Karbacher still und leise in den Ruhestand: "Reiserei hat genervt"
zuletzt aktualisiert: 19.07.2000 - 13:06Stuttgart (sid). Sein Rücktritt war so unspektakulär wie der Verlauf seiner Tenniskarriere: Keine Tränen, nur ein kurzer Wink ins Publikum, dann war es vorbei, nach elf Jahren im Profizirkus. Still und leise hat sich Bernd Karbacher verabschiedet.
Und fast hatte es den Anschein, als ob sich der 32 Jahre alte Wahl-Österreicher nach seiner Erstrundenniederlage beim ATP-Turnier in Stuttgart am liebsten durch ein Hintertürchen davongestohlen hätte, um den wartenden Schulterklopfern zu entfliehen. "Es fällt mir nicht leicht, auf Wiedersehen zu sagen, aber es wird Zeit", meint Karbacher, dem nicht nur in der Becker/Stich-Ära die Rolle des "Schattenmanns" vorbehalten war.
"Ich habe Tennis nie als Arbeit verstanden. Durch diese Einstellung habe ich einige Plätze in der Weltrangliste verschenkt", gesteht der immer ein wenig verträumt wirkende Karbacher. Der große Durchbruch blieb ihm trotz Viertelfinal-Teilnahmen bei den French Open (1996) und US Open (1994), zwei Turniersiegen in Bastad (1994) und Köln (1992) sowie dem Sprung auf Weltranglisten-Platz 22 (17. April 1995) verwehrt.
"Wenn ich rückblickend etwas anders machen könnte, würde ich mehr Wert auf Dinge wie Krafttrainung oder Gymnastik legen", so der einstige Daviscup-Spieler (drei Einsätze), der vor drei Jahren wegen einer Herzmuskelentzündung mehrere Monate pausieren musste. Im vergangenen Jahr verschlimmerten sich zudem seine Knieschmerzen. Zur Achillesferse avancierte aber letztlich "die Fliegerei und Reiserei. Das hat mich nur noch genervt, denn auf Dauer zermürbt so etwas", so Karbacher.
Zuletzt war der Rechtshänder mit der "Prinz-Eisenherz-Frisur" in der Champions-Race-Wertung auf Position 246 abgerutscht. Nur drei Turnierteilnahmen (Australian Open, San Luis, Stuttgart) gab es für Karbacher in diesem Jahr: "Das war mein Vorteil. Ich habe jetzt schon einen gewissen Abstand und konnte mich auf alles einstellen."
Mit seiner offenen und sympathischen Art hat sich der eingefleischte Bayern-München-Fan auf der Tour viele Freunde gemacht. "Er ist ein lustiger Kerl, ein absoluter Kumpeltyp. Ich werde versuchen, mit ihm Kontakt zu halten", urteilt Rainer Schüttler über den Kollegen, der auf dem Court nach Meinung hartnäckiger Kritiker so viel Esprit versprühte wie eine Schildkröte im Tiefschlaf.
Was Karbacher in Zukunft machen wird, steht noch nicht fest. "Ich will auf keinen Fall als Trainer arbeiten, aber vermutlich in der Tennis-Branche bleiben". Die Entscheidung darüber fällt erst nach der Bundesliga-Saison, in der Karbacher für Rot-Weiß Hagen spielen wird - natürlich ganz still und leise.
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