11.000 Läufer tragen das olympische Feuer durch Australien: Schlichte Zeremonie vor traumhafter Kulisse
zuletzt aktualisiert: 08.06.2000 - 09:53Ayers Rock/Australien (dpa). Der olympische "Feuerstock" ist auf dem Weg nach Sydney. Nach einer schlichten Zeremonie vor der traumhaft-schönen Kulisse des Ayers Rock im Roten Herz Australiens ist die olympische Fackel am Donnerstag von den ersten der 11 000 Läufer getragen worden. In Sydney wird sie am 15. September vor 110 000 Zuschauern die Flamme für die Sommerspiele entzünden.
In bitterer Kälte bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt warteten die Stammesältesten der Anangu seit kurz nach Sonnenaufgang auf die olympische Flamme. Das Feuer war in einem kleinen Lämpchen von Neuseeland in die Mitte Australiens geflogen worden. In Auckland war am Mittwoch die Tour der Fackel durch den pazifischen Raum zu Ende gegangen.
Australiens Generalgouverneur Sir William Deane, der Stellvertreter des Staatsoberhauptes, Königin Elizabeth II, und Olympia-Minister Michael Knight begleiteten das Feuer vom Flughafen zum Ayers Rock. Hier bewundern normalerweise jeden Abend Hunderte von Touristen den spektakulären Sonnenuntergang, der den berühmten Berg aufglühen lässt, der in der Stammessprache Uluru heißt. Vor rund 400 Journalisten aus aller Welt zündete Sir William dann die vom Stammesältesten Kunmanara Uluru gehaltene erste Fackel an. Dieser gab sie an an die sieben neben ihm stehenden weiblichen und männlichen Stammesmitglieder weiter.
Zuvor hatte Kunmanara Uluru die Flamme und die Zuschauer begrüßt: "Wir sind alle glücklich, dass der Feuerstock zum Platz meiner Väter, Uluru, gekommen ist und heißen alle auf unserem Land willkommen. Wir haben seit uralten Zeiten traditionelle Feuerstöcke benutzt, und wir sind stolz, die Fackel hier zu begrüßen." Uluru sprach in der Landessprache Pitjantjatjara, der Feuerstock heißt "waru tjangi". Wegen des starken Windes ging die Flamme zwei Mal aus.
Nova Peris-Kneebone (Foto mit Fackel) durfte als erste mit der Fackel laufen. Die 29-jährige Aborigine hatte 1996 als erste Ureinwohnerin Gold für Australien gewonnen. Sie siegte mit der Hockey-Mannschaft und wird in Sydney wahrscheinlich im Sprint an den Start gehen. In strahlendes Weiß gekleidet, strahlte die dunkelhäutige Sportlerin in die über zwei Dutzend Fernsehkameras und sagte nach ihrem Lauf, den sie trotz Kälte aus Respekt für ihre Herkunft barfuß absolvierte: "Das war etwas ganz Besonderes. Wir konnten der ganzen Welt unsere Kultur zeigen."
Eine der nächsten Läuferinnen war Evonne Goolagong-Cawley, die zweimalige Wimbledon-Siegerin. Auch sie ist Aborigine und wurde auf ihrem Lauf von zahlreichen Ureinwohnerkindern begleitet, von denen einige Hunderte von Kilometern angereist waren. "Dies war wie eine Segnung der Olympischen Spiele", sagte die ehemalige Tennisspielerin.
Die Fackel machte anschließend ihren Weg rund um den größten Monolithen der Welt. Am (heutigen) Donnerstag wurde die Flamme nach Alice Springs geflogen, von wo aus sie auf der längsten Fackel- Stafette der olympischen Geschichte noch weitere 27 000 km unterwegs sein wird, bevor sie im Sydney-Stadium ankommt.
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