Gewichtheben: Ronny Weller muss passen
zuletzt aktualisiert: 25.08.2004 - 20:49Athen (rpo). Er wollte seinen olympischen Traum verwirklichen und mit einer fünften Medaille seine Karriere ausklingen lassen. Dann kam das unverhoffte Aus: Die rechte Schulter von Superschwergewichtler Ronny Weller spielte nicht mehr mit.
Ein kurzes Knacken - und der große Traum des Ronny Weller war ausgeträumt. Statt als erster Gewichtheber der Welt mit der fünften Medaille um den Hals von der Heberbühne abzutreten, verließ der überragende Superschwergewichtler der 90er Jahre die Olympia-Halle in Athen nach verletzungsbedingter Aufgabe durch den Hinterausgang.
Gewichtheber Ronny Weller erlitt bei dem missglückten Versuch über 200 kg im Reißen vermutlich einen Sehnenanriss in der rechten Schulter. "Wir werden das am Donnerstag genauer untersuchen. Hoffentlich ist es kein Abriss", sagte Teamarzt Bernd Dörr.
Gold in der Königsklasse der Hantelstemmer sicherte sich wie bereits in Sydney Hossein Rezazadeh aus dem Iran mit 472,5 Kilo im Zweikampf. Im Stoßen verbesserte er seinen eigenen Weltrekord um 0, 5 auf 263,5 kg. Rezazadeh trat mit der arabischen Aufschrift "Yaabo al fazl abbas" auf dem Trikot an und erinnerte damit an einen Propheten seines Glaubens.
"Irgendwas hat in der Schulter geknirscht. Ich bin eben 35 und zu alt für diese Scheiße" sagte der völlig frustrierte Weller, ehe er die Halle verließ. "Vielleicht war das das Ende. Ich weiß es noch nicht. Ich gehe jetzt." Durch Wellers Malheur blieben die deutschen Hantelstemmer zum ersten Mal seit 36 Jahren bei Olympischen Spielen ohne Medaille und gehen schweren Zeiten entgegen.
Weller: "Bin 35 und zu alt für diese Scheiße"
"Wir wollten Geschichte schreiben. Die Chancen standen 50:50", meinte Bundestrainer Frank Mantek: "Ich ziehe den Hut vor Ronny. Für mich ist er der größte Heber, den Deutschland je hatte." Ehefrau Manuela, die mit der neun Monate alten Tochter Joualina Marie am Mittag in Athen eingeflogen war, konnte das Missgeschick ihres Mannes auch kaum fassen. "Damit hatten wir nie gerechnet. Ganz bitter für uns, aber für mich bleibt Ronny der Stärkste."
Im Reißen begann Weller wie von Vater Günther (kam aus dem Urlaubsquartier Samos in die Halle) geplant bei 195 Kilo. Nach dem gelungenen Versuch passierte bei 200 kg dass Missgeschick. Weller überriss die Hantel leicht, konnte die Vier-Zentner-Last nicht exakt über dem Kopf fixieren, kämpfte, wackelte, aber musste das Gewicht schließlich nach hinten abwerfen. Dabei verletzte er sich an der rechten Schulter. Manuela Weller schlug die Hände vor das Gesicht, aber wenigstens dem Töchterchen war der traurige Moment noch ziemlich egal. Sie nuckelte genüsslich an der Milchflasche.
China erfolgreichste Nation
Mit dem Gewinn von fünf Goldmedaillen war China erfolgreichste Gewichtheber-Nation. Ausverkauft war die Halle überraschend nur beim Auftritt von Pyrros Dimas. Griechenlands Volksheld scheiterte aber ebenso wie Landsmann Akakios Kakiasvilis beim Versuch, als erster Gewichtheber mit vier Olympiasiegen in die Geschichte einzugehen. Der gebürtige Albaner Dimas wurde letztlich mit Bronze frenetisch gefeiert. Es war die einzige Medaille für Griechenlands Favoriten, die ansonsten nur durch den Doping-Ausschluss von Ex-Weltmeister Leonidas Sabanis für Schlagzeilen sorgten.
Der Türke Halil Mutlu (bis 56 kg) gewann nach 1996 und 2000 zum dritten Mal in Folge Gold, was vor ihm nur seinem ebenfalls aus Bulgarien stammenden Landsmann Naim Suleymanoglu (1988 bis 1996) sowie Dimas und Kakiasvilis (jeweils 1992 bis 2000) gelang. 14 Weltrekorde wurden aufgestellt, 13 davon gingen aufs Konto der Frauen.
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