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Tour de France
Froome wehrt alle Attacken ab - Armstrongs umstrittenes Comeback

Rodriguez siegt im Regen
Rodriguez siegt im Regen FOTO: dpa, yv ss
Plateau de Beille. Auch nach fast sechs Stunden Plackerei hatte Chris Froome noch nicht genug: Wenige Minuten nach der Zielankunft einer kräftezehrenden Pyrenäen-Etappe auf dem Plateau de Beille radelte der Tour-Dominator schon wieder auf der Rolle und fuhr sich akribisch aus. Sowohl die extremen Bedingungen bei strömendem Regen und Hagel als auch der umstrittene Auftritt des unerwünschten Lance Armstrong ließen den 30 Jahre alten Briten offenbar unbeeindruckt.

"Ich hatte heute ein starkes Team, besonders Geraint war unglaublich", sagte Froome. Trotz einer erneut formidablen Vorstellung beim Tagessieg des Spaniers Joaquim Rodriguez (Katjuscha) trat der Sky-Kapitän im Gelben Trikot vehement auf die Euphoriebremse: "Die große Schlacht kommt in den Alpen, die Angriffe werden weitergehen. Diese Tour ist noch nicht vorbei."

In der augenblicklichen Form, die ausgerechnet Erz-Betrüger Armstrong bei seiner von riesigem Rummel begleiteten Frankreich-Visite zum Anlass für vage Doping-Spekulationen nahm, ist Froomes zweiter Tour-Sieg nach 2013 aber kaum zu verhindern.

Der gebürtige Kenianer erstickte auf dem letzten und schwierigsten Pyrenäen-Teilstück über 195 km mit Hilfe seines ganz starken britischen Teamlollegen Geraint Thomas alle Angriffsversuche seiner Kontrahenten im Keim und erreichte das Ziel 6:46 Minuten hinter Ausreißer Rodriguez auf Platz zehn. Froome fuhr scheinbar mühelos jede Lücke zu, verzichtete bei Hundewetter aber weitgehend auf eigene Attacken.

In der Gesamtwertung führt Froome weiter mit 2:52 Minuten vor dem Amerikaner Tejay van Garderen (BMC), der Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) ist Dritter (3:09). Alberto Contador (Spanien/Tinkoff-Saxo) belegt den sechsten Platz (+4:04), Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Italien/Astana) rückte mit 7:47 Minuten Rückstand auf Platz neun vor.

Erfreulich aus deutscher Sicht: Andre Greipel (Rostock/Lotto-Soudal) gewann nach 20 km den Zwischensprint und verkürzte damit im Kampf um das Grüne Trikot den Rückstand auf Peter Sagan (Slowakei/Tinkoff-Saxo) auf zwei Punkte.

Der Mann in Gelb reagierte derweil auf Fragen nach Armstrong, der ihm am Mittwoch indirekt Doping unterstellt hatte, kühl und knapp: "Das sehe ich nicht als Rückkehr zur Tour für ihn. Er fährt nicht mit uns, daher ist es für mich nicht relevant", sagte Froome in Richtung des gefallenen Radstars.

Dieser hielt rund 100 km entfernt unter riesigem Medieninteresse Hof. Armstrong, bei der Tour an sich Persona non grata, radelte für den guten Zweck die Strecke der am Freitag anstehenden 13. Etappe - und stahl den aktiven Profis damit ein Stück weit die Show.

Ausgerechnet Armstrong: Der Texaner hatte 2002 und 2004 in seiner berühmt-berüchtigten Art auf dem Plateau de Beille gewonnen, die Siege aber wie auch seine sieben Tour-Triumphe wegen seiner unvergleichlichen Doping-Historie verloren. Nun nutzte der 43-Jährige seine Rückkehr nach Frankreich ("Schön, wieder hier zu sein!"), um vage Verdächtigungen gegen Froome und sein Team in den Raum zu stellen.

"Natürlich sind Froome/Porte/Sky sehr stark. Zu stark, um sauber zu sein? Fragt mich nicht", hatte Armstrong getwittert, nur um sofort hinterherzuschieben, er habe weder die Ahnung noch die Glaubwürdigkeit, um dies zu beurteilen. Dennoch: Das Thema ist in der Welt - und Froome kann ihm nicht davonfahren.

Vielleicht auch deshalb setzte Froome am Plateau de Beille auf Kontrolle anstatt auf eine "außerirdische" Alleinfahrt. An seiner Vormachtstellung änderte dies nichts. Zunächste versuchte Contador, Froome abzuhängen, scheiterte dabei aber ebenso wie der gegenüber den vergangenen Tagen verbesserte Nibali und Quintana. Angst um Gelb musste der Patron nie haben.

(sid)
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