Tennis: Agassi souverän - Williams wieder Nummer 1: Rüpel- Tommy desolat: Abschied aus Paris
zuletzt aktualisiert: 02.06.2002 - 20:33Paris (rpo). Gegen den Rumänen Andrei Pavel verabschiedete sich im Achtelfinale der letzte Deutsche aus Paris mit einer schwachen Vorstellung und schlechtem Benehmen. Heißer Favorit auf den Titel: Mehr denn je Andre Agassi.
Schlechter könnte die Bilanz kaum ausfallen: Schlecht gespielt, schlecht benommen, klar verloren: Beim 1:6, 6:7 (9:11), 4:6 gegen den Rumänen Andrei Pavel wurde Haas wegen ungebührlichen Verhaltens auf dem Platz zweimal verwarnt und traf bei einem Schlägerwurf fast den französischen Referee Cedric Mourier. Der erste deutsche Herren-Triumph seit 65 Jahren (Henner Henkel/1937) blieb bei den 72. French Open wieder einmal ein frommer Wunsch.
Die weitaus größere Überraschungen waren freilich dem Sonntagabend vorbehalten. Der Argentinier Guillermo Canes warf als Nummer 15 der Setzliste den topgestzten Australier Lleyton Hewitt nach einem erbitterten Kampf über 4:13 Stunden mit 6:7 (1:7), 7:6 (7:6 (15:13), 6:4, 6:3 aus dem Rennen. Kurz darauf verabschiedete sich der dreimalige Paris-Gewinner und Titelverteidiger Gustavo Kuerten aus Brasilien als Nummer sieben gegen den 13 Plätze tiefer eingestuften Spanier Albert Costa mit 4:6, 5:7, 4:6.
"Ich ärgere mich maßlos. Natürlich wäre ich gern weiter gekommen", erklärte der in den 159 Minuten auf dem Court Central nicht nur spielerisch enttäuschende Haas. Aus Frust über seine schwache Leistung im ersten French-Open-Achtelfinale seiner Karriere brannten dem in Florida lebenden Deutschen die Sicherungen durch. Nachdem er den Schiedsrichter mit seinem wild durch die Gegend fliegenden Racket im ersten Satz zum Abtauchen gezwungen hatte, gab es für die nach drei vergebenen Satzbällen im zweiten Durchgang wütend in den blauen Himmel geschossene Filzkugel sogar einen Punktabzug.
"Das war eine enge Sache mit dem Referee. Der Schläger ist einfach blöd abgesprungen - mal sehen, was mich das an Strafgeld kostet", meinte Haas, der wohl einen Teil seiner 55.000 Euro Preisgeld abgeben muss.
Im Tiebreak vergab der an Nummer drei gesetzte Haas die wohl einzige Chance zur Wende in seinem schlechtesten Spiel in Paris, als ein Satzball nur um Haaresbreite an der Linie vorbeisegelte. Ein wenig Pech und insgesamt 92 Fehler kosteten Haas den ersten deutschen Viertelfinaleinzug seit sechs Jahren (1996 Finalist Michael Stich und Bernd Karbacher). Das Elend begann mit dem im Gegensatz zu den drei vorherigen Spielen völlig verschlafenen Start gegen einen Mann, den er vor gut einem Monat in München noch besiegt hatte. Pavel brillierte mit Stopps und direkten Punkten, sein völlig indisponierter Gegner war über seine zahllosen Fehler selbst entsetzt.
Beim 0:3 wechselte Haas den Schläger, beim 0:4 blickte er hilflos zu Trainer Red Ayme, beim 0:5 startete er die unabsichtliche Attacke gegen den Referee. Immerhin gewann der 24-Jährige daraufhin sein erstes Spiel gegen den brillant auftrumpfenden Rumänen, hatte aber nach 26 Minuten den ersten Satz verloren. Im zweiten Durchgang lag Haas schnell mit 1:3 hinten, kämpfte sich aber mit einem Rebreak wieder ins Match zurück. Haas variierte jetzt häufiger mit Stopps und Lobs gegen den oft ans Netz vorrückenden Rumänen, und die über 10.000 Fans riefen immer wieder "Allez, Tommy".
Umsonst. Haas verlor den Tiebreak, ging nach dem Punktabzug mit 0:15 in den dritten Satz und kassierte gleich das entscheidende Break. Nach der dritten Pleite im sechsten Duell gegen Pavel verließ er mit gesenktem Kopf den Ort der Niederlage. 14 Deutsche gestartet - im Achtelfinale alle raus. "Tommy hat sich tapfer geschlagen, aber wir sind zur Zeit keine Weltspitze. Es müssen neue Konzepte her", kommentierte Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Er will den Posten des Sportdirektors neu einführen und denkt über eine zentrale Talentschmiede wie in Frankreich nach - beides scheint kaum finanzierbar.
Während Haas den Heimweg antrat, trifft der in Borgholzhausen mit seiner deutschen Ehefrau lebende Pavel im Viertelfinale auf den spanischen Ex-Weltmeister Alex Corretja. Der letzjährige Finalist gewann 6:3, 6:2, 7:5 gegen Mariano Zabaleta (Argentinien). In die Rolle des Topfavoriten bei den Herren spielte sich allerdings Andre Agassi (USA). Steffi Graf freute sich in der Spielerloge über ein 6: 2, 6:4, 6:2 ihres 32 Jahre alten Gatten im Drittrundenspiel gegen den zwölf Jahre jüngeren Spanier Tommy Robredo. "Ich spüre, dass noch viel Tennis in mir ist. Aber ich habe ja auch eine traumhafte Frau, die dafür sorgt, dass ich mich ganz auf den Sport konzentrieren kann", erklärte Agassi nach einer Demonstration auf dem Weg zum zweiten Sieg in Paris nach 1999.
Bei den Damen schaffte die Argentinierin Clarisa Fernandez die größte Überraschung. Nach der letztjährigen Finalistin Kim Clijsters (Belgien) schaltete sie auch die Olympiazweite Jelena Dementjewa (Russland) mit 3:6, 6:2, 6:3 aus. Höhepunkt der Viertelfinal-Spiele wird das US-Duell zwischen Venus Williams und Monica Seles. Die dreimalige Turniersiegerin Seles schlug die Slowakin Daniela Hantuchova mit 6:4, 7:5. Williams ließ Chanda Rubin (USA) beim 6:3, 6:2 keine Chance. Ebenfalls in der Runde der letzten Acht steht Mary Pierce (Frankreich), die Turniersiegerin des Jahres 2000, nach einem 6:1, 6:2 gegen Silvia Farina (Italien).
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