelangen Dementis 2013 in einem Interview mit Talk-Masterin Oprah Winfrey eingestanden, über Jahre mit Substanzen wie Epo und Wachstumshormonen gedopt zu haben. Der Weltverband UCI erkannte ihm wegen systematischen Dopings unter anderem seine sieben Siege bei der Tour de France zwischen 1999 und 2005 ab.

(sid)
 
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