Neues Sicherheitskonzept überzeugt nicht: Salt Lake City 2002: Deutsche NHL-Profis verängstigt
zuletzt aktualisiert: 23.09.2001 - 11:42Edmonton (rpo). Auch die überarbeiteten Sicherheitspläne des Organisationskomitees in Salt Lake City überzeugen die deutschen NHL-Profis nicht. Die in Nordamerika tätigen Spieler würden eine Teilnahme an den Winterspielen derzeit aus Angst vor Terrorismus mehrheitlich ablehnen.
Vier von sechs in der National Hockey League (NHL) aktiven Spielern würden derzeit auf das in 137 Tagen beginnende Turnier verzichten. "Eishockey ist unser Leben, doch unser Leben ist mehr als nur Eishockey", brachte der bei den Edmonton Oilers um einen Stammplatz kämpfende Jan Benda in einer dpa-Umfrage die Meinung seiner meisten deutschen Kollegen auf den Punkt. Olympia biete eine ideale Zielscheibe für Terrorakte, betonte der sich in der Vorbereitung auf die am 3. Oktober beginnende Saison befindende Stürmer: "Ich würde jetzt auf keinen Fall dort spielen."
"Wenn sich die aktuelle Situation nicht stark verbessert, würde ich meine Zusage auch in vier Monaten nicht geben", erklärte nicht nur Bendas Club-Kollege Jochen Hecht. Auch Marco Sturm von den San Jose Sharks und Olaf Kölzig (Washington Capitals) sind deer selben Meinung. Für den nach zweijähriger Verletzungspause bei den Detroit Red Wings vor einem Comeback stehenden Uwe Krupp ist Olympia gegenwärtig noch kein Thema. Der Rheinländer wäre vorerst froh, wenn er im Vereins-Team wieder seinen gewohnten Part in der Verteidigung spielen könnte.
Einzig Sascha Goc von den New Jersey Devils ließe sich von einem Olympia-Trip nicht abhalten. "Ich glaube, dass die dort alles im Griff haben werden und man sich keine großen Sorgen machen muss", so der Abwehrspieler. Sturm hätte indes nichts dagegen, wenn das für den 8. bis 24. Februar terminierte Wintersportfest abgesagt würde. "Die Sicherheit hat nun mal Priorität. Ich habe große Bedenken", sagte der Ex-Landshuter. Allerdings ist er sich mit den anderen darin einig, "dass keine Panik entfacht werden darf. Man muss Ruhe bewahren und die nächsten Wochen erst einmal abwarten".
"Der 11. September geht einem einfach nicht aus dem Sinn und erst recht nicht die grausame Vorstellung, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann", erklärte Torhüter Kölzig. Das MCI Center, die Heimspielstätte seiner Capitals, liegt nur wenige Kilometer vom teilweise zerstörten Pentagon. "In unserer Arena konnten wir uns vermutlich noch nie so sicher fühlen wie jetzt, doch Olympia ist eine ganz andere Dimension", bemerkte die deutsche Nummer 1. Dass die Spiele in der NHL einem besonderen Sicherheits-Risiko ausgesetzt sind, glaubt Goc nicht: "Football, Basketball oder Baseball dürfte mehr gefährdet sein, weil dort mehr Zuschauer hingehen."
Das weltgrößte Wintersportfest zeitlich zu verlegen oder in ein anderes Land zu vergeben, hielte Hecht für keine gute Lösung. "Wenn die Bekloppten Aufsehen erregen wollen, tun sie das zu jeder Zeit und überall auf der Welt. Die 100-prozentige Sicherheit gibt es nirgendwo." Die Terroranschläge in New York und Washington haben bei den Puckjägern derartige Angstvisionen ausgelöst, dass noch immer keiner ein normales Linienflugzeug besteigen würde. "Nur gut", stellte Hecht fest, "dass inzwischen alle Vereine eigene Chartermaschinen haben. Das nimmt einem doch die Angst."
Die Eisschnellläufer aus Japan hingegen können ihre Flugangst nicht überwinden. Wie zuvor schon die deutschen Spezialisten sagten sie ein in der nächsten Woche beginnendes Trainingslager in Salt Lake City ab. Auch die amerikanische Olympia-Kandidaten verzichten derzeit auf Flugreisen und trainieren lieber in ihren Heimat-Vereinen.
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