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WM-Kampf in Johannesburg: Rahman entthront Lennox Lewis

zuletzt aktualisiert: 22.04.2001 - 13:50

Johannesburg (rpo). Der amerikanische Profisboxer Hasim Rahman hat am Sonntagmorgen in Johannesburg den britischen Weltmeister Lennox Lewis entthront. Außenseiter Rahman schlug den 36-jährigen Titelverteidiger sensationell nach 2:32 Minuten der fünften Runde k.o.

Die Box-Welt steht auf dem Kopf nach der faustdicken Sensation in Afrika. Mit einem einzigen Schlag beendete der Amerikaner Hasim Rahman am Sonntagmorgen in Johannesburg die Herrschaft des Briten Lennox Lewis im Schwergewicht und holte sich durch seinen bereits im Vorfeld angekündigten K.o.-Sieg nach 2:32 Minuten in der fünften Runde die Weltmeistergürtel der Verbände IBF und WBC. "Ich kann es gar nicht richtig glauben", wunderte sich der 35 Jahre alte Lewis nach der bitteren Niederlage, seiner ersten in sechseinhalb Jahren.

In der Schwergewichtsszene werden nun die Karten nach dieser größten Überraschung des letzten Jahrzehnts neu gemischt. Der 100- Millionen-Dollar-Kampf von Lewis gegen den Amerikaner Mike Tyson wird nun wohl platzen. Stattdessen sind die Kurse der beiden Hamburger Klitschko-Brüder stark gestiegen. Die letzte vergleichbare Sensation resultiert aus dem Jahr 1990, als Buster Douglas in Tokio seinen Landsmann Tyson k.o. geschlagen hatte.

WM-Debütant Rahman tanzte wie ein Irrwisch im Ring und jubelte freudetrunken: "Jetzt bin ich der Champion. Ich habe alles in diesen einen Schlag gelegt. Allah hat meine Gebete erhört. Nun wird es nichts mit dem Kampf Lewis gegen Tyson. Jetzt kämpfe ich gegen Mike. Auch Lewis bekommt sein Rematch, er ist noch immer ein großer Champion. Ich danke Allah!"

Völlig überraschend lief der WM-Kampf vor 5500 Zuschauer in der ausverkauften Carnival City Arena von Johannesburg fast auf die Minute genau so, wie es Rahman schon lange vor dem ersten Gong prophezeit hatte. "Ich denke, Lewis hat einen Fehler begangen; man braucht mindestens drei Wochen, um sich zu akklimatisieren. Er wird es nach fünf Runden definitiv merken", hatte der Herausforderer im Vorfeld immer wieder getönt. Seinen Worten ließ Rahman, der schon 27 Tage vor dem WM-Duell in Südafrika eingetroffen war, schlagkräftige Taten folgen. Für Lewis, der nach Filmaufnahmen mit Oscar- Preisträgerin Julia Roberts erst zwei Wochen vor dem Fight eingeflogen war, wurde die Luft in 1 700 m über Meereshöhe immer dünner.

"Nun können wir uns unseren nächsten Kampf aussuchen", freute sich Rahmans Trainer Stan Hoffman nach dem Coup. Sein Schützling forderte die Box-Welt heraus: "Ich kämpfe gegen Lewis, Tyson, die Klitschkos, wen auch immer. Ein zweiter Kampf gegen Lewis wird genauso ausgehen wie dieser." Immerhin hat Lewis in seinem Vertrag mit Rahman bei einer Niederlage einen Rückkampf festlegen lassen. Allerdings soll der Lewis-Bezwinger erst gegen einen anderen Gegner antreten dürfen. Und genau dies ist die große Chance der Ukrainer Witali und Wladimir Klitschko, die beide noch auf den ganz, ganz großen Kampf warten.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist Lewis sicher nicht auf der Rechnung von Tyson oder den Klitschkos, er hat ja seine Titel alle verloren. Erste Priorität ist jetzt das Rematch", sagte Lewis- Manager Frank Maloney. "Lewis wollte den Kampf zu stark dirigieren, das war sein Fehler. Er war zu arrogant. Lennox sah diesen Kampf wohl nur als Durchgangsstation für einen Tyson- oder Klitschko-Kampf", schrieb Ex-Boxer Axel Schulz dem unterlegenen Briten als Fachkommentator des Fernsehsender "Premiere World" ins Stammbuch.

Der Verlierer bemühte sich, die Bedeutung der Niederlage in seinem 15. WM-Kampf im Schwergewicht herunterzuspielen: "So ist eben das Schwergewichts-Boxen. Sein Schlag kam voll durch, ich nicht mehr rechtzeitig hoch - so einfach ist das. Es war eine starke Rechte, und ich stand in dem Moment mit dem Rücken zu den Seilen. Ich habe mich eigentlich gut gefühlt im Kampf. Aber ich habe nicht getroffen und er dagegen schon - fertig!"

Der schwer geschlagene Brite, der schon 1994 nach seiner überraschenden Niederlage gegen Oliver McCall in London zurückgekehrt war und die Revanche in Las Vegas gewonnen hatte, kündigte an: "Ich will das Rematch, und dann liegt Rahman auf dem Boden!"

Quelle: RPO Archiv

 
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