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Tour de France
Martin muss aufgeben: "Schlüsselbein ist richtig zertrümmert"

Fotos: Tony Martin quält sich mit Schmerzen ins Ziel
Fotos: Tony Martin quält sich mit Schmerzen ins Ziel FOTO: dpa, sn mr
Le Havre. Tour-Aus in Gelb: Mit großen Schmerzen und gebrochenem Schlüsselbein lächelte Tony Martin im Maillot Jaune gequält vom Siegerpodest, kurz darauf war die Tour de France für den tragischen Helden aber beendet. Nach seinem schweren Sturz im Finale der sechsten Etappe ist die Frankreich-Rundfahrt für Martin nach zwei Tagen im Radsport-Himmel erneut zu einer bitteren Tour der Leiden geworden.

Noch am Freitagabend flog er in einem eigens für ihn organisierten Flugzeug nach Hamburg, um in der Nacht im BG-Unfallkrankenhaus operiert zu werden. "Es ist ein offener Bruch, der es notwendig macht, sehr schnell operiert zu werden, damit sich keine Infektion einstellt", sagte Martin am Donnerstagabend im Teamhotel: "Ich brauche noch ein bisschen Zeit, um das alles zu verarbeiten. Aktuell bin ich einfach nur traurig."

Bei der Operation handelt es sich um einen längeren Routine-Eingriff. "Das Schlüsselbein ist richtig zertrümmert. Es wird ein Puzzle bei der OP", sagte Teamarzt Helge Riepenhof. Martin dürfte jedoch bereits nach rund einer Woche wieder auf der Rolle trainieren können, mit einer Rückkehr ins Renngeschehen ist in rund sechs Wochen zu rechnen.

Nach der Siegerehrung war Martin zur finalen Diagnose in ein Krankenhaus im Zielort Le Havre gebracht worden. Dass sein Quick-Step-Teamkollege Zdenek Stybar mit einem fulminanten Antritt Etappensieger geworden war, konnte die Stimmung in der belgischen Mannschaft auch nicht retten. "Ich bete, dass wir morgen mit ihm wieder das Gelbe Trikot verteidigen können", sagte Stybar - kurz darauf hatten sich die Hoffnungen zerschlagen.

Porträt: Tony Martin – Zeitfahr-Spezialist und Träger des Gelben Trikots FOTO: dpa

2003 hatte sich Tyler Hamilton, damaliger CSC-Fahrer, auf der ersten Etappe der Tour am Schlüsselbein verletzt, die Frankreich-Rundfahrt auf Platz vier des Gesamtklassements beendet und dabei die 16. Etappe gewonnen. Anders als bei Martin war es beim Amerikaner allerdings "nur" ein schmerzhafter Haarriss, zudem hatte der wiederholt als Dopingsünder überführte Hamilton wohl weiterreichende Behandlungsmethoden.

In Le Havre war Martin am Donnerstag 800 Meter vor dem Ziel weit vorne im Feld fahrend ins Straucheln gekommen - ein ebenso schlichter wie verhängnisvoller Fahrfehler. Der dreimalige Zeitfahrweltmeister knallte mit der linken Körperhälfte auf den Asphalt, blieb dort minutenlang sitzen, ehe er langsam ins Ziel rollte.

"Ich hatte wohl einfach Pech. Ich denke, dass ich das Hinterrad meines Vorderrads berührt habe. Und wenn man fällt, fällt man eben sehr hart", sagte Martin. Erinnerungen an die Tour 2012 wurden wach. Damals hatte sich Martin bei einem Sturz am zweiten Tag das Kahnbein der linken Hand gebrochen - danach quälte er sich aber noch mehr als eine Woche durch das Rennen, ehe er ausstieg.

Das am Dienstag erkämpfte Gelbe Trikot durfte Martin in Le Havre behalten. Da er innerhalb der letzten drei Kilometer stürzte, wurde er gemeinsam mit der ersten großen Gruppe hinter Stybar und zwei Sekunden Rückstand gewertet. Besonders bitter für Martin: Das Gelbe Trikot hätte er wohl noch bis Dienstag in die Pyrenäen tragen können.

Fotos: Teklehaimanot fährt als erster Afrikaner im Berg-Trikot FOTO: dpa, kl mr

Der mitfavorisierte John Degenkolb (Gera/Giant-Alpecin) kam in Le Havre auf Platz vier, der zweifache Etappensieger Andre Greipel hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun.

(sid)
 
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