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Der etwas andere Ausblick auf 2016
Zettel, Glatzen, Glücksmomente

Fotos: André Schubert wird zum "Zettel-Ewald"
Fotos: André Schubert wird zum "Zettel-Ewald" FOTO: Screenshot Sky
Düsseldorf. Es wird aber auch alles immer komplizierter. Wo früher einfache Fußballer allenfalls mal Verteidiger, Mittelfeldspieler oder Stürmer waren, gibt es heute schreckliche Wesen wie abkippende Sechser, einrückende Flügel oder eineinhalbfache Angreifer. Wo soll das noch hinführen? Wir erklären es uns und Ihnen, und wir blicken ins Fußballjahr 2016. Von Robert Peters

Januar Borussia Mönchengladbach startet mit fünf Testspielniederlagen ins neue Jahr. Trainer André Schubert interessiert das nicht. Er wechselt lediglich den Kapuzenpulli und trägt nun edles Schwarz. Die Dortmunder erschrecken darüber so sehr, dass sie das erste Rückrundenspiel in Mönchengladbach mit 3:4 verlieren. Als Dortmund zwischendurch mit 3:1 führt, schickt Schubert Jonas Hofmann mit zehn Zetteln auf den Rasen, die an alle Feldspieler verteilt werden. Die taktische Botschaft: "Wir müssen noch drei Tore schießen. Zettel nach Erhalt verzehren."

Februar Bayern München gewinnt das Hinspiel im Champions­-League­-Achtelfinale bei Juventus Turin mit 3:0. Trainer Pep Guardiola klagt: "Es ist schwer. Immer gewinnen, gewinnen, gewinnen." Über seinen Wechsel zu Manchester City will er nichts sagen. Außer: "Das ist schwer. Immer sprechen, sprechen, sprechen." In Zürich wählt die Fifa Prinz Ali bin al­ Hussein (Jordanien) zum Präsidenten. Am Montag nach der Wahl erscheint der "Spiegel" mit der Schlagzeile: "Der schräge Prinz." Theo Zwanziger enthüllt, dass Ali bin al­ Hussein in seiner Jugend beim Mau­Mau betrogen hat. "Ich sage: Ali lügt", erklärt Zwanziger. Die Gemeinde Altendiez wählt ihn zum Westerwälder des Jahres.

März Das Rückspiel gegen Juventus gewinnen die Bayern mit 4:0. Guardiola spricht überhaupt nicht mehr. Er lässt Kapitän Philipp Lahm Zettel verteilen. Aufschrift: "Es ist schwer." Die Nationalmannschaft verliert ihr Testspiel gegen England in Berlin mit 0:1. Bundestrainer Joachim Löw erinnert sich an ein taktisches Erfolgsmodell und lässt sich daraufhin eine Glatze schneiden wie Schubert und Guardiola. 20 Minuten vor Ende der Begegnung mit Italien in München schickt er seinen Briefträger Mario Gomez mit einem Notizblock aufs Feld. Die Spieler halten eine Beratungsrunde ab, Gomez wird wieder ausgewechselt, und Deutschland gewinnt mit 1:0. Löw sagt: "Gomez ist ein wichtiger Spieler."

April Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt trennen sich torlos. Die Trainer haben ein neues System mit extrem abkippenden Stürmern, Fünfeinhalbern in der Abwehr und einem flexiblen 7­3­0­-System erdacht. In 90 Minuten gibt es keine Torchance. Der Platz sieht so aus, als habe eine Wildschweinhorde für den Super Bowl trainiert.

Mai Bayern München gewinnt Meisterschaft, Pokal und Champions League. Guardiola findet alles schwer und will über den Wechsel zu Manchester City nicht sprechen. Matthias Sammer, im Vorstand für schlechte Laune zuständig, schimpft ausdauernd über das Gegentor beim 4:1 im Finale gegen Barcelona. "So geht das nicht weiter", sagt er und verteilt beim Bankett Zettel an die Spieler. Aufschrift: Siehe oben.

Juni Deutschland startet mit einem 0:0 gegen die Ukraine in die Europameisterschaft. Löw erklärt, er werde die Haare wieder wachsen lassen. Gomez kauft dem Trainer einen Notizblock. Gegen Polen wird er für Mario Götze eingewechselt, darf wieder fünf Minuten Zettel verteilen, ehe er gegen Marco Reus ausgetauscht wird. Deutschland gewinnt mit 2:0. Beide Tore schießt Reus.

Juli Die DFB­Auswahl scheidet im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Italien aus. Löw hat diesmal seinen Briefträger Gomez für die Startformation nominiert, aber als sich der Spieler zur Übergabe der neuesten taktischen Nachrichten an der Coachingzone aufhält, köpft sein Gegenspieler Giorgio Chiellini das 1:0. Löw gehen die Zettel aus. Der DFB verlängert vorzeitig seinen Vertrag – mit einer Option auf Glatzenattrappe in naturidentischem Design.

August Pep Guardiola leitet das erste Training bei Manchester City. Er will aber noch nicht verraten, zu welchem Klub er wechselt. In München lädt sein Nachfolger Carlo Ancelotti Mannschaft, Funktionäre und Trainerstab zu einem gemütlichen Abend in die Augustiner­Braustube. Sein erster Satz auf deutsch: "Grüß Gott, ich kann essen wie ein Pferd." Zum Beweis verzehrt er zwei Schweinshaxen. Sein Dortmunder Kollege Thomas Tuchel schickt voller Mitgefühl einen Ernährungsplan.

September Borussia Mönchengladbach legt neuerdings Wert auf Defensivarbeit. Sogar mit Erfolg: In den ersten beiden Pflichtspielen gibt es im Schnitt nur zwei Gegentore. Schubert sorgt sich deshalb aber um seinen guten Ruf und erfindet über Nacht die nach vorn abkippende Abwehr. Zwischenergebnis: In der Champions­-League­-Qualifikation feiert Borussia einen 6:5­Heimsieg über Schachtjor Donezk. Zehn Minuten vor Schluss steht es 1:5. Dann beordert Schubert Jonas Hofmann mit einem Taktik­-Almanach in vier Bänden aufs Feld, den er den Gästen aushändigt. Bis die Übersetzung geschrieben ist, hat Gladbach fünfmal getroffen. Schubert lächelt weise in seinen schwarzen Kapuzenpulli.

Oktober Carlo Ancelotti macht Diät. Künftig wird nur noch viermal am Tag warm gegessen. Dadurch wird er beinahe so unausstehlich wie Matthias Sammer. Die Spieler sammeln und schicken ihren Trainer in ein Wellness­-Wochenende "All you can eat" an den Tegernsee. Gemeinsam mit Uli Hoeneß gleicht Ancelotti den Gewichtsverlust tapfer kauend wieder aus. Seine Mannschaft gewinnt gegen Dortmund 3:1, und sein Kollege Tuchel lässt zur Strafe das Abendessen aus.

November Deutschland setzt sich in San Marino mit 1:0 durch. Löw sagt: "Es war wichtig, dass wir mal zu Null spielen." Gomez sitzt 90 Minuten auf der Bank, weil der Chef Notizblock und Kugelschreiber vergessen hat. Nach Medienberichten denkt er über die Anschaffung eines schwarzen Kapuzenpullis nach.

Dezember Dortmund gewinnt beim Neuling RB Leipzig mit 2:0. Beide Tore erzielt Pierre-Emerick Aubameyang, der nach dem zweiten Treffer ein Superman­-Kostüm überstreift und aus dem Stadion fliegt. Tuchel gibt zur Belohnung eine Runde Fassbrause. Aubameyang fliegt am Abend über Halle ins Mannschaftshotel ein. Pünktlich.

Quelle: RP
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