Golden League-Meeting in Zürich: Riedel hatte "Pudding in den Beinen"
zuletzt aktualisiert: 17.08.2001 - 22:37Zürich (rpo). Lars Riedel hat seinen Weltmeister-Titel im Diskuswerfen offenbar zu heftig gefeiert. Beim Golden-League-Meeting in Zürich brachte er fünf Kilogramm weniger auf die Waage und landete nur auf dem fünften Platzbeim. Sieger wurde sein großer Widersacher, Litauens Olympiasieger Virgiljus Alekna (69,95). Riedel brachte nur 66,14 m zustande und meinte anschließend: "Mehr war heute nicht möglich. Ich hatte einfach Pudding in den Beinen."
In Zürich standen eher die Nebendarsteller von Edmonton im Mittelpunkt und leider auch ein neuer Dopingfall. Noch während 26 Weltmeister und 20 Olympiasieger um Prämien und Saisonbestleistungen stritten, wurde die Leichtathletik mit einem neuerlichen Dopingfall konfrontiert. Wie der algerische Verband in Zürich bestätigte, stand Ali Saidi-Sief bei seinem WM-Silber über 5.000 m unter dem Einfluss des anabol wirkenden Nandrolon. Eine entsprechende Probe bei der WM in Edmonton war positiv.
Sportliche Schlagzeilen konnte wieder die ehemalige Dopingsünderin Violeta Szekely schreiben. Auf der fünften von insgesamt sieben "goldenen" Stationen erhielt sie nach dem fünften Sieg in Folge als Erste bereits die Lizenz zur Leerung des 50 Kilogramm schweren Gold-Jackpots. Als eine der Verliererinnen in Kanada triumphierte die Rumänin über 1.500 m in 3:59,95 Minuten.
Zehn andere besitzen ebenfalls noch Chancen auf das Gold. Darunter befindet sich auch Marion Jones. Die Olympiasiegerin rückte nach ihrer historischen WM-Niederlage über 100 m in 10,94 Sekunden die Verhältnisse im Sprint wieder zurecht. Nur Vierte in 11,16 wurde die ukrainische Weltmeisterin Shanna Pintusewitsch.
Der Jubel kannte allerdings keine Grenzen mehr, als der Schweizer Weltmeister Andre Bucher über 800 m zum neuen Landesrekord von 1:42,55 Minuten stürmte. Olympiasieger Nils Schumann wurde zwar nur Achter, überzeugte aber mit der deutschen Jahresbestzeit von 1:44,32. Neue Saisonbestmarken gingen auch auf das Konto von Brahim Boulami (Marokko) beim großen 3. 000-m-Hindernis-Triumph in 7:58,50 Minuten über Kenias Abonnementssieger um Olympiasieger und Weltmeister Reuben Kosgei (8: 03,22), Kubas 400-m-Hürdenläufer Felix Sanchez (47,38) sowie von Weltmeisterin Maria Mutola (Mosambik) über 800 m (1:56,85).
Dagegen enttäuschten neben Riedel auch andere Vertreter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Keinen Gefallen tat sich bei dem insgesamt gut 7,3 Millionen Mark teuren Meeting Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler. Nach noch nicht ausgestandenen Problemen im Adduktorenbereich, die bei der WM in Edmonton das Aus vor der Qualifikation bedeutet hatten, quälte sich die deutsche Rekordhalterin im ersten Durchgang zu 6,20 m und unternahm danach keinen ernsthaften Versuch mehr.
"Ich wollte unbedingt dem Veranstalter einen Gefallen tun. Aber es ging einfach nicht", sagte die viermalige Weitsprung-Europameisterin. Nach ihrem Missgeschick mit drei ungültigen Kugelstoß-Versuchen im WM-Siebenkampf katapultierte sich die Französin Eunice Barber auf glänzende 6,97 m. Deutschlands Sechs-Meter-Springer Danny Ecker stürzte als Zehnter mit 5,60 m nach seinem WM-Debakel erneut ab, als Zweiter mit 5,80 m rettete der WM-Vierte Michael Stolle die Ehre der deutschen Stabhochsprung-Gilde.
Im Gegensatz zu Russlands Weltmeisterin Olga Jegorowa, die nach der EPO-Affäre unbeirrt in der Jahres-Weltbestzeit von 8:23,27 Minuten vor ihrer Intimfeindin Gabriela Szabo aus Rumänien (8:24, 19) zum 3.000-m-Triumph stürmte, standen zuvor weitere Weltmeister von Edmonton ebenfalls auf verlorenem Posten.
Unter den Augen des neunmaligen Weltmeisters Michael Johnson, der nicht zuletzt auf Grund seiner sieben Erfolge bei sieben Teilnahmen im Leichtathletik-Mekka zum Zürcher Ehrenmitglied ernannt wurde, gelang Gail Devers über 100 m Hürden in 12,53 Sekunden im US-Duell mit Anjanette Kirkland (12,64) die WM-Revanche, über 200 m wurde Griechenlands Olympiasieger Konstadinos Kederis (20,28) nur Dritter. In Abwesenheit von Weltmeister Maurice Greene siegte der WM-Zweite Tim Montgomery (USA) über 100 Meter in 9,90 Sekunden.
Leichtathletik, Golden League-Meeting in Zürich, vierte von insgesamt sieben Stationen im Kampf um den 50 Kg Gold schweren Jackpot, 24.000 Zuchauer, Etat etwa 7,3 Millionen Mark)
Männer
200 m (1,1 m Gegenwind): 1. Bernard Williams (USA) 20,19 Sekunden, 2. Christian Malcolm (Großbritannien) 20,24, 3. Konstadinos Kederis (Griechenland) 20,28, 4. Shawn Crawford (USA) 20,30, 5. Christopher Williams (Jamaika) 20,37, 6. Kevin Little (USA) 20,44, 7. Stephane Buckland (Mauritius) 20,63, 8. Frankie Fredericks (Namibia) 20,65
800 m: 1. Andre Bucher (Schweiz) 1:42,55 Minuten (Jahresweltbestzeit), 2. Jean-Patrick Nduwimana (Burundi) 1:42,81, 3. Wilfred Bungei (Kenia) 1:42,96, 4. William Yiampoy (Kenia) 1:43, 00, 5. Pawel Czapiewski (Polen) 1:43,22, 6. Juri Borzakowski (Russland) 1:43,30, 7. Mbulaeni Mulaudzi (Südafrika) 1:44,01, 8. Nils Schumann (Berlin) 1:44,32 (deutsche Jahresbestzeit), 9. Hezekiel Sepeng (Südafrika) 1:44,77 - B-Lauf: 1. Arthemon Hatungimana (Burundi) 1:44,67 Minuten
1500 m: 1. Hicham El Guerrouj (Marokko) 3:29,06 Minuten, 2. Bernard Lagat (Kenia) 3:30,61, 3. Enock Koech (Kenia) 3:31,28, 4. Laban Rotich (Kenia) 3;31,38, 5. William Chirchir (Kenia) 3:31,57, 6. Benjamin Kipkurui (Kenia) 3:32,98 - B-Lauf: 1. Kevin Sullivan (Kanada) 3:33,93 Minuten
110 m Hürden (1,0 m Gegenwind): 1. Allen Johnson (USA) 13,18 Sekunden, 2. Terrance Trammell (USA) 13,23, 3. Anier Garcia (Kuba) 13,24, 4. Dudley Dorival (Haiti) 13,39, 5. Colin Jackson (Großbritannien) 13,46, 6. Mark Crear (USA) 13,46 - B-Lauf (0,7 m Rückenwind): 1. Dawane Wallace (USA) 13,22 Sekunden -
400 m Hürden, B-Lauf: 1. Boris Gorban (Russland) 48,58 Sekunden
3000 m Hindernis: 1. Brahim Boulami (Marokko) 7:58,50 Minuten (Jahresweltbestzeit), 2. Reuben Kosgei 8:03,22, 3. Kipkirui Misoi 8:04,47, 4. Bernard Barmasai 8:05,00, 5. Raymond Yator 8:09,94, 6. John Kosgei (alle Kenia) 8:12,11, ... 9. Ralf Aßmus (Großengottern) 8:19,32 (deutsche Jahresbestzeit)
Diskuswerfen: 1. Virgilijus Alekna (Litauen) 69,95 m, 2. Wassili Kaptjuch (Weißrussland) 67,48, 3. Frantz Krüger (Südafrika) 66,94, 4. Dmitri Schewtschenko (Russland) 66,51, 5. Lars Riedel (Chemnitz) 66,14, 6. Adam Setliff (USA) 65,16
Frauen
100 m (1,0 m Gegenwind): 1. Marion Jones (USA) 10,94 Sekunden, 2. Chandra Sturrup (Bahamas) 10,99, 3. Ekaterini Thanou (Griechenland) 11,08, 4. Schanna Pintusewitsch (Ukraine) 11,16, 5. Chryste Gaines (USA) 11,18, 6. Mercy Nku (Nigeria) 11,20
800 m: 1. Maria Mutola (Mosambik) 1:56,85 Minuten (Jahresweltbestzeit), 2. Kelly Holmes (Großbritannien) 1:57,88, 3. Stephanie Graf (Österreich) 1:57,98, 4. Faith Macharia (Kenia) 1:59, 09, 5. Ivonne Teichmann (Magdeburg) 1:59,14 (deutsche Jahresbestzeit)
1.500 m: 1. Violeta Szekely (Rumänien) 3:59,94 Minuten, 2. Natalja Gorelowa (Russland) 4:00,53, 3. Carla Sacramento (Portugal) 4:00,94, 4. Kathleen Friedrich (Chemnitz) 4:05,10 (deutsche Jahresbestzeit), 5. Lidia Chojecka (Polen) 4:05,16
100 m Hürden (1,2 m Gegenwind): 1. Gail Devers (USA) 12,53 Sekunden, 2. Anjanette Kirkland (USA) 12,64, 3. Jenny Adams (USA) 12,78, 4. Glorie Alozie (Spanien) 12,87, 5. Dionne Rose (Jamaika) 12,98, 6. Linda Ferga (Frankreich) 12,99
400 m Hürden: 1. Nezha Bidouane (Marokko) 53,98 Sekunden, 2. Tatjana Tereschtschuk (Ukraine) 54,38, 3. Tonja Buford-Bailey (USA) 54,45, 4. Debbie-Ann Parris (Jamaika) 54,55, 5. Julia Nosowa (Russland) 54,64, 6. Ionela Tirlea (Rumänien) 55,07
Weitsprung: 1. Eunice Barber (Frankreich) 6,97 m, 2. Fiona May (Italien) 6,77 m, 3. Tatjana Kotowa (Russland) 6,71 m, 4. Niurka Montalvo (Spanien) 6,63 m, 5. Tunde Vaszi (Ungarn) 6,59 m, 6. Maurren Higa Maggi (Brasilien) 6,56 m, 7. Valentina Gotovska (Lettland) 6,34 m, 8. Heike Drechsler (Karlsruhe) 6,20 m
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