Amerikaner bezwang Gustavo Kuerten: Sampras gewinnt Finale in Miami
zuletzt aktualisiert: 03.04.2000 - 12:47Miami (dpa). Pete Sampras ballte die Fäuste und wanderte strahlend über den Center Court. Gustavo Kuerten schleuderte seinen Schläger wütend zu Boden und vergrub sein Gesicht in einem Handtuch. Die Reaktionen sprachen Bände. Über drei Stunden und 17 Minuten hatten sich die beiden Tennisprofis am Sonntag (Ortszeit) in Miami beim zweiten Masters-Endspiel ein hochspannendes Match geliefert, das an zwei Boxer erinnerte, die abwechselnd zu Boden gehen, aber immer wieder aufstehen, bis einem der finale Schlag gelingt. Den längeren Atem besaß Sampras, der sich nach sechs vergebenen Matchbällen als 6:1, 6:7 (2:7), 7:6 (7:5), 7:6 (10:8)-Gewinner feiern lassen konnte.
"Ich habe mehr gezeigt, als ich zurzeit in der Lage bin. Das war ein harter Kampf. Ich bin total glücklich, aber auch total kaputt", sagte der an Nummer zwei gesetzte Amerikaner nach dem Gewinn seines 62. Karriere-Titels. Damit schloss er in der ewigen Bestenliste zum Schweden Björn Borg und Argentinier Guillermo Vilas auf. Öfter trugen sich nur die Amerikaner Jimmy Connors (109), Ivan Lendl (94) und John McEnroe (77) in die Siegerlisten ein. "Die stärkeren Nerven haben entschieden", behauptete Sampras, der zuvor erst einmal auf die Nummer sechs aus Brasilien getroffen war. Im November bei der ATP- Weltmeisterschaft in Hannover setzte er sich klar mit 6:2, 6:3 durch.
Nach dem ersten Satz dachten nicht nur die 14 145 Zuschauer auf den ausverkauften Rängen, dass das zweite Duell einen ähnlich einseitigen Verlauf nehmen wird. Sandplatz-Spezialist "Guga" Kuerten, der noch nie ein Hartplatz-Turnier gewann, wurde von Sampras' "unglaublichen Aufschlägen" entzaubert. Doch Mitte des zweiten Satzes änderte sich das Geschehen grundlegend.
Der Sonnyboy mit dem weißen Stirnband im lockigen Haar, der vor zwei Wochen beim Masters in Indian Wells in der zweiten Runde an Thomas Haas gescheitert war, spielte "wie verwandelt. Das war das beste Hartplatz-Tennis, das ich von ihm je sah", schwärmte Trainer Larri Passos. Mit seinen gefährlichen Aufschlag (16:20 Asse), den gefühlvollen Passierbällen, Returns und Topspin-Lops beeindruckte der 23-Jährige Südamerikaner nicht nur Sampras, sondern auch die etwa 4 000 brasilianischen Fans.
Mit "Guga, Guga"-Rufen trieben sie den French-Open-Gewinner von 1997 zur unerwarteten Leistungssteigerung. "Go Pete go" konterten die Sampras-Anhänger und verwandelten das Stadion in einen Hexenkessel. "Die Atmosphäre war fantastisch - wie beim Grand Slam", stellten die Hauptakteure unisono fest. Völlig auszuflippen drohten die Massen, als Kuerten im letzten Tiebreak von 2:6 auf 6:6 herankam und beim Gleichstand ein Ball für Sampras gegeben wurde, der im Aus schien.
Kuerten, der im Halbfinale den Weltranglistenersten Andre Agassi besiegt hatte, fluchte: "In Brasilien wäre der Ball aus gewesen." Die Arena durchzog ein gellendes Pfeifkonzert. Der nach den Australian Open wegen Rückenproblemen lange pausierende Sampras verlor kurz die Nerven und machte statt des Matchballs einen Doppelfehler.
"Guga hat sich zu einem sehr guten Hartplatzspieler entwickelt", anerkannte Sampras, der 410 000 Dollar als Siegprämie und 100 Punkte für die Champions-Race-Wertung verbuchen konnte. Mit 218 Punkten rückte der 28-Jährige vom achten auf den dritten Platz vor. Kuerten musste sich mit 215 000 Dollar Preisgeld trösten und verbesserte sich mit 134 Punkten vom 26. auf den achten Rang. Die Führung übernahm Agassi mit 249 Zählern. Nicolas Kiefer (Holzminden/137) als bester deutscher Spieler fiel vom fünften auf den sechsten Platz zurück.
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