Wimbledon-Desaster für die Alt-Meister: Sampras: "So kann man nicht aufhören"
zuletzt aktualisiert: 27.06.2002 - 15:49London (rpo). Mit Andre Agassi und Pete Sampras hat Wimbledon gleich zu Beginn zwei der herausragendsten Teilnehmer verloren. Sampras will auf jeden Fall noch einmal wiederkommen. "Mit so einer Niederlage kann man nicht aufhören", meinte der Alt-Star.
Die gestrauchelten Champions gaben sich die Klinke in die Hand. Nur wenige Minuten, nachdem Pete Sampras total niedergeschlagen versucht hatte, das peinliche Geschehen gegen Lucky Loser George Bastl zu erklären, mühte sich sein kongenialer US-Kollege Andre Agassi das Ausscheiden gegen den nicht minder "kleinen" Paradorn Srichaphan aus Thailand zu beschreiben. Gelungen ist es beiden nicht. Auch die britischen Zeitungen rätselten am Donnerstag über das "Wimbledon-Desaster der großen Champions".
Sampras erwischte es auf dem gehassten "Friedhof der Champions". So wie Ilie Nastase (1973), John McEnroe (1979), Jimmi Connors (1983), Andre Agassi (1996) oder im Vorjahr Lleyton Hewitt. Auch sie mussten passen auf Court Nummer 2. Aber ein Trost war das für den siebenmaligen Wimbledonsieger beileibe nicht. "Ich war nicht glücklich darüber, dass ich auf diesem Platz spielen musste", sagte Sampras und blickte aus fahlen Augen auf die Wasserflasche in seiner Hand. Wie ein Häuflein Elend war der strahlende Sieger früherer Tage nach seiner Fünfsatzpleite gegen den 27 Jahre alten Nobody aus der Schweiz vom Court geschlichen. Nicht einmal Autogramme mochte er geben, was für den freundlichen Amerikaner untypisch ist.
Er konnte den "Samp-Crash" ("The Sun") einfach nicht fassen. Seine Frau Bridgette hatte ihm noch kurz vor dem ersten Aufschlag einen Liebesbrief zugesteckt, der mit den Worten "meinem lieben Mann, dem siebenmaligen Wimbledonsieger" begann. Sampras las die Zeilen in jeder Pause versteckt unter einem Handtuch. Inspirieren konnten sie ihn nicht.
Mit hängenden Schultern und tiefen Sorgenfalten auf der Stirn schlurfte der weltbeste Tennisspieler aller Zeiten in Schlappen durch die Katakomben von Wimbledon. Ziellos, aber in der Hoffnung, dass alles letztlich nicht so schlimm ist, dass sein Stern nicht am verglühen ist. Den letzten von 13 Grand-Slam-Titeln hat Sampras vor zwei Jahren bei den All England Championships gewonnen. Und er versprach wiederzukommen. "Mit so einer Niederlage kann man nicht aufhören", sagte er trotzig und bestritt Spekulationen um einen nahen Rücktritt.
"Natürlich werde ich wiederkommen", sagte auch Andre Agassi. Einen Liebesbrief hatte er zwar nicht dabei, doch Steffi Graf drückte ihrem Mann auf der Tribüne die Daumen - machtlos wie Bridgette. "Ich habe nie meinen Rhythmus gefunden. Ich habe ein durchschnittliches Spiel gemacht und gegen einen Spieler verloren, der mir das Geschehen aus der Hand genommen hat", sagte Agassi. "Am meisten bin ich verwundert, dass ich in drei Sätzen verloren habe. Das bin ich nicht gewöhnt."
Der an Nummer drei gesetzte Agassi galt als einer der Topfavoriten auf den Finalsieg am 7. Juli - zehn Jahre nach seinem bislang einzigen Erfolg auf dem Heiligen Rasen. Für die britischen Zeitungen ist nun endgültig die Zeit für Lokalmatador Tim Henman gekommen. "Wenn Du jetzt nicht gewinnen kannst, wann dann?" titelte die "Sun". Das denkwürdige Aus des Favoriten-Trios, das der an Zwei gesetzte Russe Marat Safin komplettierte, verglich der angesehene "Guardian" mit den legendären Doppeldecker-Bussen Londons: "Erst wartest du eine Ewigkeit auf sie und dann kommen gleich drei auf einmal."
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