Die verzweifelte Suche nach Fehlern: Sandra Völker: Statt Weltrekord nur Platz vier
zuletzt aktualisiert: 24.07.2001 - 16:05Fukuoka (rpo). Sandra Völker war bei der Schwimm-WM im japanischen Fukuoka zum Rennen über 50 Meter Rücken angetreten, um die Goldmedaille in Weltrekordzeit zu holen. Am Ende blieb ihr in 28,62 Sekunden nur der undankbare Platz vier.
Schon wenige Minuten nach dem erneuten Desaster für die Weltrekordlerin begann in Japan die verzweifelte Fehlersuche. Coach Dirk Lange nahm am Dienstag wie in Sydney wieder die Schuld auf sich: "Sie wollte nicht, aber ich habe sie überredet, das Halbfinale über 100 Meter Freistil vor dem Rücken-Finale zu schwimmen." Insgesamt fünf Rennen in 24 Stunden verkraftete die Weltrekordlerin nicht.
"Das ist ein ähnlicher Schock wie letztes Jahr in Sydney", offenbarte Lange: "Für uns war klar, dass sie Erste wird und Weltrekord schwimmen kann." Jetzt wird es schwer, die Hamburgerin für den eine Stunde vor dem 50-m-Rücken-Debakel souverän erreichten 100-m-Freistil-Endlauf am Mittwoch aufzurichten: "Sandra ist ein sehr emotionaler Mensch. Diese Niederlage ist schwer zu verkraften."
In Monte Carlo war sie vor wenigen Wochen bis auf fünf Hundertstelsekunden an ihre eigene Bestmarke (28,25) herangekommen. Dirk Lange: "Sie kann es doch, das hat sie oft genug bewiesen. Für uns gab es nur Gold und Weltrekord in Fukuoka. Die kurze Pause nach den 100 Freistil hat ihr aber das Genick gebrochen. Ich könnte mich ohrfeigen."
In Sydney war die 27 Jahre alte Hamburgerin im Halbfinale über 100 m Freistil und 100 m Rücken sang- und klanglos ausgeschieden, über 50 m Freistil nur Sechste geworden. Lange sprach danach vom "Super-GAU", in Fukuoka fiel Sandra Völker gar nichts mehr ein: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß es einfach nicht." Minutenlang war sie zu keiner Reaktion fähig. Zu diesem Zeitpunkt präsentierte Lange schon die Erklärungen: "Sie hatte einen beschissenen Start, kam nicht in Tritt. Und wenn die Kraft weg ist, kannst du deine Reserven einfach nicht mehr abrufen."
Sandra Völker droht zu einer tragischen Figur des deutschen Schwimmsports zu werden. Die insgesamt 53-fache Medaillengewinnerin bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften zählt auf allen für sie relevanten Sprintstrecken zu den weltbesten Athletinnen. Aber immer, wenn es um Gold geht, gelingt es ihr nicht, auf den Punkt da zu sein. "Das ist ein Schock", gestand Lange.
Alle hatten sie auf der Gold-Rechnung über 50 m Rücken. "Es ist schwierig, als Weltrekordlerin zu verlieren. Für Antje ist das eine tolle Geschichte, für Sandra ganz bitter", sagte Bundestrainer Manfred Thiesmann. Antje Buschschulte holte in 28,53 Sekunden zwei Hundertstel hinter Weltmeisterin Haley Cope aus den USA Silber und freute sich wie ein Schneekönig: "Einfach genial - dabei bin ich gar keine Sprinterin. Ich bin total happy." Derweil saß Sandra Völker schon in den Katakomben der Marina Messe. Und wollte einfach nichts mehr hören und sehen.
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