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Dortmund
Caruana beherrscht Dortmunder Schachtage

Dortmund. Beim wichtigsten deutschen Turnier waren Topspieler wie Wladimir Kramnik und Wesley So vertreten. Von Wolfram Goertz

Nicht nur für Fußballfans ist Dortmund ein Name voller Glanz. Auch die leisen Anhänger des Schachspiels wissen, dass im Osten des Reviers zuweilen Königliche stürzen und Bauern zu Helden werden. Einmal im Jahr werden die Dortmunder Schachtage durchgeführt, das "Dortmund Sparkassen Chess Meeting". Gestern ging das mit acht Top-Spielern besetzte Turnier 2015 zu Ende. Wegen der potenziell künstlerischen Dimension des Schachspiels wird es im Orchesterzentrum NRW ausgetragen. Wie im Vorjahr gewann der US-Amerikaner Fabiano Caruana.

Lange hatte es nach einem guten deutschen Jahrgang ausgesehen. Liviu Dieter Nisipeanu, der Deutsch-Rumäne, führte lange; er gewann gegen den Philippino Wesley So und gegen den laut ELO-Statistik stärksten Deutschen Arkadij Naiditsch, spielte Remis gegen die Russen Wladimir Kramnik und Ian Nepomniachtchi sowie gegen die Chinesin Yifan Hou und den Deutschen Georg Meier. Dieser wiederholte in Dortmund seine Schwäche, strategische Vorteile nicht über das Mittelspiel retten zu können, und landete auf hinteren Plätzen. Dieses Schicksal teilte er mit dem Deutsch-Letten Arkadij Naiditsch, der sich von Dortmund, wo er 2005 gewinnen konnte, ebenfalls mehr versprochen hatte.

Nisipeanu musste sich nur gestern geschlagen geben; sein Bezwinger war Caruana. Der US-Amerikaner hatte die robuste Berliner Verteidigung gewählt, die in der Schachwelt wegen ihrer Undurchdringlichkeit lange "Berliner Mauer" genannt wurde. Nisipeanu versuchte mit dem kessen Evans-Gambit Paroli zu bieten. Allerdings wählte er eine unglückliche Zugfolge, die einen seiner Läufer auf dem Damenflügel isolierte. In der Folge wurde der Läufer durch einen Bauer erobert, der seine Keckheit mit der Umwandlung in eine Dame zu krönen drohte. Das konnte Nisipeanu nicht mehr verhindern und gab auf.

Mit dem Sieg kletterte Caruana nach einer Durststrecke im Frühjahr wieder in die himalayische Zone einer ELO-Zahl über 2800. Dort halten sich derzeit nur fünf Spieler auf.

Quelle: RP
 
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